{"id":453,"date":"2017-09-23T17:09:29","date_gmt":"2017-09-23T14:09:29","guid":{"rendered":"http:\/\/jineoloji.eu\/de\/?p=453"},"modified":"2020-07-01T14:50:31","modified_gmt":"2020-07-01T11:50:31","slug":"feminismus-die-rebellion-der-ersten-kolonie-unser-erbe-und-der-aufbau-unserer-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/2017\/09\/23\/feminismus-die-rebellion-der-ersten-kolonie-unser-erbe-und-der-aufbau-unserer-zukunft\/","title":{"rendered":"Feminismus \u2013 Die Rebellion der ersten Kolonie: Unser Erbe und der Aufbau unserer Zukunft"},"content":{"rendered":"<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">ANN-KRISTIN KOWARSCH<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b>Vortrag f\u00fcr die 1. Jineologie \u2013 Konferenz <\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"center\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b>27. Februar \u2013 2. M\u00e4rz 2014 an der Universit\u00e4t K\u00f6ln <\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><i>\u00a0<\/i>Trotz \u00fcber 200 Jahren feministischer Theorie und Praxis leben wir noch immer in einer Welt, die durch patriarchale Gewalt und HERRschaft dominiert wird. <\/span><strong><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Am 8. M\u00e4rz 2014 blicken wir auf eine 103 Jahre alte Geschichte des organisierten, politischen Kampfes von Frauenbewegungen weltweit zur\u00fcck. Jedoch ist es uns bislang nicht gelungen, die systematische geistige, seelische und physische Gewalt aufzuhalten, die das Leben und die Gesundheit von Frauen gef\u00e4hrdet. Dieser Feminizid konnte weder reduziert geschweige denn \u00fcberwunden werden. <\/span><\/strong><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Deshalb ist es notwendig, dass wir das Wirken und die K\u00e4mpfe von Frauen und Frauenbewegungen reflektieren. Zugleich sind damit die Fragen verbunden: <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b>Welche gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen konnten Frauen erk\u00e4mpfen? Und welche Schritte sind notwendig, um Alternativen zum patriarchalen, kapitalistischen Herrschaftssystem aufbauen zu k\u00f6nnen?<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">In meinem Beitrag m\u00f6chte ich der Frage nachgehen, <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b>welche Rolle das Erbe und der Erfahrungsschatz feministischer K\u00e4mpfe f\u00fcr die Entwicklung der kurdischen Frauenbewegung spielt(e) und welche Impulse wiederum die kurdische Frauenbewegung f\u00fcr den Aufbau einer freien Gesellschaft gibt.<\/b><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> Denn f\u00fcr gesellschaftliche Alternativen sind radikales Denken und Handeln aus der Frauenperspektive eine Notwendigkeit &#8211; nicht nur in Kurdistan. <\/span><\/p>\n<ol>\n<li>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b>Was begreifen wir als \u201edas Erbe des Feminismus\u201c?<\/b><\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Zun\u00e4chst m\u00f6chte ich vorweg sagen, dass dieses Erbe nicht im herk\u00f6mmlichen Sinne, als die \u201eHinterlassenschaften eines\/r Toten\u201c begriffen werden kann. Erbe bezeichnet in diesem Kontext vielmehr ein Verm\u00e4chtnis, bzw. die Nachwirkungen einer Epoche, die die Grundlage f\u00fcr neue Entwicklungen geschaffen hat. Beim Erbe des Feminismus handelt es sich um ein lebendiges Erbe; um die Geschichte und Errungenschaften von Frauen und Frauenk\u00e4mpfen. An diese Geschichte wollen wir ankn\u00fcpfen und sie weiterschreiben. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Die Mitbegr\u00fcnderin der kurdischen Frauenbewegung, Sakine Cansiz, die am 9. Januar 2013 in Paris ermordet wurde, beschrieb den Zugang der kurdischen Frauenbewegung zum Feminismus in einem Interview folgenderma\u00dfen: <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><i>\u201e(&#8230;) im Kern unserer Bewegung hat immer gestanden, auf Erfahrungssch\u00e4tze zur\u00fcckzugreifen und sie zu bewerten. <\/i><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><i>Das konnten die Erfahrungen von irgendwelchen Frauenorganisationen oder von Rosa Luxemburg und Clara Zetkin sein; feministische Bewegungen oder andere Befreiungsans\u00e4tzen. Allerdings haben wir nie alles so \u00fcbernommen, wie es andere gemacht