Trommelherzen und goldene Lieder – Worte für die Schwestern, die in Rojava Widerstand leisten
Von einem Punkt in der Spirale der Jineolojî, in der Geographie namens Italien
Während die Demokratische Selbstverwaltung Nord- und Ostsyriens angegriffen wird, fühlen sich viele Frauen in vielen Gegenden, die Tausende von Kilometern entfernt sind, mit Rojava verbunden, wie mit einem Teil von sich selbst.
Dank der Frauen, den Genossinnen der Bewegung und der Gesellschaft, die sich jeden Tag im demokratischen Konföderalismus organisieren und jetzt Widerstand leisten, um nicht nur ein Land zu schützen, sondern auch die Würde des Lebens in all seinen Formen zu verteidigen, und dank der Jineolojî, einer Wissenschaft, die jene Bedeutung der Freiheit wieder ans Licht bringt, für die die Gesellschaften entstanden sind, hatten auch wir hier, in der Geographie namens Italien, die Möglichkeit, unsere politischen und ideologischen Paradigmen zur Interpretation der Gegenwart und der Geschichte in Frage zu stellen.
Dank der Revolution der Frauen, einer Revolution der Gesellschaft und des Lebens, hatten wir angesichts eines Systems, das systematisch den Tod plant, die Chance zu sehen, dass es eine Möglichkeit gibt, diesen Kurs in Richtung Vernichtung umzukehren, wenn Frauen sich autonom organisieren, in sich selbst suchen und Stück für Stück den Positivismus zerstören, der sie zu Versuchskaninchen, Gebärmaschinen oder Lustobjekten machen will.
Angesichts der Allgegenwart der kapitalistischen Moderne, die wie Mikroplastik bis in die Zellen vordringen kann, haben kurdische Frauen osmotische Verbindungen geknüpft, freien Austausch geschaffen und so das gesamte Gewebe stark und widerstandsfähig gemacht.
An meine Schwestern, mit denen mich eine universelle Verbindung verbindet – im Sinne des Universums, der immateriellen und subtilen Kräfte und der konkreten, alltäglichen Kräfte – habe ich in diesen Nächten so viel gedacht, während ich den Mond anschaute und wusste, dass er auch Tausende von Kilometern entfernt, in Rojava, derselbe ist.
Freundin Mond, du, die du über uns wachst, geboren aus Meeresschaum.
Dein zunehmendes, kleines Licht in diesen rauen Nächten,
hat in die Abgründe der tiefen Zeit gespäht.
Von leuchtenden Symphonien aus Plankton und blauen Kornblumen im Getreide,
von verkrusteten Algen des Kambriums und Rotkehlchen, pünktlich jeden Herbst.
Du weißt alles, du kennst alles.
Mit dem subtilen Gesetz dessen, was wir Natur nennen,
hast du die Zöpfe unserer Schwestern geflochten.
– Trommelherzen und goldene Lieder –
Wir sind ein einziger Körper, Hügel aus Licht und Schatten, raue und fruchtbare Täler der Dunkelheit.
Auf unserem Fleisch hinterlässt die Geschichte erneut ihre Spuren.
Freundin Mond, du, die du alles hörst und alles fühlst,
vibriere stark unter den Jacken und Gewehren,
sammle die Lächeln, die in den Tagen aus Stein erblühen.
Du, die du alles denkst und alles sprichst, reflektiere diese Worte wie Wasser im Brunnen,
flüstere sie wie Staub im Wind, Tanz der Quanten, Lieder der Träume …
Bis nach Kobane, über Gaza, und für alle und für jede:n einzelne:n.
Du, die du alles hoffst und alles liebst,
wache über unsere Schwestern die einen weiteren Tag Widerstand leisten,
und noch einen weiteren.
HIER DAS VIDEO ZUM GEDICHT: