{"id":735,"date":"2020-04-30T17:08:26","date_gmt":"2020-04-30T14:08:26","guid":{"rendered":"http:\/\/jineoloji.eu\/de\/?p=735"},"modified":"2020-04-30T17:08:26","modified_gmt":"2020-04-30T14:08:26","slug":"der-aufstand-der-aeltesten-kolonie-feminismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/2020\/04\/30\/der-aufstand-der-aeltesten-kolonie-feminismus\/","title":{"rendered":"Der Aufstand der \u00e4ltesten Kolonie: Feminismus"},"content":{"rendered":"<p>\u201e<i>Die feministische Bewegung muss unbedingt die radikalste Bewegung gegen das System sein. Nicht nur die Moderne, sondern die gesamte Zivilisation sowie ihre hierarchischen Perioden m\u00fcssen im Kontext der geistigen und k\u00f6rperlichen Versklavung der Frau analysiert werden. Die Freiheit der Frau, Gleichheit und Demokratie erfordern umfassende theoretische Arbeiten, ideologische K\u00e4mpfe, programmatische und organisatorische Aktivit\u00e4ten und vor allem starke Handlungen. Ohne diese werden der Feminismus und die Arbeit der Frauen kaum von den Aktivit\u00e4ten liberaler Frauen, die das System reformieren wollen, zu unterscheiden sein.\u201c<\/i><\/p>\n<p>F\u00fcr uns sind die oben genannten Punkte und Kritiken von Abdullah \u00d6calan, dem Vorsitzenden des kurdischen Volkes, f\u00fcr alle Frauen relevant, die f\u00fcr die Freiheit der Frau k\u00e4mpfen. Da das herrschende System die voranschreitenden Frauenbewegungen f\u00fcr gef\u00e4hrlich h\u00e4lt, zielen die Fallen des Systems darauf ab Frauen am st\u00e4rksten anzugreifen. Diese Fallen werden nicht einfach durch eine theoretische Analyse und Kritik am System \u00fcberwunden, sondern nur dadurch, dass Frauen es schaffen einen umfassenden Kampf zu entwickeln. Wenn diese Fallen nicht \u00fcberwunden werden, k\u00f6nnen die Frauenbefreiung, die Freiheit und sogar die Garantie auf Leben nicht realisiert werden.<\/p>\n<p>Der Feminismus ist ein bedeutender Kreislauf des Widerstandes in der j\u00fcngsten Geschichte. Nach der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts begann der Feminismus den m\u00e4nnlichen Diskurs in den Sozialwissenschaften anzugreifen und zu kritisieren. Auf der Basis der Subjekt-Objekt Dichotomie wurden Frauen in die Position eines Objekts gebracht. Und es ist wichtig hervorzuheben, dass dies die Quelle f\u00fcr alle m\u00f6glichen Formen der Ausgrenzung der Frau ist. Der Feminismus ist die wichtigste Quelle der Jineoloj\u00ee, da er eine immense Erfahrung und einen gro\u00dfen Wert im Kampf um soziale Befreiung hat. Selbstverst\u00e4ndlich widmet sich die Jineoloj\u00ee zuerst der Erforschung, der Analyse und der Bewertung des Feindes der Frau, also der patriarchalen Klassengesellschaft und der kapitalistischen Moderne. Unsere Kritik am Feminismus und an den bestehenden Frauenbewegungen kommt aus einer Perspektive, in der es diese Probleme ebenso gibt und wo wir sie auch versuchen zu l\u00f6sen. Wir glauben, dass Frauen sich entwickeln k\u00f6nnen, wenn sie sich selbst kritisieren und reflektieren. Wenn wir also den Feminismus kritisieren, dann tun wir das mit dem Ziel, dass es eine fortschrittliche Erneuerung und eine Dynamik gibt. Wir glauben, dass es einen dringenden Bedarf f\u00fcr solche Diskussionen gibt. Unsere Kritik am Feminismus formulieren wir mit dem Bewusstsein, dass die Umst\u00e4nde der Entstehung des Feminismus sehr schwer waren und dass es gro\u00dfe K\u00e4mpfe, viel Arbeit und Schmerz von Frauen gegeben hat. Darauf gehen wir weiter unten ein.