haben, sondern wir haben immer geguckt, wie k\u00f6nnen wir das auf unsere eigenen Bedingungen beziehen? Wie k\u00f6nnen wir daran ankn\u00fcpfen und zusammen mit unseren eigenen Erfahrungen selber etwas Neues darauf aufbauen? Wir haben uns nie dem Sozialismus sehr utopisch angen\u00e4hert. Das war f\u00fcr uns nie irgendetwas ganz weit Entferntes. Wir haben eher geguckt, wie lassen sich Sozialismus, Freiheit und Gleichheit verwirklichen? Wie k\u00f6nnen wir selber zumindest bei uns anfangen, diese Grunds\u00e4tze in unserem Leben umzusetzen? Wir haben immer Hoffnung und Utopien gehabt, die wir nicht auf zuk\u00fcnftige Generationen projizieren wollten. Stattdessen haben wir angefangen, unsere Utopien und Hoffnungen im Hier und Jetzt umzusetzen.\u201c<\/i><\/span><\/span><sup><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><i><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\">1<\/a><\/i><\/span><\/span><\/sup><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Hinsichtlich des Bezugs auf die <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Erfahrungen feministischer Theorie und K\u00e4mpfe ist es wichtig, anzumerken, dass <\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b>der<\/b><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> Feminismus nicht homogen ist. Vielmehr kann \u201eFeminismus\u201c als ein Oberbegriff bezeichnet werden, der f\u00fcr <\/span><span style=\"color: #000080;\"><span lang=\"zxx\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">politische Bewegungen und Theorien verwendet wird<\/span><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">, die die <\/span><\/span><span style=\"color: #000080;\"><span lang=\"zxx\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Gleichberechtigung<\/span><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">, Befreiung und Selbstbestimmung von Frauen zum Ziel haben sowie f\u00fcr das Ende aller Formen des <\/span><\/span><span style=\"color: #000080;\"><span lang=\"zxx\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Sexismus<\/span><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> eintreten. In Wechselwirkung mit verschiedenen sozialen Emanzipationsbewegungen hat der Feminismus <\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">verschiedene historische und regionale Entwicklungswellen durchlaufen. Obwohl viele feministische Ans\u00e4tze eine kritische Hinterfragung von Geschichte, Gesellschaft und Kultur mit einschlie\u00dfen, hat sich bis heute keine einheitliche feministische Theorie herausgebildet. Trotz der Vielfalt an ideologischen Str\u00f6mungen und praktischen Ans\u00e4tzen gibt es wichtige Errungenschaften, die historische und globale Relevanz haben. Diese bildeten auch wichtige Grundlagen f\u00fcr den Aufbau der kurdischen Frauenbewegung, bzw. stellen ein Fundament der Jineologie dar:<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b>Ein wichtiger Verdienst des Feminismus (oder der Feminismen?) ist die Definition von patriarchaler Unterdr\u00fcckung sowie die Sichtbarmachung der systematischen Unterdr\u00fcckung von Frauen und des Ausschlusses von Frauen aus dem \u00f6ffentlichen Leben. <\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Seit der Durchsetzung patriarchaler HERRschaft k\u00e4mpften Frauen in allen Teilen der Welt f\u00fcr ihre Freiheit. Der Begriff des Feminismus wurde zun\u00e4chst von feministischen Theoretikerinnen und K\u00e4mpferinnen<\/span><\/span><sup><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\">2<\/a> <\/span><\/span><\/sup><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">aus europ\u00e4ischen L\u00e4ndern und Nordamerika gepr\u00e4gt. Ihre Arbeiten bewirkten, dass sich ab dem 19. Jahrhundert Schritt f\u00fcr Schritt ein feministisches Bewusstsein herausbildete. an das <\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Frauen und Frauenbewegungen in verschiedenen L\u00e4ndern ankn\u00fcpften. Einige wesentliche Elemente des Feminismus, die sich die kurdische Frauenbewegung zu eigen machte und auf die sie, den eigenen Bedingungen entsprechend, aufbaute sind folgende:<\/span><\/p>\n<ol type=\"a\">\n<li>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b>Frauen wurden sich dar\u00fcber bewusst, dass sie eine gesellschaftliche Gruppe darstellen, die allein aufgrund ihres Geschlechtes mit Benachteiligung und Unterdr\u00fcckung konfrontiert ist.