{"id":701,"date":"2020-04-30T16:38:01","date_gmt":"2020-04-30T13:38:01","guid":{"rendered":"http:\/\/jineoloji.eu\/de\/?p=701"},"modified":"2022-03-15T22:09:33","modified_gmt":"2022-03-15T19:09:33","slug":"abdullah-oecalan-vorschlag-jineoloji-als-wissenschaft-der-frau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/2020\/04\/30\/abdullah-oecalan-vorschlag-jineoloji-als-wissenschaft-der-frau\/","title":{"rendered":"Abdullah \u00d6calans Vorschlag &#8211; Jineoloj\u00ee als Wissenschaft der Frau"},"content":{"rendered":"<p>Der Ausschluss der Frau aus den R\u00e4ngen und Themen der Wissenschaft verlangt von uns die Suche nach einer radikalen Alternative. Wir m\u00fcssen zun\u00e4chst wissen, wie wir in der ideologischen Arena gegen die herrschs\u00fcchtige und machthungrige Mentalit\u00e4t des Mannes gewinnen und ein libert\u00e4res und nat\u00fcrliches Denken schaffen k\u00f6nnen. Wir sollten uns immer vor Augen halten, dass die traditionelle Unterwerfung der Frau nicht physisch, sondern gesellschaftlich ist. Dies liegt an der tief verwurzelten Sklaverei. Daher besteht die dringende Notwendigkeit, die Gedanken und Gef\u00fchle der Unterwerfung in der ideologischen Arena zu besiegen.<\/p>\n<p>Wenn der Kampf f\u00fcr die Freiheit der Frau sich auf die politische Ebene verlagert, sollte sie wissen, dass dies der schwierigste Aspekt des Kampfes ist. Kein Erfolg kann von Dauer sein, wenn der politische Erfolg nicht erzielt wird. Politisch erfolgreich zu sein bedeutet nicht, eine Bewegung f\u00fcr die Staatlichkeit der Frau zu starten. Im Gegenteil beinhaltet er einen Kampf gegen etatistische und hierarchische Strukturen, er beinhaltet die Schaffung von politischen Gruppierungen mit dem Ziel, eine demokratische, geschlechterbefreite und \u00f6kologische Gesellschaft zu erreichen, in welcher der Staat kein zentrales Element darstellt. Da Hierarchie und Etatismus nicht leicht mit der Natur der Frau kompatibel sind, sollte eine Bewegung f\u00fcr die Freiheit der Frau anti-hierarchische und nichtstaatliche politischen Formationen\u00a0anstreben. Der Zusammenbruch der Sklaverei auf der politischen Ebene ist nur m\u00f6glich, wenn organisatorische Reformen in diesem Bereich erfolgreich durchgef\u00fchrt werden. Der politische Kampf erfordert eine umfassende, demokratische Organisation der Frau und des Widerstandes. Alle Komponenten der Zivilgesellschaft, Menschenrechte, lokale Regierungsf\u00fchrung und demokratische K\u00e4mpfe m\u00fcssen organisiert und vorangetrieben werden. Wie der Sozialismus kann auch die Freiheit und Gleichheit der Frau nur durch einen umfassenden und erfolgreichen demokratischen Kampf erreicht werden. Ohne Demokratie k\u00f6nnen auch Freiheit und Gleichheit nicht erreicht werden.<\/p>\n<p>Die Probleme im Zusammenhang mit wirtschaftlicher und sozialer Gleichheit k\u00f6nnen ebenfalls erfolgreich durch eine Analyse der politischen Macht und durch die Demokratisierung gel\u00f6st werden. Eine blo\u00dfe juristische Gleichheit ist in der Abwesenheit von demokratischer Politik bedeutungslos; sie wird nicht zur Verwirklichung der Freiheit beitragen. Wenn die Eigentums- und Machtverh\u00e4ltnisse, die die Frauen beherrschen und unterjochen, nicht gest\u00fcrzt werden, dann k\u00f6nnen auch die Beziehungen zwischen Frau und Mann nicht frei sein.<\/p>\n<p>Obwohl der feministische Kampf viele bedeutende Facetten besitzt, hat er noch einen langen Weg zu gehen, um die vom Westen gesetzten Grenzen der Demokratie niederzurei\u00dfen. Er hat kein klares Verst\u00e4ndnis davon, was die kapitalistische Lebensweise mit sich bringt. Die Situation erinnert an Lenins Verst\u00e4ndnis der sozialistischen Revolution. Trotz gro\u00dfer Bem\u00fchungen und vieler gewonnener Stellungsk\u00e4mpfe konnte der Leninismus letztlich nicht verhindern, einen h\u00f6chst wertvollen, linken Beitrag zum Kapitalismus zu leisten.