Das Leben verteidigen: Widerstand bedeutet Frieden und Afrin bedeutet Heimat

Andrea Wolf Institut der Jineolojî Akademie

Überall auf der Welt, von Palästina bis Kurdistan, in Venezuela, Sudan und Somalia, wird Krieg geführt, und Menschen werden gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Und überall auf der Welt verbindet die Kriegsführenden ein zentrales Thema: Heimat. Ob in Syrien oder in Europa wird diskutiert, wem es erlaubt ist beheimatet zu sein. In den letzten Wochen des Angriffskrieges in Nord-/Ostsyrien haben Tausende von Menschen ihr zu Hause, ihre Gemeinschaften, ihr Land verloren. Die meisten von ihnen haben dies schon einmal erlebt und werden nun zum dritten oder vierten Mal in ihrem Leben vertrieben. Dieser Artikel handelt nicht vom Krieg, sondern versucht, einige Aspekte des Friedens zu erfassen. Was bedeutet wahrer Frieden in diesen kriegerischen Zeiten, und was hat dieser mit Heimat zu tun?

Diese Geschichte beginnt in Afrin.

Afrin ist ein schmerzendes Wort für diejenigen die dort zu Hause sind, denn sie waren schon lange nicht mehr dort. Seit der Besatzung durch die türkische Armee, 2018, lebten viele in einem Camp, das nicht weit von Afrin entfernt, in Shehba aufgebaut worden war. Auch von dort wurden sie im letzten Winter durch den Krieg der dschihadistischen Söldner, die jetzt in die Syrische Armee eingegliedert wurden, vertrieben. Heute sind viele von ihnen in einem neuen Camp, in Tabqa. Wir besuchten sie dort, wurden in ihre Zelte eingeladen, hörten von den Schwierigkeiten, der Kälte im Winter, der Hitze im Sommer, aber auch ihrer Entschlossenheit zusammen zu bleiben und eines Tages nach Afrin zurück zu kehren. In diesem Winter, als Tabqa von der syrischen Übergangsregierung und ihren, von der Türkei unterstützten, dschihadistischen Söldnergruppen angegriffen und eingenommen wurde, wurden diese Menschen erneut gewaltsam vertrieben.

Die Region Afrin im weitesten Nord-Westen von Syrien wurde 2012 im Zuge der Rojava Revolution vom Baath-Regime befreit. So wie im ganzen befreiten Gebiet, wurden von den Menschen selbstbestimmt Institutionen der Selbstverwaltung aufgebaut. Seitdem hat sich die Gesellschaft in Kommunen und Räten organisiert, in Kooperativen eine gemeinschaftliche Wirtschaft etabliert und durch Bildungen ein kommunales Bewusstsein entwickelt.

Das heißt, wenn eine Entscheidung gefällt wurde, war die Kommune involviert, und wenn Probleme gelöst wurden auch. Die Kommune schafft die Organisation der Gesellschaft, wir geben ihr die größte Bedeutung, von allen Institutionen und Räten. Alle Menschen finden einen Platz in der Kommune.“, erzählten die Frauen, die in den Institutionen des selbstverwalteten Flüchtlingslagers in Tabqa aktiv waren. Dieses demokratische System, in dem jedes Individuum Teil der Entscheidungsprozesse ist, sodass diese im Sinne des Gemeinwohls getroffen werden, ist die Perspektive eines freien, gesellschaftlichen Lebens der Menschen in Nord-und Ost-Syrien. Die Basis bilden demokratische und ökologische Werte, wobei die Notwendigkeit von Frauenbefreiung und die Gleichwertigkeit der Geschlechter im Mittelpunkt stehen.

