{"id":460,"date":"2017-07-23T17:11:25","date_gmt":"2017-07-23T14:11:25","guid":{"rendered":"http:\/\/jineoloji.eu\/de\/?p=460"},"modified":"2022-10-02T16:09:22","modified_gmt":"2022-10-02T13:09:22","slug":"zum-verhaeltnis-von-recht-und-moral-die-dialektik-der-frauengesetze-in-rojava","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/2017\/07\/23\/zum-verhaeltnis-von-recht-und-moral-die-dialektik-der-frauengesetze-in-rojava\/","title":{"rendered":"Zum Verh\u00e4ltnis von Recht und Moral: Die Dialektik der Frauengesetze in Rojava"},"content":{"rendered":"<p class=\"western\" lang=\"de-DE\"><em>erschienen im Kurdistan Report 190, M\u00e4rz\/April 2017<\/em><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-DE\">ANDREA BENARIO<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Das Erringen und die Umsetzung von Frauenrechten war und ist ein wesentliches Anliegen feministischer und progressiver K\u00e4mpfe in Europa. W\u00e4hrend erk\u00e4mpfte Rechte wie beispielsweise das Wahlrecht, Bildungsrecht, Scheidungsrecht oder Gewaltschutzgesetze einerseits dazu f\u00fchrten, dass Frauen an Selbstbewusstsein und Handlungsm\u00f6glichkeiten hinzugewannen, stellte sich andererseits bei vielen der Trugschluss ein, Frauen seien de facto \u00bbfrei\u00ab und \u00bbgleich\u00ab. Jedoch zeigt uns die allt\u00e4gliche Realit\u00e4t von Frauen in Europa, dass die rechtliche Gleichstellung von Frauen und M\u00e4nnern nicht ausreicht, patriarchale Strukturen zu \u00fcberwinden, geschweige denn patriarchale Gewalt zu beenden. Vielmehr besteht das Spannungsfeld zwischen gesellschaftlich erk\u00e4mpften, aber staatlich niedergeschriebenen Gesetzen einerseits und gesellschaftlicher Moral und Ethik andererseits weiter fort. Die patriarchale, liberalistisch-kapitalistische Ordnung wurde durch die formale Anerkennung demokratischer Grundrechte von Frauen nicht ersch\u00fcttert. Vielmehr konnten sexistische und rassistische Ausbeutung, Konkurrenz, Egoismus und Besitzdenken weiterhin gef\u00f6rdert werden, da es nicht gelang, die progressiven rechtlichen Normen in einer freiheitlichen, solidarischen Ethik zu verankern, die auf kollektiven moralischen Werten wie Empathie und gesellschaftlicher Verantwortung beruht.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Die Revolution und der Aufbau der Demokratischen Autonomie in Rojava wird immer wieder als eine \u00bbFrauenrevolution\u00ab bezeichnet. Was macht eine Frauenrevolution aus? Was bedeutet sie im Alltag? Wie f\u00fchlt sie sich an? Was hat sich im sozialen Leben, in den Familien, in den Rollenzuschreibungen in den letzten sechs Jahren in Rojava ver\u00e4ndert? Welche Schwierigkeiten und Hindernisse gibt es? Was wurde erk\u00e4mpft, und was m\u00fcssen wir uns noch erk\u00e4mpfen?<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Die aktuellen Debatten rund um die \u00bbFrauengesetze\u00ab in Rojava und Entwicklungen, die in diesem Kontext angesto\u00dfen wurden, k\u00f6nnen meiner Meinung nach einige Eindr\u00fccke vermitteln, um Antworten auf diese Fragen zu finden. Die Definition gemeinsamer Prinzipien und Ausarbeitung eines Gesellschaftsvertrages waren wichtige Schritte f\u00fcr den Aufbau der Demokratischen Autonomie in Rojava und der Demokratischen F\u00f6deration Nordsyrien. Jedoch bestand von Anfang an ein Bewusstsein daf\u00fcr, dass der Aufbau einer demokratischen, \u00f6kologischen Gesellschaft auf der Grundlage der Frauenbefreiung nur dann gelingen kann, wenn diese Kriterien auch in der gesellschaftlichen Moral und Ethik verankert werden. Derzeit sind an vielen Orten in Rojava \u2013 sei es auf politischen Versammlungen oder auf Konferenzen des Frauenkongresses Kongreya Star, sei es in den Kommunen, in den Familien, auf den Stra\u00dfen oder beim Teetrinken in der Nachbarschaft \u2013 die sogenannten \u00bbFrauengesetze\u00ab ein immer wieder hei\u00df diskutiertes Thema.<\/p>\n<h4 class=\"western\" lang=\"de-DE\">Wie entstanden die \u00bbFrauengesetze\u00ab?