{"id":667,"date":"2019-07-15T18:12:37","date_gmt":"2019-07-15T15:12:37","guid":{"rendered":"http:\/\/jineoloji.eu\/de\/?p=667"},"modified":"2020-07-01T15:17:45","modified_gmt":"2020-07-01T12:17:45","slug":"jineoloji-akademie-in-rojava-eroeffnete-andrea-wolf-institut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/2019\/07\/15\/jineoloji-akademie-in-rojava-eroeffnete-andrea-wolf-institut\/","title":{"rendered":"Jineoloj\u00ee-Akademie in Rojava er\u00f6ffnete Andrea-Wolf-Institut"},"content":{"rendered":"<h4>Wenn wir gemeinsame Schmerzen haben, werden wir auch eine gemeinsame L\u00f6sung hervorbringen!<\/h4>\n<p><em>Die historischen und geografischen Wurzeln der Jineoloj\u00ee lassen sich in den Analysen \u00fcber Frauengeschichte in Mesopotamien sowie in den Dynamiken des langj\u00e4hrigen Freiheitskampfs der Frauenbewegung in Kurdistan verorten. Diese Wurzeln wurden durch die Errungenschaften feministischer Bewegungen, durch das Wissen und Wirken von Frauen und Revolution\u00e4rInnen weltweit gen\u00e4hrt. In dieser Hinsicht hat auch der gemeinsame, internationalistische Kampf von Frauen in Kurdistan dazu beigetragen, Jineoloj\u00ee als eine Wissenschaft von und f\u00fcr die Frauenrevolution aufzubauen, die sich zunehmend verbreitert und neue Fr\u00fcchte hervorbringt.<\/em><\/p>\n<p>Mit dem Ziel, Erfahrungen zusammenzutragen und notwendiges Wissen zur L\u00f6sung gesellschaftlicher Probleme und f\u00fcr den Erfolg der Frauenrevolution zu erarbeiten, begannen die Arbeiten der Jineoloj\u00ee-Akademie unter den Bedingungen der Revolution in Rojava. Seit 2017 wurden hierf\u00fcr regionale Forschungszentren und Bildungseinrichtungen wie die Jineoloj\u00ee-Fakult\u00e4t an der Rojava-Universit\u00e4t aufgebaut. Am 18. Mai 2019 er\u00f6ffnete nun die Jineoloj\u00ee-Akademie in Rojava das Andrea-Wolf-Institut. Vor \u00fcber 20 Jahren hatte sich Hevala Ronah\u00ee, Andrea Wolf, auf den Weg in die Berge Kurdistans begeben, um dort in der Frauenguerilla zu leben, zu lernen und zu k\u00e4mpfen. Sie war auf der Suche nach neuen Gedanken, Verbindungen und Aufbr\u00fcchen f\u00fcr gesellschaftliche Befreiung, die sie auch in ihren Tagebuchaufzeichnungen festhielt. Fragen, die sie sich damals stellte, sind nach wie vor aktuell. 1997 hatte sie in den Bergen Kurdistans in ihr Tagebuch geschrieben:<\/p>\n<blockquote><p>\n\u00bbEin frischer Wind liebkost mich, vor uns die Berge. Freie Sicht. Es ist Mittag, knallhei\u00df. Die Grillen zirpen. Wir trinken Tee und essen trockenes hartes Brot. Aber es ist verdammt sch\u00f6n, alles lebt und doch hast du in diesem Kurdistan immer das Gef\u00fchl, hier wurde Menschheitsgeschichte gemacht, wurde ja auch. (&#8230;) Eine Ahnung von dem, was Leben wirklich sein kann \u2013 auch verbunden mit der Natur \u2013, tut sich auf. Vor dem Hintergrund wird das Leben in Europa so deutlich fremd, wie es auch wirklich entfremdet ist.