Von dem Leben in Afrin erzählten die Frauen weiter: „Zu Beginn der Rojava-Revolution 2012/2013 lebte Afrin in einer selbstversorgenden Kreislaufwirtschaft. Die Menschen ernährten sich von dem Land, das sie umgab. […] In jedem Haus standen Bäume im Hof und Gärten wurden angelegt. […] Beim Anbau von Pflanzen für den Verkauf werden chemische Dünger genutzt, um den Gewinn zu steigern, doch in Afrin gab es so etwas nicht. Wenn die Frauen zu Hause anbauten, deckten sie die Bedürfnisse ihres Haushalts und vielleicht auch die ihrer Nachbar*innen und Freund*innen. Afrin war isoliert (belagert), und wir hätten weitere zehn Jahre so überleben können. Warum? Weil jedes Haus einen eigenen Garten hatte, der die Menschen selbst versorgen konnte. Maßgeblich dafür waren die Frauen, die das Land bestellten und bewässerten. Sie pflanzten hier Blumen und dort Tomaten. Hier eine zarte Rose und daneben Bohnen. Die Menschen in Afrin bauten alles selbst an. Außerdem hatte jedes Haus Schafe, für Joghurt, Milch und Käse. Und auch um diese kümmerten sich meist die Mütter. Es gab auch Hühner, sodass die Menschen keine Eier auf dem Markt kaufen mussten.“

Die Frauen sprachen voller Stolz von der natürlichen Kreislaufwirtschaft und der Bedeutung der Selbstversorgung in Zeiten von Krieg und Belagerung. Die Rolle der Frauen und Mütter darin, als Trägerinnen dieses gemeinschaftlichen Lebens steht für sie im Vordergrund. Sie sprechen davon, wie grün ihre Heimat Afrin ist, im Gegensatz zu der dürren Landschaft, in der sie nun von neuem versuchen ein Leben aufzubauen.

„Man sollte meinen, man könnte [hier] nichts anpflanzen, aber wir haben alles angepflanzt.“

Sie meinen nicht irgendein grün, nicht saftiges Gras-Grün, oder dunkles Tannen-Grün, sondern das Grau-Grün von Olivenbäumen: Afrin ist berühmt für seine Olivenbäume und die Ölproduktion. Die Türkische Armee, die im Januar 2018 das kommunale Leben in Afrin gewaltvoll unterbrach, nannte ihre Militäroffensive „Operation Oliven Zweig“. Mit der neu kreierten Söldnergruppe „Syrian National Army“ (SNA), die die türkischen Interessen auf der anderen Seite der Grenze, in Syrien, umsetzen soll, begannen sie am 20. Januar ein Angriffskrieg gegen Afrin.

Im Afrin Krieg waren auf einmal Kriegsflugzeuge über uns am Himmel. Das hatten wir in unserem Leben noch nicht gesehen. Wir hatten ja keine Erfahrungen mit Krieg.“, erzählten die Frauen von diesem Tag. Die türkischen Interessen waren, einen Begriff von Heimat zu verteidigen, der nur einer ethnischen Gruppe, eine Sprache, einer Kultur und einer Religion erlaubt zu Hause zu sein. Um dieses Verständnis zu etablieren, wurde der türkische Staat auf der Grundlage der Negierung der kurdischen Gesellschaft, Sprache, Ethnie und Kultur aufgebaut. Das bunte gemeinschaftliche Leben, welches sich durch die Rojava Revolution auf der anderen Seite der türkischen Staatsgrenze entwickelte bedrohte diesen Begriff zu widerlegen, vor allem weil diese vor allem kurdischer Initiative war. Die Frauen aus Afrin erzählen, wie durch den geteilten Widerstand der Frauen, ethnische Spaltungen überwunden wurden und diese darin eine Leitungsrolle für die gesamte Gesellschaft einnahmen.

Die Wahrheit ist, dass Frauen das Leben über tausende Jahre angeführt haben. Aber wir, in der Mitte all dessen, hatten viele Schwierigkeiten. Ob wir es mögen oder nicht, in Kultur, Religion, überall gibt es Sitten und Traditionen. Die Mühen und Arbeiten der Frauenbewegung wurde ein Vorbild und eine Kraft für uns. Innerhalb der Gesellschaft, als Frauen, Autonomie unter Frauen aufzubauen, sich dadurch selbst kennenzulernen und zu befreien… und damit Vorreiterinnen zu werden für alle Frauen weltweit… In Afrin, lebten vor allem kurdische und arabische Frauen, ein paar wenige turkmenische Familien gab es auch. Wenn wir miteinander über den Aufbau von Frauenkommunen sprachen, hat es sich angefühlt, wie als würde sich die ganze Gesellschaft auf eine Korrekturlinie zu bewegen. Die Gesellschaft konnte einen tiefen Atemzug nehmen… konnte leichter atmen. Wir machten Bildungen zu der Verteidigung von Frauenrechten. Freiheit ist nichts einfaches… Frauenbefreiung bedeutet, Frauen müssen sich selbst kennen lernen. Wir brauchten Frauenkommunen, denn darin konnten Frauen ihren Schmerz und ihr Leiden durch unterdrückerische Traditionen,Väter, Brüder oder Ehemänner miteinander teilen.“

