{"id":738,"date":"2020-04-30T17:13:10","date_gmt":"2020-04-30T14:13:10","guid":{"rendered":"http:\/\/jineoloji.eu\/de\/?p=738"},"modified":"2020-04-30T17:24:09","modified_gmt":"2020-04-30T14:24:09","slug":"kurdische-frauenbefreiungskampf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/2020\/04\/30\/kurdische-frauenbefreiungskampf\/","title":{"rendered":"Der Kurdische Frauenbefreiungskampf"},"content":{"rendered":"<p>Das Paradigma der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) wurde von linken und sozialistischen Str\u00f6mungen beeinflusst. Sie versucht sich neu zu organisieren und neu zu entwickeln, um ihr Streben nach sozialer Freiheit realisieren zu k\u00f6nnen. Seit ihrer Gr\u00fcndung wurde der Frauenbefreiungskampf als unabdingbar gesehen. Die \u00dcberzeugung, dass die Freiheit der Frau das wichtigste Kriterium f\u00fcr die kollektive Freiheit ist, ist zentral f\u00fcr die Konzepte und Strukturen der PKK. Aus dieser \u00dcberzeugung heraus k\u00e4mpfte Sakine Cansiz (die zusammen mit Fidan Do\u011fan and Leyla \u015eaylemez am 9. Januar 2013 in Paris ermordet wurde) f\u00fcr die selbstst\u00e4ndige Organisierung von Frauen.<\/p>\n<p>Auf ihrem dritten Kongress unternahm die PKK die ersten Schritte f\u00fcr eine autonome Organisierung der Frauen. Der Kern der Frauenbefreiungsbewegung Kurdistans festigte sich mit der Analyse des eigenen Selbst. Die Analysen, die auf der individuellen Ebene ausgef\u00fchrt wurden, er\u00f6ffneten wichtige Informationen \u00fcber den Einfluss der gesellschaftlichen Realit\u00e4t auf die Entwicklung der eigenen Pers\u00f6nlichkeit. Die Analyse \u00d6calans, <i>\u201eWas wir hier im Individuum analysieren, analysieren wir gleichzeitig in der Gesellschaft; wenn wir den Moment analysieren, analysieren wir gleichzeitig auch die Geschichte\u201c,<\/i> die er auf dem dritten Kongress der PKK \u00e4u\u00dferte, kann als wichtiger Beitrag zu den Analysen und der Konzeptualisierung der sozialen Ver\u00e4nderung gesehen werden.<\/p>\n<p>Der erste Schritt der Ver\u00e4nderung des Freiheitskampfes, der damit begann Individuen in eine vereinte Kraft zu wandeln, war die Gr\u00fcndung der Union Patriotischer Frauen Kurdistans (Yekitiya Jin\u00ean Welatparez\u00ean Kurdistan, YJWK) im Jahre 1987. Diese Organisation untersuchte die Konstruktion der Frau und der Familie in ihrem geschichtlichen Kontext und stie\u00df erste Diskussionen \u00fcber die Probleme von Frauenorganisierung an. Die YJWK stellte die Perspektive der Befreiung der Frau neben die Befreiung der Nation und der Klasse in den Vordergrund. In diesem Prozess wurden die ersten theoretischen Ausarbeitungen zur patriarchalen Ausbeutung der Frau gemacht. Mit \u00d6calans Buch \u201eFrauen und die Familienfrage in Kurdistan\u201c wurden diese Analysen in die Sozialstruktur miteinbezogen.<\/p>\n<p>Die YJWK war die erste Frauenorganisation Kurdistans mit einem revolution\u00e4ren und libert\u00e4ren Charakter, sie spielte eine ausschlaggebende Rolle in der Organisierung und leistete wichtige Arbeiten in der Periode von 1987 bis 1993. Die Verdienste, die Frauen in dieser Zeit geleistet haben und die Ver\u00e4nderungen, die sie durch ihren Freiheitskampf in dieser Zeit angesto\u00dfen haben resultierten in einem einzigartigen Set an Ansichten und einem theoretischen Rahmen von Frauenbefreiung innerhalb der PKK. Als theoretischer Rahmen, der mit Denkmustern in der Gesellschaft brach, fand er auch schnell Entsprechung in der Praxis. Weitere fundamentale soziale Ver\u00e4nderungen fanden in der PKK statt, als 1993 die Frauenarmee gegr\u00fcndet wurde.