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\">\n<h1 class=\"western\" lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Garamond, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Zerst\u00fcckelte Erkenntnistheorie<\/b><\/span><\/span><\/h1>\n<p>Warum haben wir so viele feministische Erkenntnistheorien produziert, obwohl der Positivismus, die kapitalistische Moderne, der Liberalismus und die sexistischen Wissenschaften uns ohnehin schon genug gespalten haben? Nat\u00fcrlich ist uns klar, dass jede einzelne feministische Erkenntnistheorie die Probleme unterschiedlicher Bereiche betrachtet. Wir wissen jedoch auch, dass diese Eigenschaft nicht gereicht hat, um Erfolge gegen das Patriarchat zu erzielen. Aus diesem Grund m\u00fcssen wir die Methoden der Fragmentierung kritisch betrachten und uns gleichzeitig versuchen selbst zu organisieren.<\/p>\n<p>Als wir anfingen die Jineoloj\u00ee zu entwickeln, war es f\u00fcr uns wesentlich \u201e\u00fcber den Feminismus hinauszugehen, den Feminismus zu \u00fcbertreffen und gleichzeitig zum Feminismus beizutragen\u201c. Unser Ziel war es dabei die zerst\u00fcckelte Erkenntnistheorie des Feminismus zu \u00fcberschreiten, weil wir mit dieser nicht einverstanden waren. Es k\u00f6nnte nun argumentiert werden, dass wir mit der Jineoloj\u00ee auch nur ein weiteres St\u00fcck zu den vielen epistemologischen Zerst\u00fcckelungen hinzuf\u00fcgen. Wir werden auf jeden Fall das Wissen \u00fcber die Realit\u00e4ten von Frauen sowie die Entwicklung angemessener Methoden zur Erforschung von Frauen voranbringen. Die Begriffe, die wir dabei verwenden (wie z.B. beitragen, \u00fcbertreffen, verbessern usw.) nutzen wir nicht in einem konkurrierenden Sinne, wie es uns typischerweise vom m\u00e4nner-dominierten System aufgezwungen wird, sondern auf eine Art und Weise die Frauen dazu bringen soll sich gegenseitig zu verstehen, ihre Erfahrungen zusammenzubringen und \u00fcber diese hinauszugehen.<\/p>\n<p>Es ist m\u00f6glich verschiedene Frauenbewegungen und intellektuelle Gedanken hierzu parallel laufen zu lassen und sich gegenseitig zu unterst\u00fctzen. Was hierbei wichtig ist, ist, dass wir zusammenkommen, unsere gemeinsame St\u00e4rke aufbauen und so die intellektuellen und organisatorischen Strukturen der patriarchalen Welt, in der wir leben, bek\u00e4mpfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\">\n<h1 class=\"western\" lang=\"de-DE\"><span style=\"font-family: Garamond, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die Auswirkungen des Orientalismus<\/b><\/span><\/span><\/h1>\n<p>Die Annahme, dass das grunds\u00e4tzliche Problem der Ethnien und vor allem der Frauen des Mittleren Ostens ihre Unf\u00e4higkeit zur Modernisierung sei, resultiert aus einem orientalistischen Einfluss, der die moralischen und politischen Dynamiken der Gesellschaften im Mittleren Osten geringsch\u00e4tzt. Der Orientalismus hat es uns erschwert die gro\u00dfen H\u00fcrden zu erkennen, die sich uns in den Weg stellen, wenn wir uns auf die Suche nach unserer gesellschaftlichen Geschichte begeben. Die Menschen im Westen, die den Mittleren Osten verstehen wollen, m\u00fcssen diese Art und Weise hinter sich lassen. Besonders mittel\u00f6stliche Intellektuelle, Politiker*innen, Akademiker*innen und Feminist*innen m\u00fcssen eine durchdachte Haltung einnehmen und die Probleme und L\u00f6sungen aus der Perspektive von Frauen verstehen, um die imperialistische Politik, die dem Mittleren Osten auferlegt wurde, zu bek\u00e4mpfen. Wenn sich der Feminismus den lokalen Kulturen eigenst\u00e4ndig, authentisch und mit einem freiheitlichen