Zwei Monate nach Beginn des Angriffskrieges, am 18. März 2018, begann die von der Türkei unterstützte SNA mit der Besetzung von Afrin. Sie plünderten Dörfer, vergewaltigten, mordeten, entführten, folterten und verübten zahlreiche Massaker an Zivilisten. Das Sprechen der kurdischen Sprache wurde verboten und verfolgt, und die geschichtstragenden Olivenhaine wurden niedergebrannt. Tausende Menschen wurden gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Da Afrin für viele, die vor früheren Kriegen wie den Angriffen des IS in Shengal geflohen waren, zu einem Zufluchtsort geworden war, war diese Vertreibung für viele bereits die zweite in ihrem Leben.

Die Menschen aus Afrin gaben das Ziel nicht auf, zurückzukehren und entfernten sich daher nur so weit wie nötig. Viele gingen nach Aleppo oder nach Shehba. Auch Shehba war von der türkischen Besatzung eingeschlossen. Unter dem totalitären syrischen Assad-Regime waren sie einem Wirtschaftsembargo und ständigen Angriffen ausgesetzt. Die tausenden Binnenvertriebenen aus Afrin gaben nicht auf und entwickelten in den Geflüchtetencamps eine Perspektive eines freien, gemeinschaftlichen Lebens.

„Nach unserer Ankunft [in Shehba] haben wir zunächst drei Monate lang die Familien in den Zelten besucht. Wir sind von Haus zu Haus gegangen und haben miteinander darüber gesprochen, wie Frauen ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten, Probleme frühzeitig erkennen und ihre Kinder und die Umgebung sauber halten können. Denn wenn Frauen gut vorbereitet und gestärkt sind, können sie die ganze Familie versorgen. Anschließend haben wir uns im Gemeinderat getroffen. Wir besprachen unsere Situation, die Kriegslage, wie es zu unserer Vertreibung gekommen war und wie wir uns künftig organisieren wollten.“

In den Geflüchtetencamps wurde auch die Selbstverteidigung selbst organisiert. „Wer auch immer ins Camp kam, in die Kommune, wenn ein Fremder kam, jemand aus dem Selbstverteidigungskomitee wird direkt nachsehen, wer es ist.» Mittlerweile sind ¾ der Mitglieder des Selbstverteidigungskomitees Frauen. Im generellen sind die, die am meisten arbeiten, die Frauen. Trotz all der Schwierigkeiten, in den Zelten, vor allem Familien mit Kindern haben es schwer, aber trotz alledem leisten die Frauen Widerstand, organisieren sich, verteidigen sich und ihre Familien.“

Selbstverteidigung hat viele Rollen. Manche halten Wache, gehen auf Patrouille und lernen den Umgang mit Waffen. Und andere „sagten, sie werden zu Hause gebraucht, aber sie würden die anderen informieren, wenn sie irgendwelche Probleme bemerken.“ Es ging Ihnen nicht nur darum, das alltägliche Leben in der Kriegssituation gut zu organisieren, sondern vor allem auf diese Weise eine Zukunft zu gestalten, die diese Kriegssituation überwinden kann.