<\/h4>\n<p lang=\"de-DE\">Mit der Gr\u00fcndung des Gesetzgebenden Rates der Demokratischen Autonomie im Kanton Ciz\u00eer\u00ea bildete sich am 21.01.2014 zugleich ein Frauenausschuss mit der Zielsetzung, eine offizielle Vertretung der Frauen und ihrer gesellschaftlichen, \u00f6konomischen, kulturellen, politischen und rechtlichen Interessen zu sein. In diesem Sinne fand eine kontinuierliche und enge Zusammenarbeit mit Kongreya Star und anderen Frauenorganisationen, mit Frauen aus den Kommunen, aus verschiedenen religi\u00f6sen und nationalen Gemeinschaften statt. Im Dialog und in Zusammenarbeit konnten sie in den letzten zwei Jahren \u2013 trotz der schwierigen Umst\u00e4nde von Krieg, Embargo und knappen finanziellen Mitteln \u2013 eine Reihe an Projekten initiieren und realisieren, die Ver\u00e4nderungen im Leben von Frauen in Rojava bewirkten. Die Vorsitzende des Frauenausschusses Em\u00eene Omer beschreibt den Anfang ihrer Arbeiten mit den Worten: \u00bbZu Anfang waren wir nur wenige Frauen, die bereit waren, die Last der Verantwortung auf sich zu nehmen. Wir hatten noch nicht einmal eigene R\u00e4ume, aber wir haben uns mit gro\u00dfer Freude an die Arbeit gemacht. Um die Gewalt gegen Frauen zu stoppen, haben wir als erstes Frauenzentren, \u203aMal\u00ean Jin\u00ea\u2039<span style=\"color: #0000ff;\"><a href=\"http:\/\/www.kurdistan-report.de\/index.php\/archiv\/2017\/51-kr-190-maerz-april-2017\/555-die-dialektik-der-frauengesetze-in-rojava#a\"><span style=\"color: #00000a;\"><sup>1<\/sup><\/span><\/a><\/span>, aufgebaut.\u00ab<\/p>\n<h4 class=\"western\" lang=\"de-DE\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-469\" src=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/vekirina-mala-jin-300x163.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"163\" srcset=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/vekirina-mala-jin-300x163.jpg 300w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/vekirina-mala-jin.jpg 680w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/h4>\n<p lang=\"de-DE\">Von der Feststellung ausgehend, dass M\u00e4nnerherrschaft, patriarchale Gesellschaftsstrukturen, patriarchale Gesetze und Regeln die Ursache f\u00fcr viele Probleme von Frauen sind und die Entwicklung von Frauen behindern, hielt es der Frauenausschuss f\u00fcr notwendig, Gesetze zu erlassen, die Frauen und ihre Rechte in der Demokratischen Autonomie st\u00e4rken. In einem Diskussionsprozess mit Frauenorganisationen, mittels Frauenversammlungen in den Kommunen und verschiedenen Religionsgemeinschaften wurde ein Entwurf \u00fcber \u00bbdie grundlegenden Prinzipien und allgemeinen Anordnungen bez\u00fcglich der Situation und Rechte von Frauen\u00ab erarbeitet. Dieser Entwurf wurde am 1. November 2014 durch den Gesetzgebenden Rat der Demokratischen Autonomie angenommen. In der Einleitung hei\u00dft es: \u00bbDa die Sicherung der Freiheit und der Rechte von Frauen ein grundlegendes<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Ziel der Demokratischen Autonomie ist, m\u00fcssen alle Angelegenheiten von Frauen gel\u00f6st und gesichert werden, so dass sich Frauen auf allen Ebenen weiterentwickeln, ein sch\u00f6nes Leben verwirklichen, sich und ihre legitimen Rechte gegen jegliche Form von Unterdr\u00fcckung und Gewalt verteidigen k\u00f6nnen. Deshalb haben wir f\u00fcr den Aufbau einer demokratischen, \u00f6kologischen und freien Gesellschaft eine Reihe von grundlegenden P<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">rinzipien und allgemeinen Anordnungen in Bezug auf Frauen erlassen, die ihre Gleichberechtigung mit M\u00e4nnern im privaten und \u00f6ffentlichen Leben sicherstellen sollen.\u00ab<\/p>\n<h4 class=\"western\" lang=\"de-DE\">Prinzipien<\/h4>\n<p lang=\"de-DE\">Unter den 30 grundlegenden Prinzipien befinden sich u.