\u00ab<\/p><\/blockquote>\n<p>In ihren Diskussionen mit FreundInnen wollte Hevala Ronah\u00ee revolution\u00e4re Entwicklungsprozesse verstehen lernen. W\u00e4hrend sie einerseits die durch das kapitalistische System verursachte Entfremdung und Zerst\u00fcckelung des Lebens hinterfragte, bem\u00fchte sie sich zugleich darum, Erfahrungen von linker und feministischer Organisierung mit ihren GenossInnen zu teilen. Die Begegnungen mit den Menschen, der Natur und der Befreiungsbewegung in Kurdistan erm\u00f6glichten ihr, die unterschiedlichen Farben, T\u00f6ne und Facetten des Lebens wahrzunehmen, die f\u00fcr sie zuvor nicht wahrnehmbar gewesen waren. In ihren Begegnungen mit der Frauenbewegung in Kurdistan hinterfragte sie die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Entstehung von Machtverh\u00e4ltnissen und dogmatischem Schwarz-Wei\u00df-Denken. Sie fragte sich: \u00bbWarum muss eine Kultur die andere abl\u00f6sen und begraben? Warum muss der Kampf zwischen der m\u00fctterlichen (weiblichen) und der v\u00e4terlichen (m\u00e4nnlichen) Linie in einseitiger Niederlage enden und nicht in einer Bindung?\u00ab<\/p>\n<p>In diesen \u00dcberlegungen brachte Heval Ronah\u00ee damals einen Kerngedanken zum Ausdruck, der heute in der Jineoloj\u00ee Anwendung findet: Unterschiede aus hierarchischen Verh\u00e4ltnissen herauszul\u00f6sen, sie nicht als trennende oder sich ausschlie\u00dfende Gegens\u00e4tze, sondern als einander erg\u00e4nzende Elemente wahrzunehmen. In diesem Sinne haben die Arbeiten am Andrea-Wolf-Institut mit dem Ziel begonnen, das Wissen und die Erfahrungen von Frauen aus verschiedenen L\u00e4ndern mit diversen Lebenserfahrungen zusammenzutragen, um gemeinsam neue Perspektiven f\u00fcr die Befreiung von Frauen und Gesellschaften zu entwickeln. Die Mitgr\u00fcnderin des Andrea-Wolf-Instituts, Zehra Deniz, erz\u00e4hlt von ihren Zielen, ersten praktischen Erfahrungen und Zukunftspl\u00e4nen.<\/p>\n<p><strong>Mit welchem Ziel wurde das Andrea-Wolf-Institut als Bestandteil der Jineoloj\u00ee-Akademie er\u00f6ffnet?<\/strong><\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen ganz deutlich erkennen, dass die kapitalistische Moderne einen H\u00f6hepunkt der patriarchalen Herrschaft darstellt. Es ist ein System, das auf Vergewaltigung und systematischer Gewalt gegen Frauen und alle unterdr\u00fcckten Geschlechter beruht. Unser Planet sowie die Natur, die Gesellschaften und die Menschen, die mit all ihren Unterschieden auf ihm zuhause sind, werden zutiefst ausgebeutet und ringen um ihr Leben. Insbesondere Frauen k\u00e4mpfen in allen Teilen der Welt gegen dieses Ausbeutungs- und Gewaltsystem f\u00fcr ihr Recht auf Leben und Freiheit. Gegen ein globales Ausbeutungssystem ben\u00f6tigten wir einen globalen Freiheitskampf.<\/p>\n<p>Es ist sehr wichtig und bedeutungsvoll, dass sich solche K\u00e4mpfe an den verschiedensten Orten der Welt formieren und ausbreiten. Jedoch sehen wir auch, dass die K\u00e4mpfe feministischer, sozialistischer, anarchistischer, \u00f6kologischer sowie verschiedener kultureller und sozialer Bewegungen in sich gekehrt verharren. Da sie ihre Energien nicht zusammenflie\u00dfen lassen, k\u00f6nnen sie nur eine begrenzte gesellschaftliche Wirkung entfalten. Weil sie ihre Energien nicht b\u00fcndeln, entsteht keine Synergie, aus der eine Kraft zur \u00dcberwindung der globalen Herrschaft des kapitalistischen Systems hervorgehen kann. Das ist eines der gr\u00f6\u00dften Hindernisse, mit denen wir konfrontiert sind. Insbesondere der Kampf um die Befreiung der Frau erfordert eine tiefe Verbundenheit miteinander und eine starke Kraft. Wir bezeichnen die Situation der Frauen als die erste und letzte Kolonie.