Ansatz widmet, w\u00fcrde das seine Haltung gegen das System verst\u00e4rken und helfen die orientalistischen Einfl\u00fcsse und K\u00e4mpfe gegen diese Perspektive zu verstehen. Die Forschung feministischer Akademiker*innen muss die grunds\u00e4tzlichen Annahmen der Sozialwissenschaften, die vom Orientalismus beeinflusst sind, in Frage stellen. Wenn Feminist*innen aus der westlichen Welt den Osten analysieren, ist es eine Schw\u00e4che ihrer Arbeit, wenn sie keine Theorien aus der \u00f6stlichen Literatur miteinbeziehen. Es ist auch eine Schw\u00e4che, dass sich Theorien in der westlichen Welt durch soziale Bed\u00fcrfnisse neben den Widerspr\u00fcchen entwickelt haben und dass der Feminismus versucht hat diese L\u00fccken in anderen Regionen zu f\u00fcllen. Aus diesem Grund sollte die Jineoloj\u00ee in verschiedenen Regionen der Welt aufgebaut werden, um sich in unterschiedlichen Formen zu entwickeln. Diese unterschiedlichen Formen sollen je nach Gebiet auf verschiedenen regionalen und lokalen Wissensstrukturen und Erfahrungen von Frauen aufbauen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\">\n<h1 class=\"western\" lang=\"de-DE\"><span style=\"font-family: Garamond, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Ein Blick auf die Organisierung und Gesellschaftswerdung<\/b><\/span><\/span><\/h1>\n<p>Trotz des immensen Wissens, das der Feminismus aufgebaut hat, hat dieser noch nicht die Rolle und Verantwortung \u00fcbernommen, der Gesellschaft die Notwendigkeit und die Dimension eines sozialen Wandels aufzuzeigen. Aus diesem Grund k\u00f6nnen gegenw\u00e4rtige Feministinnen aus der Sichtweise der Gesellschaft einerseits und der statischen Machtsysteme andererseits nicht als \u201aalternativer Mainstream\u2018 gesehen werden. Sie werden eher als \u2019Hoffnungsbewegung\u2018 gesehen.<\/p>\n<p>Bevor wir die Kritik weiterf\u00fchren, wollen wir betonen, dass der Feminismus die Entwicklung der Frauenbefreiung aus dem richtigen Blickwinkel initiiert hat. Was war hier der erste Schritt? Der erste Schritt war die Aufdeckung frauenfeindlicher Denkmuster, Methoden und ideologischer Angriffe, die das patriarchale System geschaffen hat. Theoretische Forschungen haben uns dazu eine stabile Basis f\u00fcr den Kampf gegen das System gegeben. Im Vergleich zu diesen Studien war der Feminismus jedoch nicht so erfolgreich darin die organisatorische Leistung voranzubringen. Verschiedene Str\u00f6mungen (vom radikalen Feminismus, Anarcha-Feminismus, Marxistischen Feminismus bis hin zum \u00d6ko-Feminismus usw.) haben sich auf der Basis verschiedener Ausgangspunkte und verschiedener Befreiungsperspektiven gegen das patriarchale System entwickelt. Diese Unterschiede waren nicht nur auf das intellektuelle Feld beschr\u00e4nkt. Sie f\u00fchrten dazu, dass der Kampf gegen das patriarchale System unterschiedlich gef\u00fchrt wurde, obwohl sich das patriarchale System in allen Lebensbereichen organisiert. Das Ergebnis war schlie\u00dflich ein zerst\u00fcckelter Kampf.<\/p>\n<p>Heutzutage sind sich weltweit Menschen dar\u00fcber bewusst, dass politische Regime durch die Staatsmacht und durch Ungerechtigkeiten aufgestiegen sind. Diese M\u00e4chte versuchen alles zu kontrollieren und zu bestimmen: das Gesetz, Gerechtigkeit, das Leben und den Tod. Dabei versuchen sie die Menschen \u00fcber die Realit\u00e4t und die Wahrheit zu t\u00e4uschen. Es ist also wichtig sich sowohl organisiert gegen das System zu wenden als auch das System als Ganzes zu analysieren. Wenn eine Person die Realit\u00e4ten