Wir hatten in Shehba eine Kita eingerichtet. Für den ersten Tag der Kinder war alles vorbereitet. Die Erzieherinnen hatten Bilder an die Wand gemalt. Sie haben gefragt: „Sollen wir ein Auto malen?“ Ich habe gesagt: „Alles, was wir malen, sollte aus der Natur sein.“ Sie fragten: „Warum?“ und ich sagte: „Damit die Kinder, Mädchen wie Jungen, die Natur anschauen und dadurch entspannt werden. Damit sie mit Liebe aufwachsen. Wenn sie die Natur betrachten, wird sich Liebe in ihnen aufbauen. Dann werden sie auch ihre Umgebung im Allgemeinen lieben.“ Die Erzieherinnen haben zugestimmt. Wer die Natur liebt, liebt alles. Aber wir mussten den Kindergarten aufgeben und Shehba verlassen.“

Sieben Jahre lang hatten die Menschen aus Afrin in Shehba gelebt und sich dort in den Camps weiterhin selbstverwaltet und diese Werte gegen die Angriffe der Türkischen Angriffe verteidigt.

„Wenn deine Hände in der Erde etwas anpflanzen, baust du Wissen und Energie auf. Wenn du davon getrennt bist … Habt ihr gesehen was sie in Afrin den Olivenbäumen antun? Sie fällen die Olivenbäume. Ihr habt es gesehen. Du kannst Frauen aus Afrin nicht von der Natur trennen. Man denkt, in den Camps würde gar nichts wachsen. Doch wir haben alles angepflanzt. Davon getrennt zu sein, ist wie von der eigenen Schönheit, der Liebe des Lebens, des Geistes getrennt zu sein.“

Als im Herbst 2024 das Assad Regime gestürzt wurde, nutzte die Türkei diesen Moment und griff die Region mit Luft- und Bodenangriffe durch SNA und das türkische Militär an. Am 2. Dezember 2024 wurden die Geflüchtetencamps evakuiert und die Menschen mussten ein Weiteres mal fliehen. Das „hat einen Einfluss auf die Menschen. Frauen sind am meisten beeinflusst. Weil sie sind oft gebunden ans Haus, versorgen den Haushalt, ziehen die Kinder groß. Ob alles lebensnotwendige verfügbar ist oder nicht, ob es Arbeit gibt oder nicht, ob alles läuft oder nicht… es beeinflusst sie sehr. Einige Probleme werden erlebt und Schwierigkeiten, durch dieses Fliehen.“, erzählt eine der Frauen. Eine Andere fügt hinzu:

Als wir von Shehba fliehen mussten und hier her kamen, denk darüber nach, es war mitten im Winter. Wir waren in der Kälte in Zelten. Aber die Frauen haben Widerstand geleistet und sich selbst in den Camps verteidigt, denn eine Frau die nicht organisiert ist und sich nicht verteidigen kann, kann unter solchen Bedingungen nicht leben. […] Gemeinsam vervollständigen sich die Frauen gegenseitig und ermutigen sich den Bedingungen zu trotzen.“

Manche Familien sind in die Städte gegangen, haben Arbeit aufgenommen, andere zogen in andere Geflüchtetenlager, wie die Frauen, die in Tabqa interviewt wurden, und wieder andere sind nach Aleppo gezogen. In Aleppo wurden sie in den selbstverwalteten Stadtteilen Shehmesud und Ashafriye in die dortige Nachbarschaftskommune integriert und engagierten sich in den Komitees. Die übrigen Teile Aleppos standen unter der Kontrolle der neuen Syrischen Übergangsregierung, die nach der Machtübernahme der dschihadistischen Miliz Hayat Tahrir al-Sham (HTS) im Herbst 2024 gebildet worden war. Damit haben die zwei selbstverwalteten Stadtteile durch ihre Lage eine bedeutende Rolle und waren immer wieder Ort von Auseinandersetzungen. Die Übergangsregierung schürte Spaltungen und Hetze, vor allem gegen die religiösen und ethnischen Minderheiten in den selbstverwalteten Vierteln.

In einem Verhandlungsprozess zur Integration der Selbstverteidigungseinheiten der Autonomen Selbstverwaltung, der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD), in die Übergangsregierung wurde sich am 10. März 2025 auf ein Abkommen geeinigt. Das Ziel einer Demokratisierung sollte ein Syrien schaffen, in der alle dort ansässigen Menschen gemeinsam Heimat finden können.