<\/p>\n<p>Deshalb ist es umso wichtiger, diese Kraft des Kampfes freizusetzen. Denn solange wir die patriarchale Herrschaft nicht \u00fcberwinden, die die Quelle des gesamten Ausbeutungssystems darstellt, sind unsere Natur, alle Lebewesen, die Gesellschaft und die Individuen existentiell bedroht. Daher stellt der Freiheitskampf der Frauen einen Existenzkampf f\u00fcr unsere gesamte Welt dar. Die wichtigste Frage lautet f\u00fcr uns deshalb: Wie k\u00f6nnen wir als Frauen unsere K\u00e4mpfe verbinden, ausweiten und den globalen Kampf f\u00fcr Demokratie und Selbstbestimmung gegen das globale kapitalistische System vorantreiben?<\/p>\n<p>F\u00fcr diesen Kampf ist ein tief greifendes und kollektives Bewusstsein von Frauen einhergehend mit einer Vertiefung unseres geschichtlichen, politischen und gesellschaftlichen Bewusstseins unerl\u00e4sslich. Ein Kampf, der keine geistige, gedankliche und emotionelle Vertiefung beinhaltet, wird nicht gegen ein derart organisiertes Herrschaftssystem bestehen k\u00f6nnen. Denkweisen und Lebensformen, die nicht mit den m\u00e4nnlichen Herrschaftsideologien und -lebensformen brechen, werden diese unweigerlich reproduzieren und letztendlich geschw\u00e4cht in das System integriert werden. Um dieser Gefahr vorzubeugen, brauchen wir Orte, an denen wir gemeinsam diskutieren, uns weiterbilden, unsere Gedanken und unser Leben miteinander vereinen k\u00f6nnen. Hierin besteht die Hauptrolle des Andrea-Wolf-Instituts. In verschiedenen geschichtlichen Epochen haben Frauen in allen Teilen der Welt wichtige Studien durchgef\u00fchrt, Werke und Erkenntnisse hervorgebracht. Diese begreifen wir als Grundlagen, auf denen wir aufbauen k\u00f6nnen. Weitere Hauptquellen, die uns Kraft und Inspiration geben, sind die Errungenschaften feministischer Forschung und K\u00e4mpfe der Gegenwart und die Werte, die durch die Frauenrevolution in Kurdistan geschaffen wurden. Im Rahmen der Jineoloj\u00ee wollen wir diese Erkenntnisse und Errungenschaften miteinander verbinden. Durch eine Synthese der vorhandenen Wissensquellen wollen wir allen Frauen die M\u00f6glichkeit geben, ihr Bewusstsein zu sch\u00e4rfen und ihr Wissen zu erweitern. Mit dieser Zielrichtung wollen wir am Andrea-Wolf-Institut Arbeiten im Bereich der Frauen- und Sozialwissenschaften durchf\u00fchren, um einen gemeinsamen Geist, ein gemeinsames Bewusstsein und eine gemeinsame Linie des Kampfs mit Frauen aus dem globalen Osten und Westen zu bestimmen. Wir sind davon \u00fcberzeugt, dass hieraus eine L\u00f6sungskraft gegen die durch das Herrschaftssystem erzeugten Katastrophen unserer Zeit entstehen kann.