\u00a0a.: umfassende politische Rechte wie das Prinzip des Co-Vorsitzes auf allen Ebenen, das Recht auf autonome Frauenorganisierung, die Ber\u00fccksichtigung des Willens von Frauen bei Entscheidungen und Gesetzgebungen, die Frauen betreffen. Das Recht auf gleiche Chancen und gleichen Lohn in der Lohnarbeit wurde festgeschrieben. Jegliche Form von Sexismus und Gewalt gegen Frauen wurde verboten und \u00bbes ist die Pflicht aller, gegen herrschende und r\u00fcckschrittliche Einstellungen anzuk\u00e4mpfen\u00ab. Hierzu geh\u00f6rt auch das Verbot von Formen sexistischer Gewalt, die jahrhundertelang durch islamisches Gewohnheitsrecht legitimiert wurden, wie beispielsweise das Verheiraten von minderj\u00e4hrigen Frauen\/M\u00e4dchen, gegen den Willen von Frauen arrangierte Ehen, polygame Ehen von M\u00e4nnern, das einseitige Scheidungsrecht der M\u00e4nner, die Ungleichbehandlung von Frauen bei der Verteilung des Familienerbes oder bei Zeugenaussagen vor Gericht. T\u00e4ter von sogenannten \u00bbEhrenmorden\u00ab bekommen keine \u00bbstraferleichternden Umst\u00e4nde\u00ab mehr zuerkannt \u2013 wie es im syrischen Strafrecht der Fall ist \u2013, sondern werden als Schuldige entsprechend der normalen Gesetzgebung f\u00fcr Morde bestraft. \u00bbBrautgeld\u00ab wird abgeschafft, da es bedeutet, Frauen zur Ware zu machen. Bei Gerichtsverfahren, die die privaten Rechte von Frauen und das Familienrecht betreffen, muss eine Vertreterin von Fraueneinrichtungen in beratender Funktion anwesend sein.<\/p>\n<h4 class=\"western\" lang=\"de-DE\">Bekanntmachung und Umsetzung<\/h4>\n<p lang=\"de-DE\">Seit dem Erlass der Frauengesetze f\u00fchrten Frauen aus allen Einrichtungen und von Kongreya Star Kampagnen f\u00fcr deren Bekanntmachung und Akzeptanz durch. Sara Xel\u00eel von Kongreya Star erz\u00e4hlt: \u00bbZuerst haben wir uns mit den Frauen getroffen und in traditionellen kurdischen Kleidern gekleidet in den St\u00e4dten Flugbl\u00e4tter mit den Texten der Frauengesetze verteilt. Danach haben wir in allen Stadtvierteln und D\u00f6rfern Versammlungen mit der Bev\u00f6lkerung organisiert, auf denen wir \u00fcber die Gesetze diskutiert haben. Zu Anfang war die Reaktion der M\u00e4nner sehr ablehnend, aber so langsam akzeptieren sie die Gesetze.\u00ab Mittlerweile sind die Inhalte der Frauengesetze ein fester Bestandteil der Bildungsprogramme an den Schulen und in vielen Akademien f\u00fcr Volksbildung geworden.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Desweiteren wurde f\u00fcr die Verwirklichung der Prinzipien der Frauengesetze ein Netz von lokalen Frauenorganisationen aufgebaut. So gibt es beispielsweise mittlerweile fl\u00e4chendeckend in allen St\u00e4dten der drei Kantone Rojavas Mal\u00ean Jin\u00ea und sozialpsychologische Frauenberatungsstellen, um Frauen, die k\u00f6rperliche, seelische und sexistische Gewalt erfahren haben, sowie um ihre Kinder zu sch\u00fctzen und zu unterst\u00fctzen. Diese Einrichtungen richten sich auch an Frauen, die von Gewalt im Namen der \u00bbEhre\u00ab bedroht sind. Erg\u00e4nzend hierzu wurden Frauenschutzh\u00e4user und eine Notrufnummer bei der Asayi\u015fa Jin<span style=\"color: #0000ff;\"><a href=\"http:\/\/www.kurdistan-report.de\/index.php\/archiv\/2017\/51-kr-190-maerz-april-2017\/555-die-dialektik-der-frauengesetze-in-rojava#a\"><span style=\"color: #00000a;\"><sup>2<\/sup><\/span><\/a><\/span> eingerichtet, die 24 Stunden durchgehend besetzt ist.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Mit der Gr\u00fcndung von Frauenkooperativen wurde zur Verbesserung der \u00f6konomischen Situation von Frauen und ihrer Eigenst\u00e4ndigkeit beigetragen. Durch kollektive Arbeit von Frauen gelang es, die Isolation von Frauen zuhause, ihre Abh\u00e4ngigkeit von (Ehe-)M\u00e4nnern und das Monopol der M\u00e4nner \u00fcber die Wirtschaft in der feudalen Gesellschaft von Rojava aufzubrechen. Em\u00eene Omer berichtet: \u00bbVor zwei Jahren fingen wir mit dem Aufbau von Kinderg\u00e4rten an. Heute besucht eine gro\u00dfe Zahl von Kindern, deren M\u00fctter arbeiten, unsere Kinderg\u00e4rten in Am\u00fbd\u00ea, Qami\u015flo und Hesek\u00ea. Da es viele Kinder mit Behinderungen gibt, haben wir den Nachfragen von M\u00fcttern entsprechend ein Zentrum f\u00fcr Kinder mit besonderen Bed\u00fcrfnissen er\u00f6ffnet. In Rim\u00ealan haben wir ein Haus f\u00fcr elternlose Kinder errichtet. Hier k\u00f6nnen Waisenkinder und Kinder, die Gewalt erfahren haben, gemeinsam aufwachsen.