<\/b><\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Dies f\u00fchrte dazu, dass Sexismus als ein spezifisches Unterdr\u00fcckungsverh\u00e4ltnis und als gesellschaftlicher Widerspruch definiert wurde. Verschiedene feministische Ans\u00e4tze thematisierten hierbei auch die Wechselwirkungen und Zusammenh\u00e4nge von Sexismus und anderen Unterdr\u00fcckungsverh\u00e4ltnissen wie Rassismus, Kapitalismus und imperialistischer Ausbeutung.<\/span><\/p>\n<ol start=\"2\" type=\"a\">\n<li>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b>Frauen erkannten, dass diese Unterdr\u00fcckung nicht \u201enat\u00fcrlich\u201c oder \u201egottgegeben\u201c ist, sondern gesellschaftlich bzw. politisch konstruiert wurde.<\/b><\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Insbesondere durch die Erforschung von Frauengeschichte wurden sich Frauen dar\u00fcber bewusst, dass das Patriarchat weder eine biologische \u201eNotwendigkeit\u201c noch ein historischer \u201eFortschritt\u201c in der Menschheitsgeschichte ist. Das Wissen dar\u00fcber, dass vor dem Patriarchat von Frauen gepr\u00e4gte egalit\u00e4re Gesellschaften existierten, zeigt neue M\u00f6glichkeiten auf, in den Lauf der Geschichte einzugreifen und nicht-hierarchische alternative Gesellschafts- und Beziehungsformen aufzubauen. <\/span><\/p>\n<ol start=\"3\" type=\"a\">\n<li>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b>Frauen erlebten, dass sie k\u00e4mpfen m\u00fcssen, um diese Situation ver\u00e4ndern zu k\u00f6nnen. Hierzu geh\u00f6rte auch, eigene Ziele, Strategien und eine eigene Politik zu entwickeln.<\/b><\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Der Kampf f\u00fcr das Frauenwahlrecht, B\u00fcrgerinnen- und Arbeiterinnenrechte in der ersten Welle des Feminismus im 19. und Anfang 20. Jahrhunderts konnte wichtige Erfolge erreichen. Auch die K\u00e4mpfe der Frauenbewegungen in der zweiten Welle des Feminismus zwischen 1970 und &#8217;90, die sich unter dem Motto \u201eDas Private ist politisch\u201c gegen Sexismus in Familie, Staat und Gesellschaft richteten und unter dem Slogan \u201eMein K\u00f6rper geh\u00f6rt mir\u201c reproduktive Rechte und das Selbstbestimmungsrecht von Frauen thematisierten, konnten wichtige rechtliche und gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen bewirken. <\/span><\/p>\n<ol start=\"4\" type=\"a\">\n<li>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b>Frauen wurden sich \u00fcber die Notwendigkeit der eigenst\u00e4ndigen Organisierung und die st\u00e4rkende Bedeutung von Solidarit\u00e4t und Zusammenarbeit unter Frauen bewusst.<\/b><\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Aufgrund der historischen Erfahrung, dass Frauen in vielen Revolutionen und sozialen Bewegungen stets eine treibende Kraft darstellten, ihre Forderungen und Bed\u00fcrfnisse jedoch kaum wahrgenommen wurden, konnte gefolgert werden, dass f\u00fcr den Kampf um gesellschaftliche Ver\u00e4nderung autonome Frauenorganisierung eine Notwendigkeit ist. Dies war auch der Inhalt der feministischen Marxismus-Kritik, die besagte, dass der Geschlechterwiderspruch kein Nebenwiderspruch ist und dass \u2013 wie die Erfahrungen des Realsozialismus gezeigt haben \u2013 die Diktatur des Proletariats nicht \u201eautomatisch\u201c zur Frauenbefreiung f\u00fchrte. <\/span><\/p>\n<ol start=\"5\" type=\"a\">\n<li>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b>Frauen begannen, eigene alternative Strukturen aufzubauen und Zukunftsvisionen zu erarbeiten.<\/b><\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Neben der Kritik an patriarchalen (Gesellschafts-)Strukturen, bem\u00fchten sich verschiedene feministische Initiativen ab Anfang der 1970er Jahre auch darum, alternative Lebensentw\u00fcrfe und Strukturen zu entwickeln. Beispiele hierf\u00fcr sind Frauenwohngemeinschaften, -arbeitskollektive und -kommunen, feministische Gesundheitszentren, Zeitungen und Buchl\u00e4den. <\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Zugleich baute die autonome Frauenbewegung Unterst\u00fctzungsstrukturen f\u00fcr Frauen auf, die Gewalt ausgesetzt waren, wie z.B. autonome Frauenh\u00e4user, Notruftelefone und Beratungsstellen.