<\/p>\n<p>Die St\u00e4rkung des eigenen Willens und der eigenen Kraft, die durch den bewaffneten Kampf und die Weiterf\u00fchrung und Weiterentwicklung der YJWK erlangt wurde, wirkte sich auch organisatorisch aus. Die Frauenarmee spielte eine wichtige Rolle dabei kurdischen Frauen vielf\u00e4ltigere Erfahrungen zu erm\u00f6glichen und daraus neues Wissen zu erlangen. Es er\u00f6ffnete einen Raum f\u00fcr Frauen aus dem Teufelskreis der kapitalistischen Moderne und des Patriarchats zu entkommen. Die Grundlage f\u00fcr die massenhafte Teilnahme von Frauen in den bewaffneten Einheiten der PKK waren die Entscheidungen von Frauen, sich von jeglichen hegemonialen Beziehungsgeflechten loszul\u00f6sen.<\/p>\n<p>Die Frauen, die gegen alle Angriffe der kapitalistischen Moderne k\u00e4mpfen wollten, machten viele tiefgreifende Erfahrungen, als sie in den Bergen die Waffen in die Hand nahmen um f\u00fcr die Befreiung Kurdistans zu k\u00e4mpfen. Die kurdischen Frauen k\u00e4mpften an der vordersten Front der Guerilla gegen den Nationalstaat und gleichzeitig gegen den dominanten Mann. Die Widerspr\u00fcche innerhalb der Guerilla zeigten, dass die Allianz von Patriarchat, Kapitalismus und Staat durch alle sozialen Ritzen gedrungen ist; daher reicht es nicht aus das System nur durch einen Klassenkampf oder einen nationalen Befreiungskampf zu \u00fcberwinden. Es wurde klar, dass es f\u00fcr die Frauenbefreiung eine grundlegende Analyse des Systems braucht, die bis zu seinem Kern vordringt. Gleichzeitig wurde die Notwendigkeit f\u00fcr alternative und autonome organisatorische Strukturen f\u00fcr Frauen offensichtlich. Der Kampf der Frauen gegen alle m\u00f6glichen Strukturen der Marginalisierung und der Diskriminierung forderten die sozialen Strukturen, die auf der Basis von Herrschaft errichtet worden waren, au\u00dferhalb und innerhalb der Bewegung heraus. In diesem Prozess, der als \u201eGeschlechterkampf\u201c innerhalb der Reihen der Guerilla bezeichnet wurde, lernten Frauen wie sie sich gegen direkte Attacken und die Auswirkungen m\u00e4nnlicher Dominanz verteidigen k\u00f6nnen. Am wichtigsten war die Erkenntnis, dass die Freiheit der Frau keine Sache war, die nach der L\u00f6sung der Kurdischen Frage behandelt werden konnte. Die Notwendigkeit des permanenten Kampfes gegen den dominanten Mann wurde zu einer t\u00e4glichen Realit\u00e4t in der Organisierung der kurdischen Frauen.<\/p>\n<p>Frauen, die nach Freiheit streben, str\u00f6men in die vorderen Reihen der Guerilla, weil die Organisationsweise der PKK genau diesem Bed\u00fcrfnis nach Freiheit entspricht. In diesem Zusammenhang kann auch die Entwicklung gesehen werden, dass Frauen aus den St\u00e4dten flohen, in denen sie der kapitalistischen Moderne besonders stark ausgesetzt waren. Es gab in dieser Zeit auch eine beachtlichen Zunahme von politischem Aktivismus und der Suche nach Freiheit. Durch die Erfahrungen aus der Frauenarmee und ihren Aktionen konnte sich der Frauenbefreiungskampf weiterentwickeln.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcndung der Union der Freiheit der Frauen Kurdistans (Yekitiya Azadiye Jin\u00ean Kurdistan, YAJK) am 8. M\u00e4rz 1995 war ein weiterer wichtiger Schritt f\u00fcr den Zusammenhang von Freiheit und Organisierung. Die Gr\u00fcndung der YAJK spielte eine wichtige Rolle in der Politisierung und Selbstorganisierung der Frauen, denn mit ihr wurde die autonome Organisierung von Frauen in allen Bereichen des Kampfes eingef\u00fchrt. Sie weitete sich in organisatorischer Hinsicht von den Bergen in die St\u00e4dte aus. Die Frauenarmee f\u00fchrte dazu, dass Frauen eine eigene Form der Willensst\u00e4rke und innerhalb des Kampfes eine eigene Kraft entwickelten. Die Widerstand leistenden Frauen eines kolonialisierten Volkes erfuhren auf eine gesellschaftliche Art und Weise wie sie ihre Willensst\u00e4rke zum Vorschein bringen konnten, indem sie sich organisierten.