\u00ab<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Durch diesen institutionellen Aufbau wurden Rahmenbedingen geschaffen, die es alleinlebenden M\u00fcttern erm\u00f6glichen, f\u00fcr sich und ihre Kinder zu sorgen. Bislang war allein die Vorstellung kaum m\u00f6glich, Frauen k\u00f6nnten nach einer Scheidung oder nach dem Tod ihres Ehemanns eigenst\u00e4ndig leben. Viele dieser Frauen waren zuvor entweder gezwungen, in die Familie ihrer Eltern zur\u00fcckzukehren, oder aber erneut zu heiraten, wobei ihre Kinder dann zumeist an die Schwiegereltern \u00fcbergeben wurden. Denn nicht die Mutter der Kinder sondern der Vater und seine Familie hatten das Recht, \u00fcber die Kinder zu bestimmen. Auch diesbez\u00fcglich wurde in den Frauengesetzen ein neues Prinzip eingef\u00fchrt. Unter Punkt 25 hei\u00dft es: \u00bbWenn es zur Scheidung kommt, hat die Mutter f\u00fcr ihre Kinder bis zum Alter von 15 Jahren das Erziehungsrecht unabh\u00e4ngig davon, ob sie erneut heiratet oder nicht. Kinder \u00fcber 15 Jahren k\u00f6nnen selbst bestimmen, ob sie bei der Mutter oder beim Vater leben wollen. Mutter und Vater tragen die Verantwortung f\u00fcr die Unterbringung und Versorgung der Kinder.\u00ab<\/p>\n<h4 class=\"western\" lang=\"de-DE\">Probleme und Widerspr\u00fcche \u2013 Allein die Frauengesetze reichen nicht aus!<\/h4>\n<p lang=\"de-DE\">Trotz allem gibt es Probleme bei der Umsetzung und Durchsetzung der Frauengesetze. Hierzu sagt Wel\u00eeda Bot\u00ee, Vorstandsmitglied von Kongreya Star im Kanton Ciz\u00eer\u00ea: \u00bbAls Frauen und Fraueneinrichtungen haben wir es immer noch nicht geschafft, Frauenmorde in jeglicher Weise zu verhindern. Die Ursache f\u00fcr Frauenmorde und -selbstmorde ist die herrschende Mentalit\u00e4t, die wir immer noch nicht vollst\u00e4ndig beseitigt haben.\u00ab Manchmal wird die Umsetzung von Beschl\u00fcssen, die von Mala Jin\u00ea in F\u00e4llen von Verst\u00f6\u00dfen gegen die Frauengesetze gef\u00e4llt wurden, durch die Kommunen blockiert. Oder die Frauengesetze werden untergraben, indem durch die Frauengesetze verbotene Formen von Eheschlie\u00dfungen<span style=\"color: #0000ff;\"><a href=\"http:\/\/www.kurdistan-report.de\/index.php\/archiv\/2017\/51-kr-190-maerz-april-2017\/555-die-dialektik-der-frauengesetze-in-rojava#a\"><span style=\"color: #00000a;\"><sup>3<\/sup><\/span><\/a><\/span> in S\u00fcdkurdistan oder \u00fcber die syrischen Beh\u00f6rden in Damaskus vollzogen oder nur informell durch einen Imam abgesegnet werden.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Zwar gibt es aufgrund von Sanktionen r\u00fcckl\u00e4ufige Zahlen bei Verheiratungen von unter 18-j\u00e4hrigen Frauen und polygamen Eheschlie\u00dfungen, jedoch beschreibt Ilham Umer, Vorstandsmitglied der Frauenzentren Mal\u00ean Jin\u00ea im Kanton Ciz\u00eer\u00ea, diese beiden Formen von Frauenrechtsverletzungen als Hauptproblemfelder: \u00bbIm Jahr 2016 hatten die meisten F\u00e4lle, die zu Mala Jin\u00ea kamen, mit polygamen Eheschlie\u00dfungen und Verheiratungen von Minderj\u00e4hrigen zu tun. Obwohl die Frauengesetze bereits 2014 beschlossen wurden, gab es wieder Probleme in dieser Hinsicht. Deshalb haben wir erneut eine Aufkl\u00e4rungskampagne zur besseren Bekanntmachung der Frauengesetze gestartet. Bei Problemen versuchen wir, so gut es geht, L\u00f6sungen im gegenseitigen Einverst\u00e4ndnis beider Parteien zu erreichen. Wenn jedoch keine L\u00f6sung m\u00f6glich ist, geben wir die F\u00e4lle an Dada Jin\u00ea<span style=\"color: #0000ff;\"><a href=\"http:\/\/www.kurdistan-report.de\/index.php\/archiv\/2017\/51-kr-190-maerz-april-2017\/555-die-dialektik-der-frauengesetze-in-rojava#a\"><span style=\"color: #00000a;\"><sup>4<\/sup><\/span><\/a><\/span> weiter. In F\u00e4llen von unmittelbarer physischer Gewalt oder Morddrohungen wird auch die Asayi\u015fa Jin eingeschaltet. Unsere Arbeit ist gesellschaftlich und beruht auf Verst\u00e4ndigung, wenn wir die F\u00e4lle jedoch an die Gerichte weitergeben, dann werden sie zu gesetzlichen Angelegenheiten. Im Durchschnitt hat jedes Mala Jin\u00ea monatlich mit 50 Problemf\u00e4llen zu tun, wovon wir ca. 20 auf der Ebene von gegenseitiger