der Gesellschaft, in der sie lebt, miterlebt und ihre Stimme nicht dagegen erhebt, sondern nur Informationen dar\u00fcber verbreitet, was getan werden k\u00f6nnte oder was nicht getan werden sollte, dann kann das nicht als anti-systemische Haltung gesehen werden. Es ist aber charakteristisch f\u00fcr den Feminismus gegen das System zu sein; und f\u00fcr andere anti-System Kr\u00e4fte ist der Feminismus eine Quelle der Motivation. Feminismus ist anti-militaristisch, anti-herrschaftlich, antisexistisch, antirassistisch und antifaschistisch. Wenn eine Bewegung aus so vielen Anti-Haltungen besteht, w\u00e4re es widerspr\u00fcchlich wenn diese einfach nur theoretisches Wissen produziert und in der Praxis wenig tut. Es ist problematisch, dass der Feminismus daran gescheitert ist sich selbst zu organisieren und starke Allianzen f\u00fcr einen sozialen Wandel aufzubauen. Diese Probleme m\u00fcssen sorgf\u00e4ltig innerhalb der Bewegungen diskutiert werden und tiefgreifende L\u00f6sungen entwickelt werden.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">\n<h1 class=\"western\" lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Garamond, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die Unf\u00e4higkeit ein alternatives Lebensmodell zu entwickeln, das die Einschr\u00e4nkungen der Moderne \u00fcberwindet<\/b><\/span><\/span><\/h1>\n<p>Der Feminismus kritisiert die Moderne theoretisch, doch seine Unf\u00e4higkeit ein alternatives Lebensmodell auszuf\u00fchren ist eine seiner Schw\u00e4chen. Manche Feministinnen entschieden sich dazu sich aus der politischen Arena herauszuhalten, um sich nicht zu \u201abeschmutzen\u2018; dahingegen zeigte die Pr\u00e4senz der kurdischen Frauenbewegung in der politischen Arena ihre Effektivit\u00e4t in Fragen der sozialen Transformation genau sowie im theoretischen Fortschritt. Das Ko-Vorsitzendensystem hat im politischen Feld wichtige Erfahrungen und Beitr\u00e4ge f\u00fcr die gleichberechtigte Repr\u00e4sentation erm\u00f6glicht. Statt \u00fcber die Ablehnung der Moderne in einer geschlossenen Gruppe zu reden, hat die kurdische Frauenbewegung ihre Ablehnung durch die Politik in die Gesellschaft getragen. Die \u00fcberzeugenden Befunde des Feminismus im akademischen Bereich lieferten jedoch dar\u00fcber hinaus keine starke Perspektive, wie und mit welchen Organisationen und Institutionen praktische Bed\u00fcrfnisse erf\u00fcllt werden k\u00f6nnen. Der Feminismus lehnte die institutionellen Instrumente des Systems ab und blieb dabei innerhalb der akademischen Grenzen des Systems stecken. Die Jineoloj\u00ee hat auch das Ziel Akademien zu errichten. Diese Akademien werden jedoch nicht innerhalb des derzeitigen Systems aufgebaut, sondern parallel zu ihm. Sie stehen f\u00fcr ein Bildungssystem, welches Frauen mit ihrer eigenen St\u00e4rke und mit ihren eigenen Ressourcen aufbauen. Obwohl der Feminismus einen radikalen intellektuellen Bruch mit dem System geschaffen hat, ist es problematisch, dass er sich institutionell nicht verwirklichen konnte. Die autonome Organisation der Frauenguerilla in den Bergen Kurdistans hat ein Modell f\u00fcr ein kommunales Leben f\u00fcr Frauen erschaffen \u2013 nicht nur in den Bergen, sondern auch in der Gesellschaft. Teile des Feminismus behaupteten, dass es keine klaren Gr\u00fcnde f\u00fcr Militanz von Frauen g\u00e4be; deshalb konnte er seine Utopie nicht verwirklichen, weil er die wichtige Verbindung zwischen Freiheit, Organisation und Gesellschaftswerdung ignorierte. Als kurdische Frauenbewegung versuchen wir die Prinzipien von Jin (Frauen), Jiyan (Leben) und Azad\u00ee (Freiheit) innerhalb der gesamten Gesellschaft zu verbreiten. Nun gibt es in allen Teilen Kurdistans autonome Frauenbewegungen und Institutionen.