<\/p>\n<p><strong>Jineoloj\u00ee erhebt den Anspruch, eine Wissenschaft von und f\u00fcr die Frauenrevolution zu sein. Was f\u00fcr eine Rolle kann das Institut f\u00fcr die Freiheitssuche von Frauen und die Frauenrevolution auf globaler Ebene spielen?<\/strong><\/p>\n<p>Der mutige und entschlossene Kampf, den die Frauenverteidigungskr\u00e4fte YPJ und kurdische Frauen insgesamt gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS) gef\u00fchrt haben, hat in Rojava eine wichtige Rolle f\u00fcr den Fortschritt der allgemeinen gesellschaftlichen Revolution gespielt, wie auch f\u00fcr die Frauenrevolution. Dieser gro\u00dfe Widerstand an sich hat eine enorme Rolle f\u00fcr die Entwicklung des Frauenbewusstseins gespielt. Hierdurch ist Rojava zu einer Art Sammelbecken f\u00fcr die demokratischen und revolution\u00e4ren K\u00e4mpfe verschiedener V\u00f6lker in unserem Zeitalter geworden. Revolution\u00e4rInnen mit unterschiedlichen Identit\u00e4ten, von verschiedenen sozialistischen, feministischen, anarchistischen Str\u00f6mungen haben sich auf den Weg gemacht und sich an diesem Kampf beteiligt. Das hat einen neuen Horizont f\u00fcr weltweite revolution\u00e4re Aufbr\u00fcche er\u00f6ffnet. Das trifft auch f\u00fcr Frauen und die Perspektive des Frauenbefreiungskampfes zu. Die Revolution in Rojava hat unter Frauen verschiedener Herkunft gro\u00dfe Aufmerksamkeit und Sympathien erzeugt. Frauen f\u00fchlen sich sowohl durch die Praxis der Selbstverteidigung als auch durch die gedanklichen Dimensionen der Frauenrevolution angezogen. Hier werden der revolution\u00e4re Freiheitskampf und die Frauenrevolution aufgebaut. Das Fundament der Revolution beruht auf dem Zusammenhalt der V\u00f6lker und Gemeinsamkeit der facettenreichen Identit\u00e4ten von Frauen. Deshalb ist es nat\u00fcrlich eine historische M\u00f6glichkeit und eine gro\u00dfe Chance, auf diesem N\u00e4hrboden mit der Methodik der Jineoloj\u00ee zu arbeiten und zu versuchen, ein gemeinsames Netzwerk der verschiedenen Identit\u00e4ten, Gedanken und Meinungen von Frauen aufzubauen.<\/p>\n<p>Hier hat die erste Frauenrevolution im Neolithikum ihre Form angenommen und zehntausend Jahre sp\u00e4ter nimmt erneut ein gesellschaftlicher Aufbruch von Frauen in dieser geografischen Gegend seine Form an. Die hier entstandenen revolution\u00e4ren Werte in eine Frauenwissenschaft zu \u00fcbertragen und zu entwickeln, kann eine Inspirationsquelle f\u00fcr Frauen sein, die in allen Teilen der Welt auf der Suche nach Freiheit sind bzw. die f\u00fcr ihre Befreiung k\u00e4mpfen. Eigentlich handelt es sich nicht nur um eine Inspirationsquelle. Vielmehr bietet sich die M\u00f6glichkeit, Anst\u00f6\u00dfe f\u00fcr ein gemeinsames Bewusstsein und einen gemeinsamen Kampf hervorzubringen. Das ist nicht abstrakt, sondern eine konkrete Realit\u00e4t. Diese Realit\u00e4t bedeutet, Schwierigkeiten und sogar den Tod in Kauf zu nehmen, wie uns unsere im revolution\u00e4ren Kampf gefallenen FreundInnen verdeutlichen. Die ersten Steine zum Aufbau dieser Br\u00fccke zwischen den verschiedenen K\u00e4mpfen legte Hevala Ronah\u00ee, Andrea Wolf, aus Deutschland in den Bergen Kurdistans. Unsere Freundinnen Ivana mit afrikanischer Herkunft, die in Deutschland aufgewachsen ist, L\u00eager\u00een aus Argentinien und H\u00eal\u00een aus England haben diese Br\u00fccke in Rojava weiter gefestigt und ausgebaut. Sie haben uns genauso wie unsere Freundin Sara aus Deutschland die Entschlossenheit gezeigt, frei zu denken und ein freies Leben aufzubauen.