Verst\u00e4ndigung l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u00ab<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Necah Emin von der Organisation zur Bek\u00e4mpfung von Gewalt gegen Frauen SARA best\u00e4tigt: \u00bbUnter den Frauengesetzen sind das Gesetz, das das Verheiraten von minderj\u00e4hrigen M\u00e4dchen\/Frauen verbietet, und das Gesetz gegen polygame Ehen die umstrittensten. Es gibt immer wieder F\u00e4lle, in denen diese Gesetze untergraben und umgangen werden. Einige behaupten, diese Rechtsprechung entspreche nicht der gesellschaftlichen Realit\u00e4t oder sie sei \u203azu fr\u00fch\u2039 eingef\u00fchrt worden. Haupts\u00e4chlich M\u00e4nner stellen sich dagegen, aber es gibt auch Frauen. Sie argumentieren, das Gesetz w\u00fcrde Pros\u00adtitution bef\u00f6rdern, da eine Frau nicht in der Lage sei, die sexuellen Bed\u00fcrfnisse eines Mannes zu befriedigen. Des Weiteren behaupten sie, dass durch Krieg und Migration ein \u00dcberschuss an Frauen best\u00fcnde und deshalb Mehrfachheirat f\u00fcr M\u00e4nner erlaubt werden m\u00fcsse, damit alle Frauen unter der Obhut eines Mannes leben k\u00f6nnten.\u00ab<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Anf\u00e4nglich wurden die Mitarbeiterinnen von Frauenzentren wie Mala Jin\u00ea oder SARA h\u00e4ufig bel\u00e4chelt oder gar bedroht. Jedoch haben sie sich mit ihrem unerm\u00fcdlichen Engagement und ihrem L\u00f6sungsverm\u00f6gen zunehmende Achtung erk\u00e4mpft. \u00c4ltere und junge Frauen arbeiten hier gemeinsam, tauschen Lebenserfahrungen und Wissen aus. Insbesondere \u00e4ltere Frauen werden als positive Autorit\u00e4ten geachtet und ernst genommen, da sie sich darum bem\u00fchen, eine gerechte L\u00f6sung zu finden und zu vermitteln. Kurdische und arabische Frauen kommen hierher, um ihr Recht auf Erbanteile oder Unterhaltszahlungen des Vaters durchzusetzen oder um Auswege aus Gewalt und Not zu finden. Heute sind Mal\u00ean Jin\u00ea zu Einrichtungen geworden, an die sich manchmal auch M\u00e4nner wenden, um Rat zu suchen, wenn sie selbst unf\u00e4hig sind, Familienprobleme zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Auch Xeliya von der Dada Jin\u00ea aus D\u00ear\u00eek erz\u00e4hlt von den Schwierigkeiten, die sie beim Aufbau des alternativen Rechtssystems nach der Verdr\u00e4ngung des Baath-Regimes 2012 meistern mussten, und ihren fortbestehenden Widerspr\u00fcchen: \u00bbAls wir mit dieser Arbeit begonnen haben, waren wir selbst sehr schwach. Ich war bis dahin selbst kaum von zuhause rausgekommen und dann war ich auf einmal mit sehr schweren Problemen von Frauen und s\u00e4mtlichen Problemen der Gesellschaft konfrontiert. Manchmal wusste ich selbst nicht mehr, was ich tun soll, und mir sind aus Verzweiflung dar\u00fcber die Tr\u00e4nen gekommen. Wir haben mit den Frauen, die tiefe Schmerzen erlebt haben, gemeinsam geweint. Aber langsam gewannen wir an Erfahrung hinzu. Anfangs h\u00f6rten wir zumeist auf das, was unsere m\u00e4nnlichen Kollegen sagten, weil wir es so gelernt hatten. Aber dann kamen wir mit den anderen f\u00fcnf Frauen, die damals in dieser Arbeit waren, immer h\u00e4ufiger zusammen. Zuerst weinten wir gemeinsam, aber dann begannen wir immer \u00f6fter, uns auszutauschen und \u00fcber L\u00f6sungen zu diskutieren. Unsere Diskussionen unter Frauen, unsere st\u00e4ndigen Selbstreflektionen und Hinterfragungen waren Kraftquelle daf\u00fcr, den richtigen L\u00f6sungsweg zu finden. Indem wir uns fragten \u203awas bedeutet Frauengerechtigkeit?\u2039 gewannen wir auch das Selbstbewusstsein, unseren m\u00e4nnlichen Kollegen zu widersprechen und unsere eigene Meinung zu vertreten. Wir erarbeiteten uns unsere eigenen Grundlagen. Aufgrund unserer Sozialisation haben wir unterschiedliche Zug\u00e4nge zu gesellschaftlichen Problemen, nehmen das gleiche Ereignis auf unterschiedliche Weise wahr und kommen zu anderen Schlussfolgerungen.