<\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> Lokale Selbsterfahrungsgruppen, autonome Frauenbildungsst\u00e4tten, Frauenwochen und feministische Sommeruniversit\u00e4ten bildeten ein Netzwerk alternativer Bildungsstrukturen, in denen auch neue Methodiken ausprobiert<\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> wurden. Hierzu geh\u00f6rte der Ansatz, die eigenen Lebenserfahrungen kollektiv zu reflektieren und neue Formen des Wissens zu schaffen, das neue Handlungsperspektiven erm\u00f6glichte. Feministische Wissenschaftlerinnen kritisierten u.a. das patriarchalen Konstrukt der \u201eallgemeing\u00fcltigen\u201c Vernunft, der \u201eObjektivit\u00e4t\u201c und des \u201eneutralen Subjektes\u201c. Denn hierdurch wurde \u201eder Mensch\u201c mit dem Mann gleichsetzt und somit Frauen und unsere Lebensrealit\u00e4ten negiert. Demgegen\u00fcber entwickelten Feministinnen<\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> eine interdisziplin\u00e4re Frauenforschung, die universit\u00e4r und au\u00dferuniversit\u00e4r betrieben wurde. Kritiken an der marxistischen Arbeitswerttheorie, in der die unbezahlte Hausarbeit von Frauen ausgeblendet wurde, f\u00fchrten zur Perspektive einer feministischen \u00d6konomie. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"color: #000080;\"><span lang=\"zxx\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Im Feministische Diskurs \u00fcber Zukunftsvisionen und Utopien kristalisierten sich vier Ans\u00e4tze heraus:<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<ol>\n<li>\n<p class=\"western\"><span style=\"color: #000080;\"><span lang=\"zxx\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Das <\/span><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000080;\"><span lang=\"zxx\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b>liberale Konzept von der <\/b><\/span><\/span><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b>\u201eGleichberechtigung durch Teilhabe an Macht\u201c<\/b><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">, die in der Aktionsplattform der UN-Frauenkonferenz von Peking 1995 als Gendermainstreaming vorgesehen wurde.<\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"western\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Die <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b>Utopie des separatistischen Feminismus, abgekoppelte<\/b><\/span><\/span><b> <\/b><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b>alternative \u201eFrauenwelten\u201c<\/b><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> zu schaffen<\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"western\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Das Ziel,<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b> herrschaftsfreie Gesellschaften aufzubauen und den Weltfrieden <\/b><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">zu sichern, das der libert\u00e4re, sozialistische Feminismus verfolgte.<\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p class=\"western\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Die Vision der individuellen und sozialen <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b>\u201eDekonstruktion der Geschlechter\u201c <\/b><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">wie sie z.B. von Judith Butler in der dritte Welle des Feminismus konzipiert wird<\/span><\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<ol start=\"2\" type=\"I\">\n<li>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b>Was sind Fehler und Unzul\u00e4nglichkeiten der bisherigen feministischen Theorie und Praxis?<\/b><\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Angesichts eines derart reichen Erbes feministischer Theorie und Praxis m\u00fcssen wir uns die Frage stellen, warum Frauenbewegungen in vielen L\u00e4ndern und international heute in einer relativ schwachen Position sind<\/span><span style=\"color: #000080;\"><span lang=\"zxx\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">. Das heisst,<\/span><\/span><\/span><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> unser Erbe umfasst auch Erkenntnisse, die wir durch Fehler und Unzul\u00e4nglichkeiten erworben haben. Um unsere Zukunft gestalten zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen wir uns dieser bewusst sein und Alternativen finden. Diesbez\u00fcglich m\u00f6chte ich einige