<\/p>\n<p>Der erste Bildungsprozess des Andrea-Wolf-Instituts wurde Malda Koser gewidmet, die am 5. Mai 2019 durch einen Bombenanschlag auf dem Weg zwischen Hole und Hesek\u00ea ermordet wurde. Hevala Malda war eine junge kurdische Frau aus Hesek\u00ea, die mit viel Energie und Enthusiasmus die Aufbauarbeiten von Jineoloj\u00ee zusammen mit Frauen aus den verschiedenen Communities in Nord- und Ostsyrien vorangetrieben hat. Mit ihrer Lebensfreude, ihren Prinizipien und ihrer Menschenliebe verk\u00f6rperte sie den Geist der Jineoloj\u00ee. In ihren Begegnungen und mit ihren Bildungsarbeiten \u00f6ffnete Hevala Malda vielen Menschen aus der kurdischen, arabischen und suriyanischen Community neue T\u00fcren und Horizonte f\u00fcr ein freies und gemeinschaftliches Leben. Die Horizonte f\u00fcr die Frauenbefreiung und den Aufbau freier, solidarischer Gesellschaftsstrukturen zu erweitern war auch ein Grundanliegen des ersten Bildungsprozesses am Andrea-Wolf-Institut, an dem Frauen aus neun verschiedenen L\u00e4ndern Europas und des Mittleren Ostens teilnahmen.<\/p>\n<p><strong> Welche gemeinsamen Punkte und Fragestellungen waren f\u00fcr dich am spannendsten? Welche Unterschiede und Besonderheiten gab es?<\/strong><\/p>\n<p>Als eine Frau aus dem Mittleren Osten habe ich mich bislang noch nie an einem Ort befunden, an dem so viele unterschiedliche Identit\u00e4ten gemeinsam zusammengelebt haben. Das war aus meiner Perspektive eine neue Erfahrung. Ich kann sagen, dass es f\u00fcr mich als eine Frau, die sich seit langen Jahren am revolution\u00e4ren Kampf beteiligt, eine Bereicherung war. Einerseits habe ich die Mauern entdeckt, die das patriarchale Herrschaftssystem, die Mentalit\u00e4t der kapitalistischen Nationalstaaten und der Nationalismus in unseren Gehirnen errichtet haben. Andererseits habe ich auch Wege gefunden, diese Mauern zu \u00fcberwinden. Genauso wie die Herrschenden in den westlichen Gesellschaften Vorurteile gegen\u00fcber der Kultur und Frauen des Mittleren Ostens gesch\u00fcrt haben, so wurden auch Vorurteile in den Gesellschaften und bei den Frauen des Mittleren Ostens gegen\u00fcber dem Westen gesch\u00fcrt. Ich habe eine ganz andere westliche Identit\u00e4t kennengelernt als die, die uns pr\u00e4sentiert wurde. Die westlichen Gesellschaften sind gar nicht so homogen, wie mir glaubhaft gemacht wurde. Auch dort gibt es verschiedene Frauenidentit\u00e4ten, die im Kontext verschiedener Kulturen regionaler V\u00f6lker entstanden sind. Ich habe ganz deutlich gesehen, dass die Schmerzen, die wir als Frauen erlebt haben, gemeinsam sind und wie viele Schl\u00e4ge und Schmerzen uns durch das patriarchale System zugef\u00fcgt wurden. Das habe ich insbesondere w\u00e4hrend der Pers\u00f6nlichkeitsanalysen, die am Ende des Bildungsprozesses