\u00ab<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Gerade an dem hei\u00df diskutierten Thema, dem Verbot der polygamen Ehe, erlebte Xel\u00eeya die Diskrepanz zwischen allgemeing\u00fcltigen Frauenrechten und einer spezifischen Situation: \u00bbAllein die Frauengesetze reichen nicht aus, die Mentalit\u00e4t und die Moral der Gesellschaft m\u00fcssen sich \u00e4ndern. Vor der Revolution war es gang und g\u00e4be, dass M\u00e4nner sich aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden mehrere Frauen \u203aholten\u2039. Das war f\u00fcr Frauen zumeist eine ganz schlimme Situation, sie wurden benutzt und gegeneinander ausgespielt. Doch jetzt dr\u00e4ngen manche M\u00e4nner ihre Ehefrauen zur Scheidung, um eine neue Frau heiraten zu k\u00f6nnen. Das wird von der Ex-Frau h\u00e4ufig als noch viel erniedrigender wahrgenommen. Letztens musste ich einen Fall behandeln, der mich sehr zum Nachdenken brachte: Zwei Frauen hatten sich mit einem Mann darauf verst\u00e4ndigt, in einer polygamen Ehe zu leben. Laut der Regelungen der Frauengesetze muss die Ehe mit der zuletzt angeheirateten Frau als nicht zul\u00e4ssig geschieden werden. Doch keine der beiden Frauen wollte diese Scheidung. Ich musste mit ansehen, wie sie vor Ungl\u00fcck weinten. Auch der Mann war sehr traurig. Da fragte ich mich, welches Recht habe ich, diese Menschen ungl\u00fccklich zu machen? Mein Mitgef\u00fchl f\u00fcr die Frauen sagte mir \u203alass sie doch so leben, wenn sie das so wollen\u2039, aber das Gesetz, das durch den Willen und zum Schutz von Frauen beschlossen wurde, sagt etwas anderes.\u00ab<\/p>\n<h4 class=\"western\" lang=\"de-DE\">Diskussionen, Aufkl\u00e4rung und Bildungsarbeit<\/h4>\n<p lang=\"de-DE\">Im Dezember 2016 fand zu den Problemen bei der Umsetzung der Frauengesetze eine breite Diskussionsplattform mit Mitgliedern der unterschiedlichen Arbeitsbereiche von Kongreya Star, des Frauenausschusses und der Dada Jin\u00ea aus den Kantonen Ciz\u00eer\u00ea und Koban\u00ea statt. Fragestellungen waren, ob die andauernden Verst\u00f6\u00dfe gegen die Prinzipien der Frauengesetze auf unzureichendem Wissen oder aber auf mangelnder Akzeptanz in der Bev\u00f6lkerung basieren. Des Weiteren wurde dar\u00fcber diskutiert, ob aus Sicht der Frauenbewegung eine \u00dcberarbeitung der Gesetze notwendig sei. Abgesehen von einigen kleinen Erg\u00e4nzungs- und \u00c4nderungsvorschl\u00e4gen, betonten vielmehr viele Frauen die Wichtigkeit, die in den Gesetzen festgehaltenen Prinzipien zu verteidigen, da sie vielen Frauen Mut und Kraft gegeben haben, den Kampf gegen sexistische Gewalt und Diskriminierung in der \u00d6ffentlichkeit und im Privatleben aufzunehmen. Jedoch wurde zugleich angemerkt, dass die eigentliche gesellschaftliche Ver\u00e4nderung und Befreiung nicht durch Gesetze, sondern nur durch Frauenorganisierung und die Erarbeitung eines kollektiven Verst\u00e4ndnisses von Gerechtigkeit und sexistischem Unrecht erfolgen kann. Auf diesem Weg sind die Frauengesetze ein Mittel, Widerspr\u00fcche aufzudecken und Prinzipien des Zusammenlebens neu zu definieren und zu gestalten.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Vor diesem Hintergrund wurde auch \u00fcber die Einf\u00fchrung der Frauengesetze in Gebieten wie Gir\u00ea Sip\u00ee, Hol\u00ea oder Minbic mit \u00fcberwiegend arabischer Bev\u00f6lkerung diskutiert. W\u00e4hrend die kurdische Frauenbewegung in den Kantonen Efr\u00een, Koban\u00ea und Ciz\u00eer\u00ea durch ihre langj\u00e4hrige Bildungs- und Organisierungsarbeit insgesamt eine generelle Zustimmung in der Bev\u00f6lkerung erf\u00e4hrt, gab es in den Gebieten, die erst im Laufe der letzten zwei Jahre durch Einheiten der YPG\/YPJ und QSD von der Schreckensherrschaft des IS befreit wurden, bislang kaum Aktivit\u00e4ten der kurdischen Frauenbewegung. Dies nutzten einige dazu, die Behauptung aufzustellen, die Frauengesetze w\u00fcrden die arabische Gesellschaft \u00fcberfordern oder abschrecken. Da sich die \u00f6rtlichen Volks- und Frauenr\u00e4te in den neu befreiten Gebieten f\u00fcr den Beitritt zur Demokratischen Autonomie bzw. zur Demokratischen F\u00f6deration Nordsyrien ausgesprochen haben und es dementsprechend in grundlegenden Fragen gemeinsame Prinzipien geben muss, stellt sich hier vielmehr die Frage, ob einige Kreise diese Situation