<\/p>\n<p>Eines der vielen Beispiele f\u00fcr die Jineoloj\u00ee ist der Aufbau von \u201aJINWAR\u2018. JINWAR ist ein Frauendorf in Rojava. Es ist eine Utopie, die wahr wird. Eine Verk\u00f6rperung des von Frauen gegr\u00fcndeten Lebens. Anstatt sich als bewusste Frauen st\u00e4ndig aus der Gesellschaft zu retten ist es wichtig das Bewusstsein der Freiheit in die Gesellschaft hineinzutragen. Aus diesem Grund bedeutet Jineoloj\u00ee die Verbindungen von Freiheit, Organisierung und Gesellschaftswerdung zu verst\u00e4rken. Dieser Ansatz dient auch dem Ziel radikale Demokratie und Freiheit in den gesetzlichen Institutionen zu verankern, sowie die Perspektiven und den Willen von Frauen in vorhandenen alternativen Lebensmodellen zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p align=\"LEFT\">\n<h1 class=\"western\" lang=\"de-DE\" align=\"JUSTIFY\"><span style=\"font-family: Garamond, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Sexualit\u00e4t<\/b><\/span><\/span><\/h1>\n<p><span style=\"color: #000000;\">In der Natur sind die E<\/span>xistenz und das Fortbestehen aller Lebewesen durch Ern\u00e4hrung, Schutz und Reproduktion gesichert. In der menschlichen Gesellschaft wurde die Reproduktion mit der Sexualit\u00e4t und der nicht wertgesch\u00e4tzten Arbeit der Frauen verbunden. Gleichzeitig hat die Sexualit\u00e4t in der kapitalistischen Moderne ihren Zweck \u00fcberschritten. Sexualit\u00e4t ist nun nicht mehr nur Reproduktion zur Weiterf\u00fchrung der Existenz, sondern eine Machtsph\u00e4re. Die Sexualit\u00e4t der Frau wird f\u00fcr die Implementierung und Aufrechterhaltung von Macht kontrolliert. Anstatt Sexualit\u00e4t in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung zu definieren und sie somit von Machtpositionen loszul\u00f6sen, wurde sie als ein Gebiet der sogenannten \u201afreien Wahl\u2018 erhalten. Der Feminismus war nicht in der Lage Sexualit\u00e4t ontologisch zu definieren. In der Entwicklung der patriarchalen, materiellen und spirituellen Hegemonie wurde die Frage um die Rolle der Sexualit\u00e4t nicht ausreichend gel\u00f6st.<\/p>\n<p>Seit den 1970er Jahren haben der radikale Feminismus und der lesbische Feminismus die Verbindung zwischen Sexualit\u00e4t und Macht analysiert. Diese Bem\u00fchungen trugen dazu bei mehr \u00fcber den K\u00f6rper der Frau und ihre Sexualit\u00e4t herauszufinden. Pornografie wurde als eine kapitalistische Produktion des Frauenhandels kritisiert. Nach den 1990ern fielen diese wahren Analysen in die Fallen des Kapitalismus. Anstatt eine radikale Haltung gegen das System einzunehmen, integrierte das liberale System Teile der feministischen Bewegungen und ihrer Forderungen. Immer mehr Feministinnen begannen Muster und Praktiken des Systems anzunehmen. Die Sexualit\u00e4t, die urspr\u00fcnglich in den feministischen Diskursen als ein Problem der Versklavung und der Beherrschung der Gesellschaft gesehen wurde, entwickelte sich zu einem Thema, das als Frage der liberalen Freiheit behandelt wurde. \u201aSexuelle Freiheit\u2018 wurde als eine individualisierte Angelegenheit behandelt. Aufgrund dessen war es nicht m\u00f6glich eine Kultur der freien Sexualit\u00e4t zu entwickeln, die frei von Dominanz und Sklaverei war. Daher m\u00fcssen wir ein tieferes Verst\u00e4ndnis von Sexualit\u00e4t, sexueller Identit\u00e4ten und Beziehungen