<\/p>\n<p>Die Organisierung und die Taten der YAJK bildeten die Grundlage f\u00fcr Abdullah \u00d6calans Theorie \u201edie dominante M\u00e4nnlichkeit t\u00f6ten\u201c. Der ausbeutende, hegemoniale und Macht-besessene Charakter des Mannes wurde in Frage gestellt und es wurde festgelegt, dass sich auch M\u00e4nner von patriarchalen Wesensz\u00fcgen befreien m\u00fcssen. Daf\u00fcr wurde die \u201eTheorie der Losl\u00f6sung\u201c entwickelt. Mit der Theorie der Losl\u00f6sung sollte das Thema Befreiung sowohl f\u00fcr die Frau als auch f\u00fcr den Mann sichtbar gemacht und beide Geschlechter ihrer Realit\u00e4t bewusst werden. Dieses Konzept trug dazu bei, dass sich Frauen ihrer eigenen Kraft bewusst wurden und durch ihre Lebenserfahrung gest\u00e4rkt wurden.<\/p>\n<p>Die Frauenbefreiungsideologie, die 1998 erkl\u00e4rt wurde und bis zum heutigen Tag g\u00fcltig ist, wurde als Theorie zur Diskussion gestellt. Dabei ist es wichtig zu betonen, dass diese Diskussion nicht nur im Kreis einer elit\u00e4ren Gruppe gef\u00fchrt wurde. Alle M\u00e4nner und Frauen innerhalb der PKK wurden in diesen Diskussionsprozess miteinbezogen.<\/p>\n<p>Die Frauenbefreiungsideologie beinhaltet <i>welatpar\u00eaz\u00ee <\/i> (was so viel wie \u201aPatriotismus\u2018 bedeutet \u2013 doch der patriarchale und nationalistische Unterton dieses Wortes passt nicht zur Bedeutung im Kurdischen, wo \u201awelatpar\u00eaz\u00ee\u2018 wortw\u00f6rtlich die \u2019Verteidigung des Landes\u2018 bedeutet), das freie Denken und den freien Willen, die Organisierung, das Bewusstsein des Kampfes und das Prinzip der \u00c4sthetik. Diese Prinzipien erschufen eine neue Grundlage f\u00fcr das Leben der \u00e4ltesten Kolonie \u2013 der Frauen.<\/p>\n<h1 class=\"western\" lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Garamond, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Zusammenfassung der Konzepte der Frauenbefreiungsideologie <\/b><\/span><\/span><\/h1>\n<p>Die Grundprinzipien der Frauenbefreiungsideologie sind welatpar\u00eaz\u00ee; Leben auf Basis des freien Denkens und freien Willens; Selbstorganisierung; Entschlossenheit zum Kampf und \u00c4sthetik. Diese Prinzipien werden im Folgenden weiter beschrieben.<\/p>\n<p>Das<i> Prinzip <\/i><i><b>welatpar\u00eaz\u00ee<\/b><\/i> wird als das Prinzip gesehen, das die Frauenideologie mit dem Land, der Produktion und der Kultur verbindet. Gegen Nationalismus und Kolonialisierung wird die Liebe f\u00fcr das eigene Land in den Vordergrund gestellt. Mit diesem Verst\u00e4ndnis gelang es den Menschen das Gef\u00fcge ihrer Gesellschaften und ihre materiellen, spirituellen und historischen Werte zu erlernen, zu entwickeln und zu verteidigen. Es ist ein Resultat davon, dass Frauen mit ihrem freien Willen und ihrer freien Meinung an der Gesellschaft teilnehmen konnten. Es wurde klar, dass die Entwicklung der intellektuellen Kraft der Frau nicht nur auf der Ebene der Sexualit\u00e4t angegangen werden konnte. So konnten Frauen beide K\u00e4mpfe, den f\u00fcr ihre Emanzipation und den f\u00fcr ihre nationale Befreiung, hinterfragen und weiterentwickeln.