als einen Vorwand nutzen wollen, die Frauengesetze insgesamt infrage zu stellen. Deshalb beschlossen die Teilnehmerinnen der Diskussionsplattform, in allen Kommunen verst\u00e4rkte Aufkl\u00e4rungs- und Bildungsarbeit durchzuf\u00fchren. In den neu befreiten Gebieten sollen die Gesetze nach dieser Phase verbindlich geltend gemacht werden. Insgesamt gibt es mit der zunehmenden Vermittlung der Inhalte der Frauenrechte eine sehr positive Resonanz in der arabischen Bev\u00f6lkerung. Viele arabische Frauen f\u00fchlen sich durch die Errungenschaften und die St\u00e4rke der kurdische Frauenbewegung ermutigt. H\u00eeba, eine junge arabische Frau, erz\u00e4hlt: \u00bbMir hat es imponiert, wie sich die kurdischen Frauen den \u00f6ffentlichen Raum erobert und in allen Bereichen die Verantwortung \u00fcbernommen haben. Das wollte ich auch tun, deshalb arbeite ich nun bei der Asayi\u015fa Jin.\u00ab<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">In Diskussionen mit Frauen aus den christlichen Communities h\u00f6re ich immer wieder: \u00bbWir haben keine Probleme mit den Frauengesetzen. Polygamie oder Zwangsheirat gibt es bei uns nicht. M\u00e4nner und Frauen sind bei uns gleichberechtigt.\u00ab Als ich sie jedoch nach ihrer Meinung zum Scheidungsrecht<span style=\"color: #0000ff;\"><a href=\"http:\/\/www.kurdistan-report.de\/index.php\/archiv\/2017\/51-kr-190-maerz-april-2017\/555-die-dialektik-der-frauengesetze-in-rojava#a\"><span style=\"color: #00000a;\"><sup>5<\/sup><\/span><\/a><\/span> frage, lauten die Reaktionen: \u00bbNein, Scheidung gibt es bei uns nicht. Das ist S\u00fcnde! Das Gesetz kann f\u00fcr die MuslimInnen gut sein, aber bei uns geht das nicht. Die Ehe ist heilig.\u00ab Einige Tage nach unserem Treffen mit Frauen aus den christlichen Communities erhielt eine Kommunemitarbeiterin von Kongreya Star die Nachricht, dass einer syrianischen Frau durch ihren Ehemann der Kopf eingeschlagen worden sei und Hilfe f\u00fcr sich und ihre Kinder brauche &#8230;<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Ohne konkrete Zahlen zu wissen, ist h\u00e4ufig davon die Rede, dass es in der kurdischen Gesellschaft seit Beginn der Revolution in Rojava einen Anstieg von Scheidungen gegeben habe. Hierf\u00fcr kann es eine Reihe von Gr\u00fcnden geben, die mit den Bedingungen von Krieg, gesellschaftlicher Umw\u00e4lzung, neuen rechtlichen und sozialen M\u00f6glichkeiten zusammenh\u00e4ngen. Daneben ist eine Ursache, dass Frauen an Selbstbewusstsein hinzugewonnen haben und heute nicht mehr akzeptieren, unterdr\u00fcckt oder bei Entscheidungen ausgeschlossen zu werden. Der Geschlechterkampf findet nicht nur in der politischen Arbeit und im \u00f6ffentlichen Raum statt, sondern auch in den Familien. Das ist ein Ausdruck des wachsenden Bewusstseins und der Kraft von Frauen, die sie im Zuge der kontinuierlichen K\u00e4mpfe und der autonomen Organisierung der Frauenfreiheitsbewegung in Kurdistan entwickelt haben.<\/p>\n<p lang=\"de-DE\">Aron, ein Internationalist aus dem Iran, gibt zu: \u00bbVon Teheran aus gesehen dachte ich immer, die kurdische Bewegung w\u00fcrde das Thema der Frauenbefreiung taktisch benutzen, um mehr Frauen zu mobilisieren. Aber hier in Rojava habe ich erlebt und gesp\u00fcrt, dass es wirklich um eine ganz fundamentale Frage geht. Die Frauenbefreiung ist der Kern der Revolution. Die Frauen meinen es ernst!\u00ab<\/p>\n<h4 class=\"western\" lang=\"de-DE\">Nachspann: Ger\u00fcchtek\u00fcche<\/h4>\n<p lang=\"de-DE\">Immer wieder kursieren neue Ger\u00fcchte bez\u00fcglich der Frauengesetze. So fragte mich eine Frau vor einigen Tagen: \u00bbMein Partner behauptet, dass die Frauengesetze derzeit neu diskutiert werden und dass das Verbot der polygamen Ehen wieder aufgehoben werden soll. Stimmt das?\u00ab Ich antwortete ihr: \u00bbNein, von einer solchen Diskussion habe ich nichts geh\u00f6rt. Im Gegenteil, unter den Mitarbeiterinnen von Kongreya Star wird derzeit dar\u00fcber diskutiert, wie die Gesetze auch in den neu befreiten Gebieten der F\u00f6deration Nordsyrien besser bekannt gemacht und umgesetzt werden k\u00f6nnen.