So lautet Punkt 5 des Abkommens: „Ablehnung von Aufrufen zur Spaltung, Hassreden und Versuchen, Zwietracht zwischen den Bevölkerungsgruppen Syriens zu säen.“

Und Punkt 7: „Gewährleistung der Rückkehr aller vertriebenen Syrerinnen und Syrer in ihre Städte und Dörfer und Gewährleistung ihres Schutzes durch den syrischen Staat.“

In der Umsetzung des Abkommens und einer Dezentralisierung Syriens hatte Aleppo eine besondere Rolle. Die Demokratischen Kräfte Syriens übergaben die Wahrung der Sicherheit der selbstverwalteten Stadtviertel an interne Sicherheitskräfte, welche in den Selbstverteidigungskomitees der Kommunen wurzeln. Im April 2025 unterzeichnete der zivile Rat der Stadtviertel ein Abkommen mit der Syrischen Übergangsregierung. Darin wird bestätigt, dass die beiden Stadtteile selbstverwaltet bleiben und dennoch als Teil von Aleppo anerkannt werden, wobei die soziale und kulturelle Identität des Gebiets respektiert wird. Die Straßen zu den restlichen Teilen Aleppos sollten geöffnet werden und die Verantwortung über die Sicherheit der Viertel gemeinsam getragen werden.

Gegen Ende des Jahres wurde immer klarer, dass die Prozesse der Demokratisierung und Dezentralisierung Syriens sich so schnell nicht umsetzen würde, doch stattdessen blockiert wurde. Die daraus folgenden Spannungen zeigten sich vor allem in den Vierteln in Aleppo. Im Dezember wurden die Zufahrtsstraßen in die Viertel von den Regierungstruppen blockiert, sodass die Versorgung erschwert wurde. Es folgten militärische Auseinandersetzungen zwischen Regierung und internen Sicherheitskräften auf Angriffe auf Demonstrationen der Bevölkerung.

Am 6. Januar 2026 griffen die Söldnermilizen der Syrischen Übergangsregierung und der Türkei mit schweren Waffen gezielt Zivilist*innen und Infrastruktur an. Mit menschenverachtenden Methoden mordeten und zerstörten sie. Viele Menschen verließen die Viertel und begaben sich ein weiteres mal ins Ungewisse. Andere folgten dem Aufruf der Kommunen und Räte und beschlossen in ihren Vierteln zu bleiben und Widerstand zu leisten. Die internen Sicherheitskräfte der Selbstverwaltung verteidigten die Viertel und leisteten tagelang Widerstand, während dschihadistische Gruppen ihre völlige Verachtung allen Lebens offenbarten, Zivilisten gefangen nahmen und die Leichen der Ermordeten verstümmelten und schändeten. Insbesondere Frauen erlitten besondere Gewalt durch die faschistisch-dschihadistische Gesinnung der Angreifer.

Dieser Krieg in Syrien raubt Menschen ihre Heimat im ganz materiellen Sinn des Lebens und greift darüber hinaus ein Verständnis von Heimat an, dass Heimat als etwas lebendiges begreift. Dies ist ein Verständnis von Heimat, dass der ganzen Welt einen Weg für Frieden weisen kann. Die Menschen in Rojava wissen trotz der Tränen in ihren Augen und des Schmerzes, den jeder erneute Krieg mit sich bringt, mit Gewissheit: Nur ein Leben des Widerstands kann Frieden in ihre Heimat bringen.

Auch nach 8 Jahren Besatzung Afrins sind die Menschen fest entschlossen zurückzukehren. „Alle sagen, die Milizen haben Afrin eingenommen, die Bäume gefällt, sie töten, besetzen und zerstören alles. Aber wir wollen auf unser Land zurückkehren. Wir werden Afrin wieder grün machen, so wie es vorher war. Wir Frauen haben diesen Glauben.“ So endet eine der Frauen das Gespräch.

Eine Andere fügt hinzu: „Ich sage, wenn ich nach Afrin zurückkehre, werde ich auf die Spitze eines Berges gehen, ein Lehmhaus bauen und dort leben. Wir werden uns selbst versorgen und diese Kultur nicht verlassen. Wir werden zu unserer Kultur, unserer Lebensweise, zurückkehren, so dass wir die Jahre die wir Afrin verlassen mussten problemlos hinter uns lassen können.“

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