Gedanken zusammenfassen:<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b>Ohne eine radikale, umfassende Systemkritik kann das Patriarchat nicht \u00fcberwunden werden <\/b><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">&#8230;<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><strong><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Zur \u00dcberwindung des herrschenden Monopols von patriarchalen Denkmodellen sowie deren Einfluss auf unsere Seele, auf unser Denken und Handeln ist die Infragestellung aller vorhandenen Religionen, Wissenschaftsauffassungen; nationalistischer, kapitalistischer und sexistischer Denkweisen notwendig. Der Feminismus und seine Perspektive d\u00fcrfen nicht auf das Erlangen von \u201eFrauenrechten\u201c <\/span><\/strong><strong><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">eingeschr\u00e4nkt werden, sondern m\u00fcssen zugleich als ein Kampf gegen Kapitalismus, Rassismus, Imperialismus und jegliche Form von Unterdr\u00fcckung verstanden und gef\u00fchrt werden. Der liberale Feminismus hat viele Frauen &#8211; insbesondere in den westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern \u2013 zu dem Trugschluss gef\u00fchrt, \u201efrei zu sein\u201c und \u201efrei entscheiden\u201c zu k\u00f6nnen. <\/span><\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"western\"><strong><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Durch das Konzept des \u201eGendermainstreamings\u201c, d.h. Teilhabe einiger weniger Frauen am Kuchen der Macht sowie die Verstaatlichung und Institutionalisierung ehemals gesellschaftskritischer feministischer Ans\u00e4tze wurden Frauen ihres Potentials beraubt, eine alternative politische und gesellschaftliche Kraft zu sein. Seit den 1990er Jahren professionalisierten viele feministische Einrichtungen ihre Arbeit \u00fcber staatliche Projektf\u00f6rderungen. Die Abh\u00e4ngigkeit von staatlichen Geldern f\u00fchrte dazu, dass viele ehemals systemkritische Feministinnen ihre Ans\u00e4tze entweder an staatliche Projektleitlinien anpassten oder sich in Nischen zur\u00fcckzogen. Deshalb k\u00f6nnen sich heutzutage Regierungen mit ihren Programmen gegen Gewalt oder der Forderungen nach mehr Frauen in Spitzenpositionen als \u201eRetter der Frauen\u201c pr\u00e4sentieren. Die Mehrheit der Frauen, denen es aufgrund der patriarchalen, kapitalistischen und rassistischen Strukturen nicht gelingt, zu Geld und Anerkennung zu kommen, werden als individuelle \u201eVersagerinnen\u201c betrachtet. Auch von vielen Frauenprojekten wird der Staat mittlerweile eher als \u201eB\u00fcndnispartner\u201c im Kampf gegen Geschlechterungleichheit wahrgenommen, anstatt als das, was er ist: ein Fundament des patriarchalen Systems! <\/span><\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Wie an den stark auseinanderklaffenden Zukunftsvisionen der unterschiedlichen feministischen Str\u00f6mungen deutlich wird, sind Frauen und Frauenbewegungen stark zersplittert und gespalten. Das gilt f\u00fcr ihre theoretischen Ans\u00e4tze und ihre Methodik genauso wie f\u00fcr ihre Praxis. Neben der unzureichenden Systemanalyse behindern auch scharfe<\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> Abgrenzungen und mangelnde Auseinandersetzungen unter Frauenorganisationen sowie zwischen den ideologischen Str\u00f6mungen die politische und gesellschaftliche Wirkungskraft feministischer K\u00e4mpfe. Die Zersplitterung hat vielerorts zu einer Art Konkurrenz unter den wenigen verbliebenen Frauenorganisationen gef\u00fchrt, die einer solidarischen Zusammenarbeit im Wege steht. Das Resultat ist beispielsweise, dass es zum diesj\u00e4hrigen 8. M\u00e4rz in Stuttgart gleichzeitig f\u00fcnf verschiedene Mobilisierungen von Frauenorganisationen oder B\u00fcndnissen gibt. Angesichts der schwachen Situation der Frauenbewegung in Deutschland bleibt die Frage, ob es nicht sinnvoller und wirkungsvoller w\u00e4re Kr\u00e4fte zu b\u00fcndeln?