\u00ab Da lachte sie auf und antwortete mit einem Strahlen in den Augen: \u00bbIch wusste doch, dass uns unsere Frauen nicht im Stich lassen werden! Es gibt kein Zur\u00fcck. Ein w\u00fcrdeloses Leben in Unterdr\u00fcckung k\u00f6nnen wir niemals mehr akzeptieren.\u00ab<\/p>\n<hr \/>\n<p lang=\"de-DE\"><a name=\"a\"><\/a><span style=\"font-size: xx-small;\">Fu\u00dfnoten:<\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: xx-small;\">1 Mal\u00ean Jin\u00ea (Mehrzahl) \u2013 Mala Jin\u00ea (Einzahl), w\u00f6rtliche \u00dcbersetzung: Frauenh\u00e4user, von der Funktion her sind Mal\u00ean Jin\u00ea Frauenberatungs- und Solidarit\u00e4tszentren f\u00fcr rechtliche und soziale Probleme von Frauen.<\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><span style=\"font-size: xx-small;\">2 Asayi\u015fa Jin, w\u00f6rtliche \u00dcbersetzung: Frauensicherheit. Eine Art Frauenpolizei, die als autonome Frauenstruktur in den allgemeinen Asayi\u015f (Sicherheitskr\u00e4ften) organisiert ist.<\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><span style=\"font-size: xx-small;\">3 Heyirandin (Eine Tradition, der zufolge der Cousin v\u00e4terlicherseits erkl\u00e4rt, dass er seine Cousine v\u00e4terlicherseits heiraten will. In diesem Fall darf die Cousine keinen anderen Mann heiraten. In manchen F\u00e4llen bleibt es allein bei der Willensbekundung, worauf die Frau bis zum Lebensende unverheiratet bleiben muss.) und Berd\u00eal\u00ee (Zwei Familien vereinbaren die Heirat von jeweils einer Tochter und einem Sohn der einen Familie mit einem Sohn und einer Tochter der anderen Familie. Die Kinder haben kein Mitspracherecht. Kommt es sp\u00e4ter bei einem Paar zur Scheidung, ist auch das andere Paar gezwungen, sich scheiden zu lassen.) sowie die Heirat zur Beilegung von Blutfehden sind laut Punkt 16 der Frauengesetze verbotene Formen der Eheschlie\u00dfung.<\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><span style=\"font-size: xx-small;\">4 Dada Jin\u00ea, w\u00f6rtliche \u00dcbersetzung: Frauengerechtigkeit, d.\u00a0h. die Frauenkommissionen an den Gerichten<\/span><\/p>\n<p lang=\"de-DE\"><span style=\"font-size: xx-small;\">5 Artikel 14 der Frauengesetze: \u00bbBeide Seiten haben das Recht, die Scheidung zu beantragen. Die Scheidung erfolgt mit der Zustimmung beider Seiten.\u00ab<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" lang=\"de-DE\"><span style=\"color: #0000ff;\"><a href=\"http:\/\/www.kurdistan-report.de\/index.php\/archiv\/2017\/51-kr-190-maerz-april-2017\/555-die-dialektik-der-frauengesetze-in-rojava\"><span style=\"color: #00000a;\">http:\/\/www.kurdistan-report.de\/index.php\/archiv\/2017\/51-kr-190-maerz-april-2017\/555-die-dialektik-der-frauengesetze-in-rojava<\/span><\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>erschienen im Kurdistan Report 190, M\u00e4rz\/April 2017 ANDREA BENARIO Das Erringen und die Umsetzung von Frauenrechten war und ist ein wesentliches Anliegen feministischer und progressiver K\u00e4mpfe in Europa. W\u00e4hrend erk\u00e4mpfte Rechte wie beispielsweise das Wahlrecht, Bildungsrecht, Scheidungsrecht oder Gewaltschutzgesetze einerseits dazu f\u00fchrten, dass Frauen an Selbstbewusstsein und Handlungsm\u00f6glichkeiten hinzugewannen, stellte sich andererseits bei vielen der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":463,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[47,12,5],"tags":[],"class_list":["post-460","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-etik-u-estetik","category-politik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/460","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=460"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/460\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":474,"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/460\/revisions\/474"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/463"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=460"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=460"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=460"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}