durchgef\u00fchrt wurden, auf sehr schmerzhaft Weise gesehen und erlebt. H\u00e4ufig trafen sich unser aller Gef\u00fchlsfrequenzen mit ihren Tr\u00e4nen und ihrer Freude auf der gleichen Ebene. Ich habe nochmals verstanden, dass, wenn unsere Schmerzen die gemeinsam erfahrenen sind, wir auch eine gemeinsame L\u00f6sung brauchen und hervorbringen m\u00fcssen. Die Lebenserfahrungen, die eine jede Freundin mit uns geteilt hat, waren f\u00fcr jede von uns eine Bereicherung. Mit den Erfahrungen, die andere Freundinnen mit uns geteilt haben, sind wir zugleich reicher geworden. Wir haben unsere Fehler erkannt und dar\u00fcber diskutiert. Indem wir uns von unseren \u00dcberzeugungen erz\u00e4hlten, sind wir eigentlich gewachsen. In dieser Hinsicht war es eine sehr wichtige und bedeutungsvolle Bildungserfahrung.<\/p>\n<p><strong>Welche Arbeiten wird das Andrea-Wolf-Institut zuk\u00fcnftig durchf\u00fchren?<\/strong><\/p>\n<p>Die allgemeinen Ziele unserer Arbeiten habe ich eingangs erw\u00e4hnt. Wir wollen unsere Arbeiten so organisieren und gestalten, dass sie eine Vertiefung bewirken und breitere Kreise von Frauen aus allen Teilen der Welt erreichen k\u00f6nnen. Da dies unsere erste Bildungsperiode war, haben wir ausf\u00fchrlich dar\u00fcber diskutiert, an welchen Punkten wir die Arbeiten zuk\u00fcnftig verbessern k\u00f6nnen. Wir haben neue Methoden ausprobiert, die wir in kommenden Bildungen zu verschiedenen Themenschwerpunkten noch vertiefen k\u00f6nnen. Als Erstes haben wir uns nun zum Ziel gesetzt, die Ergebnisse der Bildung zu verschriftlichen und Quellenmaterial zu erstellen. Es gibt Arbeitsgruppen, die an verschiedenen Buchprojekten und Brosch\u00fcren arbeiten. Themen wie die Geschichte von Frauenk\u00e4mpfen und -kulturen, Hevjiyana Azad (freies kommunales Leben), alternative und \u00f6kologische Wirtschaftsformen, Gesundheit, Selbstverteidigung, die Auswirkungen von Religionen und Liberalismus auf unser Leben k\u00f6nnen Themen f\u00fcr kommende Bildungs- und Forschungsarbeiten sein. Des Weiteren wollen wir noch breitere Kreise erreichen und Verbindungen und Austausch zwischen lokalem Wissen von Frauen mit verschiedenen Methoden herstellen. Gemeinsames Leben, Diskutieren und Arbeiten bieten beispielsweise die M\u00f6glichkeit, ein sehr viel tieferes, organisches Verst\u00e4ndnis und Beziehungen zu entwickeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5><em>Dieser Beitrag wurde im Kurdistan Report in der Juli\/August-Ausgabe 2019 <a href=\"http:\/\/www.kurdistan-report.de\/index.php\/archiv\/2019\/68-kr-204-juli-august-2019\/852-jineoloji-akademie-in-rojava-eroeffnete-andrea-wolf-institut\">hier <\/a>ver\u00f6ffentlicht<\/em><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn wir gemeinsame Schmerzen haben, werden wir auch eine gemeinsame L\u00f6sung hervorbringen! Die historischen und geografischen Wurzeln der Jineoloj\u00ee lassen sich in den Analysen \u00fcber Frauengeschichte in Mesopotamien sowie in den Dynamiken des langj\u00e4hrigen Freiheitskampfs der Frauenbewegung in Kurdistan verorten. 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