<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">H\u00e4ufig hat eine eurozentristische und liberal-kapitalistische Perspektive europ\u00e4ischen Feministinnen den Blick daf\u00fcr versperrt, unter welchen historischen, gesellschaftlichen und politischen Bedingungen nicht-europ\u00e4ische Frauen leben und k\u00e4mpfen. Dies f\u00fchrt dazu, dass sie nicht-christlich\/europ\u00e4ische Frauen als \u201eunterdr\u00fcckt\u201c bemitleiden oder als Objekte betrachten, die gerettet werden m\u00fcssen. Selbstbewusstes, organisiertes Auftreten nicht-europ\u00e4ischer Frauen erscheint ihnen \u201esuspekt\u201c. So haben wir bei manchen europ\u00e4ischen feministischen Projekten erlebt, dass sie Frauenbewegungen anhand von Klischees in \u201eunterst\u00fctzungswerte\u201c bzw. \u201enicht-unterst\u00fctzungswerte\u201c Bewegungen klassifizieren, ohne sich \u00fcberhaupt mit den Ans\u00e4tzen und Anliegen auseinandergesetzt zu haben. <\/span><\/span><strong><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Genauso wie der Feminismus vielen Frauen dazu verholfen hat, sich aus der Opferposition zu befreien und zu eigenst\u00e4ndig denkenden und handelnden Subjekten zu werden, m\u00fcssen auch <\/span><\/span><\/strong><strong><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">andere Frauen \/ Menschen als Subjekte wahrgenommen werden. <\/span><\/strong><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Neben dem insgesamt schwachen Zustand progressiver Bewegungen in Europa f\u00fchrten u.a. diese Faktoren dazu, dass es dem Feminismus in Europa bislang kaum gelungen ist, kontinuierliche und ganzheitliche Organisierungsmodelle aufzubauen, die heute eine gesellschaftliche Alternative zum patriarchalen, kapitalistischen System darstellen k\u00f6nnen. <\/span><\/p>\n<ol start=\"2\" type=\"I\">\n<li>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b>Alternativen der kurdischen Frauenbewegung f\u00fcr den Aufbau einer demokratisch, \u00f6kologischen und geschlechterbefreiten Gesellschaft:<\/b><\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Die kurdische Frauenbewegung formierte sich zu Beginn der 1990er Jahre im Kontext des nationalen Befreiungskampfes. Zu dieser Zeit \u2013 nach dem Zusammenbruch des Realsozialismus \u2013 war sowohl die Hochphase nationaler Befreiungsbewegungen bereits vor\u00fcber als auch der H\u00f6hepunkt der zweiten Welle des Feminismus. Obwohl es stets ein Interesse an den Erfahrungen von progressiven Bewegungen in anderen L\u00e4ndern gab, so waren zu diesem Zeitpunkt viele Werke der feministischen Theorie und Praxis aus anderen L\u00e4ndern f\u00fcr kurdische Frauen schon allein deshalb nicht zug\u00e4nglich, weil sie damals noch nicht ins T\u00fcrkische \u2013 geschweige denn ins Kurdische &#8211; \u00fcbersetzt worden waren. Vor diesem Hintergrund bildeten haupts\u00e4chlich die eigenen konkreten Erfahrungen, die Analyse der gesellschaftlichen, politischen und historischen Bedingungen in Kurdistan die Grundlage f\u00fcr den Aufbau und die Entwickelung der kurdischen Frauenbewegung. In diesem Kontext spielten wiederum die Analysen und Perspektiven Abdullah \u00d6calans, der eine Parallele zwischen der Kolonialisierung Kurdistans und der patriarchalen Unterdr\u00fcckung von Frauen zog, eine entscheidende Rolle. Sowohl in theoretischer als auch in praktischer Hinsicht ermutigte er Frauen, sich in der Gesellschaft und in der Organisation von den patriarchalen Strukturen loszul\u00f6sen, sich autonom zu organisieren, die eigene Geschichte zu erforschen und ihre eigene Politik zu entwickeln. Dieses Projekt wurde seitens der kurdischen Frauen mit gro\u00dfem Interesse und Ernsthaftigkeit aufgenommen und umgesetzt. Es war ein ganzheitlicher, dialektischer Ansatz, der verschiedene Entwicklungsstadien durchlief und u.a. individuelle und kollektive Selbstbefreiung; Theorie und Praxis; Guerillakampf und gesellschaftlichen Neuaufbau mit einschloss. Ihre Zukunftsvision definiert die kurdische Frauenbewegung als eine demokratisch-\u00f6kologische-geschlechterbefreite Gesellschaft, die auf konf\u00f6deralen, basisdemokratischen Selbstverwaltungsstrukturen basiert. Die autonome Frauenorganisierung und die Frauenbefreiung sehen sie als die Garantie f\u00fcr den Aufbau eines solchen Gesellschaftssystems. Hunderttausende kurdischer Frauen aus allen gesellschaftlichen Schichten und Generationen identifizieren sich heute mit dem Kampf und den Zielen der kurdischen Frauenbewegung, die vor allem in Nord- und Westkurdistan zu einem wichtigen politischen und gesellschaftlichen Faktor geworden ist.