schaffen. Sollte die physische Trennung von M\u00e4nnern und sexuellen Partnerschaften aus dem Leben der Frauen als ein reaktives Ergebnis oder als freie Wahl verstanden werden? Sind diese Beziehungen wirklich frei von Dominanz und Sklaverei? Werden Muster von Macht und Dominanz auch in lesbischen und schwulen Beziehungen reproduziert? Wie kann freie Sexualit\u00e4t wirklich erlangt werden? Was ist die Rolle der Frauen und wie wird sie bestimmt? Bis jetzt gibt es nur beschr\u00e4nkte Antworten auf diese Fragen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\">\n<h1 class=\"western\" lang=\"de-DE\"><span style=\"font-family: Garamond, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Die Notwendigkeit der Transformation des Mannes<\/b><\/span><\/span><\/h1>\n<p>Der Feminismus war nicht in der Lage die aktuelle sexuelle Politik systematisch zu \u00fcberwinden und scheint sie nur auf andere Weise zu reproduzieren. Neben sexuellen Beziehungen hat der Feminismus keine Theorien vorgelegt, die praktische L\u00f6sungen daf\u00fcr liefern, wie Muster von weiblichen und m\u00e4nnlichen Beziehungen herausgefordert und neugestaltet werden k\u00f6nnen. Diese sollten sich auch mit der Entwicklung neuer Ans\u00e4tze von Koexistenz und Beziehungen besch\u00e4ftigen. Kritische Analysen des Systems und die Bestimmung von Idealen sind hier ein wichtiger Schritt. Wir m\u00fcssen jedoch auch beachten, dass wir gemeinsam in der Realit\u00e4t der patriarchalen Gesellschaft leben.<\/p>\n<p>Als Antwort darauf hat die Politik des Feminismus haupts\u00e4chlich zu separaten Frauenr\u00e4umen aufgerufen, ohne gro\u00df darauf zu achten auch politische Programme und gemeinsame Plattformen f\u00fcr den Geschlechterkampf zu errichten, die auch die Ver\u00e4nderung des Mannes zum Ziel haben. Tats\u00e4chlich steht das im Widerspruch zur feministischen Kritik am patriarchalen System und an der patriarchalen Denkweise. Durch diese Herangehensweise schafft es der Feminismus nicht entschlossen durchzusetzen, dass M\u00e4nner die Notwendigkeit einer Ver\u00e4nderung selbst sehen, den Willen der Frauen anerkennen und das Wissen und die Emotionen von Frauen ehrlich respektieren.<\/p>\n<p>Der Feminismus hat es nicht geschafft das Bild einer r\u00fcckschrittlichen Bewegung zu \u00fcberwinden, die haupts\u00e4chlich Widerstand leistet und sich weigert. Der Feminismus war keine erfolgreiche Kraft, der eine Alternative f\u00fcr diese krisengeplagte Welt entwickelt hat. Obwohl umfassende Analysen \u00fcber die dominante patriarchale Denkweise gemacht wurden, waren die L\u00f6sungen, die vorgeschlagen wurden, haupts\u00e4chlich auf die Aufkl\u00e4rung von Frauen bezogen. Der Feminismus hat weder ausreichende Perspektiven f\u00fcr die Ver\u00e4nderung des Mannes, weder f\u00fcr die Anerkennung der Verbindung zwischen Freiheit und Geschlecht, noch f\u00fcr die Organisation von M\u00e4nnern im Prozess der gesellschaftlichen Emanzipation entwickelt.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\" align=\"LEFT\">\n<h1 class=\"western\" lang=\"de-DE\"><span style=\"font-family: Garamond, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Herangehensweise an die Geschichte<\/b><\/span><\/span><\/h1>\n<p>Der vorherrschende Ansatz der Geschichtsschreibung hat ma\u00dfgeblich zur Erschaffung und Aufrechterhaltung des Sexismus gef\u00fchrt. Eine fundamentale feministische Kritik an den modernen Sozialwissenschaften ist, dass die Geschichte vornehmlich aus einer androzentrischen (m\u00e4nnerfokussierten) Perspektive