<\/p>\n<p>Das <i>Prinzip der Teilna<\/i><i>hme am Leben auf der Grundlage <\/i><i><b>freien Denkens und freien Willens<\/b><\/i> wurde entwickelt, um die patriarchale Kontrolle \u00fcber die Gedanken der Frauen zu beenden. Eine Frau, die von ihrem eigenen Willen entfremdet wurde, kann keine ausschlaggebende Rolle bei der \u00dcberwindung der patriarchalen Gesellschaft spielen. Ein eigener Wille ist abh\u00e4ngig von Wissen und somit muss eine Frau zun\u00e4chst Wissen \u00fcber das eigene Selbst und ein Selbstbewusstsein erlangen. In diesem Zusammenhang gibt es eine starke Verbindung von Wissen und einem eigenen Willen.<\/p>\n<p>Das <i>Prinzip der <\/i><i><b>Organisierun<\/b><\/i><i><b>g<\/b><\/i> ist eine grunds\u00e4tzliche Notwendigkeit f\u00fcr die \u00dcberlebensf\u00e4higkeit eines jeden Gedankens und f\u00fcr die Realisierung von Visionen. Ohne sie kann keine Vision zur Realit\u00e4t werden. Der Vorsitzende des kurdischen Volkes Abdullah \u00d6calan sagte: <i>\u201eOhne Organisierung ist das Individuum machtlos. Die ersten Formen der Organisierung begannen mit Frauen. Frauen sind diejenigen, die der Organisierung zur Erlangung von St\u00e4rke fundamentale Aufmerksamkeit einr\u00e4umen sollten.\u201c <\/i>Dadurch regte der kurdische Vorsitzende die Organisierung in allen Bereichen der Gesellschaft an. Er f\u00fcgt hinzu: <i>\u201eFrauen, die sich auf die Gnade des Mannes verlassen, sind dazu pr\u00e4destiniert zu verlieren.\u201c<\/i><\/p>\n<p><i>Das Prinzip des <\/i><i><b>Kampfes<\/b><\/i><b> <\/b>ist auch ein Kernbereich der Frauenbefreiungsideologie. Frauen m\u00fcssen gegen das patriarchale System ank\u00e4mpfen, um Wissen ansammeln und einen eigenen Willen herausbilden zu k\u00f6nnen und so zu einer starken Kraft zu werden. \u00d6calan betont, dass <i>\u201eaufgrund eines Mangels an K\u00e4mpfen die Identit\u00e4t der Frauen auf vier W\u00e4nde begrenzt wurde\u201c<\/i>. Er h\u00e4lt fest, dass Frauen eine ideologische, politische, organisatorische und kulturelle Widerst\u00e4ndigkeit aufbauen m\u00fcssen. Zusammengefasst also: Frauen m\u00fcssen auf allen Ebenen in allen Bereichen der Gesellschaft k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><i>Das Prinzip der <\/i><i><b>Ethik und \u00c4sthetik<\/b><\/i> wird auch als tragende S\u00e4ule f\u00fcr das freie Leben gesehen. Es wurde Wert darauf gelegt auch im Krieg als Guerilla und in der Politik die Aspekte der Ethik und der \u00c4sthetik weiterzuf\u00fchren. So wurde festgestellt, dass nur auf diese Weise Frauen befreit und die Gesellschaft ver\u00e4ndert werden konnte. Sch\u00f6nheit geht \u00fcber das Verst\u00e4ndnis hinaus attraktiv f\u00fcr M\u00e4nner zu sein. Sch\u00f6nheit soll vielmehr mit Freiheit, kulturellen und ethischen Werten gleichgesetzt werden. Diesem Prinzip haucht \u00d6calans ber\u00fchmtes Zitat Leben ein: <i>\u201eWer k\u00e4mpft wird frei, wer frei ist, wird sch\u00f6n und wer sch\u00f6n ist, wird geliebt.\u201c<\/i><\/p>\n<p>Die erste Frauenpartei, die Arbeiterinnenpartei Kurdistans (PJKK), wurde am 8. M\u00e4rz 1999 gegr\u00fcndet um die Frauenbefreiungsideologie st\u00e4rker in die Praxis umzusetzen. Die Gr\u00fcndung dieser ersten Frauenpartei war ein wichtiger Schritt zur Erlangung einer neuen Betrachtungsweise, um das patriarchale System der Zivilisation mit all seinen Formen und Methoden herauszufordern.