<\/p>\n<p>Ein \u00e4hnliches Schicksal kann den Feminismus ereilen. M\u00e4ngel, die seine Durchschlagskraft schw\u00e4chen, sind: das Fehlen einer starken organisatorischen Basis, die Unf\u00e4higkeit, seine Philosophie voll zu entfalten, und Schwierigkeiten beim Aufbau einer militanten Frauenbewegung. Es w\u00e4re vielleicht nicht richtig, ihn den \u00bbRealsozialismus der Frauen-Front\u00ab zu nennen, aber unsere Analyse dieser Bewegung muss anerkennen, dass er bis dato die st\u00e4rkste Ma\u00dfnahme war, um die Aufmerksamkeit auf die Frage der Freiheit der Frau zu lenken. Er unterstreicht, dass die Frau lediglich die unterdr\u00fcckte Frau des dominanten Mannes ist. Allerdings ist die Frau viel mehr als nur ein separates Geschlecht. Ihre Existenz hat wirtschaftliche, soziale und politische Dimensionen. Wenn wir den Kolonialismus nicht nur in Begriffen von Nationen und L\u00e4ndern betrachten, sondern auch auf Gruppen von Menschen beziehen, k\u00f6nnen wir die Frau als \u00e4lteste kolonisierte Gruppe bestimmen. In der Tat ist kein anderes gesellschaftliches Wesen in Seele und K\u00f6rper derart vollst\u00e4ndig kolonisiert worden. Es muss uns klar sein, dass die Frau in einer Kolonie gehalten wird, deren Grenzen nicht leicht auszumachen sind.<\/p>\n<p>In diesem Sinne glaube ich, dass der Schl\u00fcssel zur L\u00f6sung unserer gesellschaftlichen Probleme in einer Bewegung f\u00fcr die Freiheit der Frau, Gleichheit und Demokratie liegen wird, in einer Bewegung auf Grundlage der Wissenschaft der Frau, auf Kurdisch Jineoloj\u00ee. Die Kritik der j\u00fcngeren Frauenbewegung ist nicht ausreichend f\u00fcr die Analyse und Bewertung der Geschichte der Zivilisation und der Moderne, die die Frau nahezu v\u00f6llig verschwinden lie\u00dfen. Wenn in den Sozialwissenschaften Frauenthemen, Frauenfragen und Frauenbewegungen fast nicht vorkommen, so liegt das an der hegemonialen Mentalit\u00e4t von Zivilisation und Moderne und an den Strukturen der materiellen Kultur.<\/p>\n<p>Die Frau als Hauptkomponente der moralischen und politischen Gesellschaft hat eine entscheidende Rolle bei der Bildung einer Ethik und \u00c4sthetik des Lebens, die Freiheit, Gleichheit und Demokratisierung widerspiegeln. Ethische und \u00e4sthetische Wissenschaft sind ein integraler Bestandteil der Jineoloj\u00ee. Wegen ihrer gewichtigen Verantwortung im Leben wird sie zweifellos die treibende intellektuelle und umsetzende Kraft hinter Fortschritten und Chancen sein. Die Verbindung der Frau mit dem Leben ist umfassender als die des Mannes. Dies hat die Entwicklung ihrer emotionalen Intelligenz gew\u00e4hrleistet. Deshalb ist \u00c4sthetik im Sinne einer Versch\u00f6nerung des Lebens eine existentielle Angelegenheit f\u00fcr die Frau. Ethisch gesehen ist die Frau viel verantwortungsvoller als der Mann. So wird das Verhalten der Frau im Sinne der moralisch-politischen Gesellschaft realistischer und verantwortungsvoller als das des Mannes sein. Sie ist somit gut geeignet, in Bezug auf die guten und schlechten Aspekte von Bildung, die Bedeutung des Lebens und des Friedens, die \u00dcbel und Schrecken des Krieges sowie Zumutbarkeit und Gerechtigkeit Analysen anzustellen, Feststellungen zu treffen und Entscheidungen zu f\u00e4llen. Es w\u00e4re auch sinnvoll, die \u00d6konomie ebenfalls zu einem Teil der Jineoloj\u00ee zu machen.<\/p>\n<p><em>Auszug aus\u00a0<a href=\"http:\/\/www.freeocalan.org\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Die-Revolution-der-Frau.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Die Revolution der Frau<\/a><\/em>, Abdullah \u00d6calan<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Ausschluss der Frau aus den R\u00e4ngen und Themen der Wissenschaft verlangt von uns die Suche nach einer radikalen Alternative. Wir m\u00fcssen zun\u00e4chst wissen, wie wir in der ideologischen Arena gegen die herrschs\u00fcchtige und machthungrige Mentalit\u00e4t des Mannes gewinnen und ein libert\u00e4res und nat\u00fcrliches Denken schaffen k\u00f6nnen. Wir sollten uns immer vor Augen halten, dass [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":702,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[43,27],"tags":[],"class_list":["post-701","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-feminismus","category-was-ist-jineoloji"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/701","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=701"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/701\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1418,"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/701\/revisions\/1418"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/702"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=701"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=701"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=701"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}