geschrieben wurde. Die Geschichte &#8211; wie im englischen Wort treffend ausgedr\u00fcckt -\u201ehis-story\u201c, also \u201aseine Geschichte\u2018, hat systematisch \u201aihre Geschichte\u2018 (her-story) ignoriert. Deshalb verleiht der Feminismus der geschriebenen Geschichte und ihrer androzentrischen Perspektive keine Glaubw\u00fcrdigkeit. Da die Geschichte der Frauen aber nicht ausreichend aufgedeckt wurde, k\u00f6nnen wir nicht erwarten, dass sich das androzentrische Denken der Geschichtsschreibung aufl\u00f6st ohne auch das patriarchale Denken zu \u00e4ndern. Die Sozialwissenschaften sind hiervon nicht ausgeschlossen. Die l\u00e4ngste Zeitperiode in der Geschichte, die der matrizentrischen Gesellschaften, muss erst noch aufgedeckt werden. Die Jineoloj\u00ee verfolgt nicht nur das Ziel die Frauen in das Schreiben der Geschichte miteinzubeziehen, sondern wirklich \u201aHerstory\u2018 im Sinne der Geschichte der Frau zu schreiben.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re unfair Frauenwerte historisch lediglich aus dem Blickwinkel des Feminismus zu betrachten und zu bewerten. In bestimmten Regionen dieser Welt, vor allem in der westlichen Welt, haben feministische Bewegungen eine f\u00fchrende Rolle im Widerstand gegen das Patriarchat gespielt. Die Welt hat jedoch viele verschiedene Kulturen und Traditionen. Tausende Jahre lang haben Frauen auf der ganzen Welt ihre Rolle in der Gesellschaft beobachtet und interpretiert. Es gibt arch\u00e4ologische Funde, die nahelegen, dass Frauen an gewissen Orten und in bestimmten Epochen eine f\u00fchrende Rolle in der Gesellschaft gespielt haben. Wir denken, dass es f\u00fcr den Feminismus wichtig ist diese historischen Befunde in Betracht zu ziehen, um als Bewegung weiter zu kommen. In diesem Zusammenhang bem\u00fcht sich die Jineoloj\u00ee auch darum wichtige Beitr\u00e4ge zur \u201aHerstory\u2018, der Geschichte der Frauen, zu machen.<\/p>\n<p>Heutzutage unterscheiden sich die lokalen Erfahrungen von Frauen sehr stark von Land zu Land. Wie fair kann es sein deren Erfahrungen durch die Blickwinkel des postkolonialen Feminismus, des kurdischen Feminismus oder des islamischen Feminismus zu pr\u00e4sentieren? Wie sehr repr\u00e4sentieren diese zeitgen\u00f6ssischen Bewegungen die K\u00e4mpfe der Frauen auf der Welt? Wir denken, dass der Feminismus sich diese Fragen stellen muss, da sich viele Frauen, die bereits einen Kampf gegen das Patriarchat f\u00fchren, mit diesen Kategorien nicht identifizieren k\u00f6nnen. In diesem Zusammenhang sollte die feministische Bewegung Themen angehen, wie dass in feministischer Literatur diese Erfahrungen und Fortschritte von Frauen nicht anerkannt werden und ihre Organisationen nicht erw\u00e4hnt werden.<\/p>\n<p>Wir glauben, dass alle Frauenbewegungen, die gesellschaftliche Werte vertreten und gegen die patriarchale Zivilisation der Nationalstaaten k\u00e4mpfen, so wie die Frauen, die innerhalb der Achse der demokratischen Zivilisation Widerstand leisten, zusammenkommen sollten um ein gemeinsames Paradigma der Frauen zu verfassen. Aus diesem Grund denken wir, dass es einer der wichtigsten Beitr\u00e4ge zum weltweiten Frauenbefreiungskampf ist die K\u00e4mpfe, die weltweit von Frauen gef\u00fchrt werden anzuerkennen und ihre Bem\u00fchungen und Erfahrungen mit ihrem eigenen Ausdruck in der Literatur festzuhalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDie feministische Bewegung muss unbedingt die radikalste Bewegung gegen das System sein. 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