<\/p>\n<p>Die Organisierung der Frauen in ihrer eigenen Partei fand kurz nach dem internationalen Komplott gegen den kurdischen Vorsitzenden Abdullah \u00d6calan statt, das zu seiner bis heute anhaltenden Isolationshaft auf der Gef\u00e4ngnisinsel Imrali f\u00fchrte. \u00d6calan, der die \u201aGr\u00fcndung einer Frauenpartei\u2018 als eine seiner unvollendeten Arbeiten bezeichnete, sah in der Gr\u00fcndung dieser Partei einen Weg zur Sicherung der ersehnten Entwicklung der theoretischen und programmatischen Perspektiven der Bewegung. Die Organisierung der Frauenpartei erweiterte die Formen und Inhalte des Frauenbefreiungskampfes permanent und wirkte auf den Stand von Bewusstsein, Fortschritt und Aufkl\u00e4rung in der Gesellschaft ein. So erweiterte die PJKK den Umfang ihrer Organisierung und ihres Kampfes. Vor diesem Hintergrund wurde der Name der Partei auf dem dritten Kongress der Frauenbefreiungsbewegung im Jahre 2000 in \u201eDie Partei der freien Frau\u201c (PJA) ge\u00e4ndert. Die PJA wurde mit der Entscheidung gegr\u00fcndet, eine universelle Verantwortung \u00fcbernehmen zu wollen und die Erfahrungen kurdischer Frauen und Frauen unterschiedlicher Nationen mit einzubeziehen. In Kurdistan machte die PJA bedeutsame Fortschritte in der Organisierung von Frauen und im Finden von Antworten auf die Frage \u201eIn welcher Art von Gesellschaft sollten Frauen leben?\u201c. Im Jahre 2002 bereitete die PJA eine Vorlage f\u00fcr einen Gesellschaftsvertrag von Frauen vor und pr\u00e4sentierte diesen anderen Frauen und Frauenorganisationen. Die Vorlage wurde bei verschiedenen Aktivit\u00e4ten und auf Konferenzen auf die Agenda gesetzt um so die Zusammenarbeit und den Dialog mit Frauen aus aller Welt zu st\u00e4rken. In diesem Zusammenhang nahm die PJA auch an Diskussionen \u00fcber eine Weltfrauenverfassung teil. Zudem baute die PJA Beziehungen und Netzwerke mit verschiedenen Frauenorganisationen auf, die in den Bereichen der Menschenrechte, des Friedens und der Demokratie aktiv waren, sowie mit revolution\u00e4ren Frauenorganisationen.<\/p>\n<h1 class=\"western\" lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Garamond, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Das Organisationsmodell der kurdischen Frauenbewegung <\/b><\/span><\/span><\/h1>\n<p>Mit der Kritik an der Moderne und an der marxistisch-leninistischen Organisationsstruktur sowie ihrer Entschlossenheit eine demokratische, \u00f6kologische und geschlechterbefreite Gesellschaft aufzubauen, kam die Neustrukturierung der kurdischen Frauenbewegung ab 2004 auf die Agenda. Die neuen Strukturen setzten sich aus der Partei der Befreiung der Frauen Kurdistans PAJK (Part\u00eeya Azad\u00eeya Jin a Kurdistan) im ideologischen Bereich, der Union der freien Frauen YJA (Yekitiy\u00ean Jin\u00ean Azad) im Bereich der sozialen und politischen Organisierung, den Einheiten der freien Frauen \u201aStar\u2018 YJA Star (Yekn\u00eey\u00ean Jin\u00ean Azad Star) im Bereich der legitimen Selbstverteidigung sowie dem Komitee der jungen Frauen im Bereich der Organisation junger Frauen zusammen. Als antimilitaristische Verteidigungseinheit hat die YJA-Star eine Verteidigungskraft gegen jegliche Angriffe auf Frauen und Angriffe auf die Entwicklung der freien Gesellschaft aufgebaut.<\/p>\n<p>Die PAJK wurde als ideologische Partei gegr\u00fcndet um den Frauenkampf in allen Bereichen der kurdischen Freiheitsbewegung zu sichern und weiterzuentwickeln. In Kurdistan, wo eine Renaissance der Frauen stattfand, war es jedoch notwendig flexiblere und fl\u00e4chendeckendere, konf\u00f6derale Frauenorganisationen aufzubauen. Um die Entwicklung einer Frauenkonf\u00f6deration voranzubringen wurde der Hohe Rat der Frauen KJB (Koma Jin\u00ean Bilind) im Jahre 2005 als eine konf\u00f6derale Dachorganisation gegr\u00fcndet, unter der Frauen und Frauenorganisationen aus allen Teilen Kurdistans sowie aus der Diaspora organisiert sind. Ebenso \u00fcbernahm die Jugendbewegung (Komal\u00ean Ciwan) die Verantwortung eine autonome Organisierung junger Frauen in ihren Reihen aufzubauen. Damit zeigte die Jugendbewegung, welch gro\u00dfe Bedeutung sie der Organisierung der Jungen Frauen f\u00fcr den Aufbau einer freien Gesellschaft beima\u00df. Der Kampf f\u00fcr den Aufbau einer freien Identit\u00e4t junger Frauen wurde innerhalb der Strukturen des Hohen Rats der Frauen KJB ausgetragen.<\/p>\n<p>Im Jahre 2014 wurde der KJB in \u2019Gemeinschaft der Frauen Kurdistans\u2018 (KJK) umbenannt. Mit der Gr\u00fcndung von Frauen-Kommunen und Frauen-R\u00e4ten auf Graswurzel-Ebene besch\u00e4ftigt sich die KJK mit allen Themen, die mit den organisatorischen, politischen, sozialen Aktivit\u00e4ten und mit der Selbstverteidigung von Frauen zu tun haben. Die KJK ist ein System, das die Visionen und Antworten der Frauenk\u00e4mpfe in allen vier Teilen Kurdistans zusammenbringt. Die KJK hat sich zum Ziel gesetzt Frauen zu st\u00e4rken, um sie so zu Vorreiterinnen einer Bewegung zu machen, die eine demokratische, \u00f6kologische und geschlechterbefreite Gesellschaft aufbauen will. Sie bem\u00fcht sich darum Frauen dazu zu bef\u00e4higen das patriarchale System zu brechen, indem sie sich selbst st\u00e4rken und sich eine eigene freie Identit\u00e4t in allen Lebenslagen aneignen.<\/p>\n<p>Die Freiheitsbewegung der Frauen Kurdistans hat sich in einem evolution\u00e4ren Prozess kontinuierlich weiterentwickelt, in dem sie verschiedene organisatorische Strukturen annahm. Jeder Schritt war mit dem Ziel verbunden eine Alternative und eine fortschrittlichere Lebensform f\u00fcr Frauen und f\u00fcr die gesamte Gesellschaft zu entwickeln.<\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen keineswegs behaupten die systematischen Herausforderungen, die das patriarchale System an Frauen stellt, gemeistert zu haben. Daher m\u00fcssen wir uns weiter organisieren. Wir akzeptieren keine Passivit\u00e4t oder Inaktivit\u00e4t. Wir treten das Erbe der Theorien und Ideologien des Feminismus an und wir sehen es als unsere Aufgabe diese weiterzuentwickeln.<\/p>\n<p>Durch Arbeiten wie dem <i>Manifest der freien Frau<\/i> und dem <i>Gesellschaftsvertrag<\/i> hat die Freiheitsbewegung an sich erhebliche Fortschritte gemacht. Diese theoretischen und praktischen Schritte wurden alle mit dem Blick auf die Emanzipation der Frau gegangen. Da die Emanzipation der Frauen nicht nur auf materielle Gewinne f\u00fcr Frauen, sondern auch auf ideologische Ver\u00e4nderungen bezogen ist, haben sich hier Theorie und Praxis gegenseitig gest\u00e4rkt. In Folge dessen entwickelte sich das Bed\u00fcrfnis einen mehr intellektuell und wissenschaftlich organisierten Ansatz zu w\u00e4hlen, um das Patriarchat zu \u00fcberwinden. Daf\u00fcr wurde die Jineoloj\u00ee entwickelt. Sie bezieht die 40 j\u00e4hrigen praktischen Erfahrungen der kurdischen Frauenfreiheitsbewegung in die Entwicklung von neuem Wissen und neuer Theorie mit ein. <span lang=\"de-DE\">Sie wird einen entscheidenden Beitrag zur Geschichte der Befreiung der Frauen leisten. Sie wird ideologische Grundlagen schaffen f\u00fcr die Bildung eines Systems, das sich auf Frauen konzentriert.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Paradigma der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) wurde von linken und sozialistischen Str\u00f6mungen beeinflusst. Sie versucht sich neu zu organisieren und neu zu entwickeln, um ihr Streben nach sozialer Freiheit realisieren zu k\u00f6nnen. Seit ihrer Gr\u00fcndung wurde der Frauenbefreiungskampf als unabdingbar gesehen. 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