<\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b>Ich meine, dass es einige wichtige <\/b><\/span><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b>Eckpunkte f\u00fcr die Erfolge des Frauenbefreiungskampfes und die gesellschaftlichen Umbr\u00fcche in Kurdistan gibt. Diese Eckpunkte k\u00f6nnen auch f\u00fcr eine Wiederbelebung bzw. Weiterentwickelung feministischer Theorie und Praxis in Europa und anderen Teilen der Welt von Bedeutung sein. Hierzu geh\u00f6ren die Themen:<\/b><\/span><\/p>\n<ol type=\"a\">\n<li>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Geschichtsbewusstsein und Systemanalyse<\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<ol start=\"2\" type=\"a\">\n<li>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Ideologie \u2013 Frauenbefreiungsideologie und Jineologie<\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<ol start=\"3\" type=\"a\">\n<li>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Autonome Frauenorganisierung und Selbstverteidigung <\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b>a. Geschichtsbewusstsein und Systemanalyse<\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Die Nachforschungen \u00fcber matriarchal gepr\u00e4gte Gesellschaftsformen und die G\u00f6ttinnenkultur im neolithischen Zeitalter in Mesopotamien stellten f\u00fcr kurdische Frauen &#8211; deren Geschichte und Identit\u00e4t in doppelter Hinsicht verleugnet wurde &#8211; positive Bezugspunkte und st\u00e4rkten das Selbstbewusstsein &#8211; kollektiv und individuell. Die Durchsetzung patriarchaler Herrschaft, die als \u201eerster Bruch in der Menschheitsgeschichte\u201c bezeichnet wird, mit der Hierarchien, Staat und Privateigentum durch Mythologien legitimiert, den Menschen aufgezwungen wurden, bildet zugleich die Grundlage einer umfassenden Systemanalyse der kurdischen Frauenbewegung. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Die kurdische Frauenbewegung organisiert kontinuierliche kollektive Bildungseinheiten und Diskussionsprozesse zum Thema Frauengeschichte. Diese stehen unter dem Motto <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><i>\u201eDie Geschichte der Frauenunterdr\u00fcckung wurde noch nicht geschrieben, die Geschichte der Frauenbefreiung wartet darauf, geschrieben zu werden\u201c.<\/i><\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> Mitglieder der kurdischen Frauenbewegung sprechen davon, dass sie <\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">das Bed\u00fcrfnis haben, den Verlauf der Frauenrevolution aus philosophischer und gesellschaftlicher Sicht, aus der Sicht k\u00e4mpfender Frauen aufzuschreiben.<\/span><\/span><sup><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\">3<\/a><\/span><\/span><\/sup><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> \u00dcber diesen Ansatz werden das Erbe, Erfahrungen und Wissen von Frauen st\u00e4ndig neu reflektiert und an neue Generationen weitervermittelt. <\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b>b. Frauenbefreiungsideologie \/ Jineologie: <\/b><\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Meines Wissens nach ist die kurdische Frauenbewegung die erste (und vielleicht bislang einzige?) Frauenbewegung, die eine Frauenbefreiungsideologie f\u00fcr sich ausformuliert hat. Absicht dieser Ideologie ist es, f\u00fcr die Befreiung von Frauen und der Gesellschaft eine nicht-patriarchale Denkstruktur bzw. ein \u201eorganisiertes Bewusstsein\u201c zu schaffen. Die f\u00fcnf Prinzipien der Frauenbefreiungsideologie stellen nicht nur eine gemeinsame theoretische Basis dar. Sie sind zugleich eine Art Handlungsgrunds\u00e4tze f\u00fcr das Leben und den Kampf auf dem Weg zur Frauenbefreiung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><span style=\"font-size: medium;\">Diese Prinzipien umfassen: die Zur\u00fcckweisung der Entfremdung und Kolonialisierung durch einen positiven Bezug zur Heimat (Kurdistan); das Prinzip des freien Denkens und des freien Willens von Frauen; das Prinzip der eigenst\u00e4ndigen Frauenorganisierung; eines entschlossenen Kampfes und der \u00c4sthetik. Hiermit ist gemeint, als Frauen eigene Ausdrucksformen zu finden, Kunst und Kultur aus einer Frauenperspektive neu zu gestalten. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Die Jineologie, die die <\/span><\/span><strong><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Erarbeitung einer Freiheitsdefinition, Philosophie und Wissenschaft aus der Frauenperspektive beinhaltet,<\/span><\/span><\/strong> <strong><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">die auf dieser Konferenz erstmalig in einem gr\u00f6\u00dferen Rahmen mit Frauen aus verschiedenen L\u00e4ndern diskutiert wird, kann meines Erachtens nach als eine Weiterf\u00fchrung der Frauenbefreiungsideologie bezeichnet werden. Absicht der Jineologie ist es,<\/span><\/span><\/strong> <strong><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">die Hegemonie patriarchaler Denkmodelle sowie deren Einfluss auf unsere Seele, unser Denken und Handeln zu \u00fcberwinden.<\/span><\/span><\/strong><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"> Aber hierauf werden andere Referentinnen in den kommenden Abschnitten der Konferenz genauer eingehen.<\/span><\/span><\/p>\n<ol start=\"100\" type=\"i\">\n<li>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b>Organisierung und Selbstverteidigung<\/b><\/span><\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Ich m\u00f6chte abschlie\u00dfend auf den Punkt der Organisierung und Selbstverteidigung eingehen, den ich f\u00fcr einen ganz wesentlichen halte. Denn w\u00e4hrend das kapitalistische Patriarchat seine HERRschaft \u00fcber die starke Vereinzelung der Gesellschaft und den Individualismus absichert, sind Organisierung und die F\u00e4higkeit zur Selbstverteidigung die Grundlagen f\u00fcr gesellschaftliche Ver\u00e4nderung. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Die kurdische Frauenbewegung begreift die autonome Frauenorganisierung innerhalb und in Wechselwirkung mit der kurdischen Befreiungsbewegung als Garantie f\u00fcr die gesellschaftlichen Befreiung. Ihr Organisationsmodel hat sie als \u201eMittel zum Zweck\u201c immer wieder weiterentwickelt, sowie den Bed\u00fcrfnissen und Entwicklungen entsprechend angepasst und restrukturiert. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Ihren Anfang nahm die kurdische Frauenbewegung mit dem Aufbau der ersten Frauenguerillaeinheiten. Hierdurch wurden traditionelle Geschlechterrollen radikal infrage gestellt. Dies ging einher mit der \u201eLosl\u00f6sung vom Mann\u201c (= patriarchaler Vorherrschaft), die zugleich f\u00fcr Frauen bedeutete, sich selbst von der verinnerlichten Unterdr\u00fcckung zu befreien. In der Folge entwickelten Frauen ein neues Selbstbewusstsein und St\u00e4rke, was dazu f\u00fchrte, dass unter Frauen in der kurdischen Gesellschaft gegenseitiger Respekt, Vertrauen und Solidarit\u00e4t neu gest\u00e4rkt wurden. Der Aufbau von Bewusstsein und Strukturen zur Selbstverteidigung gegen die Angriffe des patriarchalen Systems ist die Grundlage f\u00fcr Unabh\u00e4ngigkeit im Denken und Handeln von Frauen und Frauenorganisationen.<\/span><\/span><b> <\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Heute verf\u00fcgt die kurdische Frauenbewegung \u00fcber eine breite Basis in allen vier Teilen Kurdistans, im Mittleren Osten und \u00fcberall dort, wo kurdische Frauen im Exil leben. Unter dem Dach des Hohen Frauenrates KJB koordinieren sich alle Frauenorganisationen und Frauen, die sich auf die Frauenbefreiungsideologie beziehen und sich als Bestandteile der konf\u00f6deralen Gemeinschaft der Kommunen Kurdistans (KCK) begreifen. Diese autonome Frauenorganisierung umfasst die Verb\u00e4nde der Freien Frauen YJA und den Verband der Jungen Frauen, die sich \u00fcber verschiedene Frauenr\u00e4te, Frauenakademien und Fraueneinrichtungen in der Zivilgesellschaft organisieren. Desweiteren geh\u00f6ren hierzu auch Frauenselbstverteidigungskr\u00e4fte wie YJA Star und die ideologische Frauenfreiheitspartei PAJK. Diese verschiedenen Organisationsformen haben spezifische Aufgaben, verf\u00fcgen jedoch \u00fcber eine gemeinsame Zielsetzungen und erg\u00e4nzen sich gegenseitig. Hierdurch wurde ein Frauensystem geschaffen, das einen Prototyp f\u00fcr den Aufbau eines alternativen Gesellschaftssystems darstellt. Es ist die Grundlage f\u00fcr Selbstverwaltungsstrukturen, an denen alle Frauen mitwirken k\u00f6nnen. Welche Wirkungskraft dieses Model entwickeln konnte, wird wohl am besten an den aktuellen Entwicklungen in Rojava (Westkurdistan\/Syrien) deutlich, die als eine Frauenrevolution im Mittleren Osten beschrieben werden. Da hierauf eine Referentin aus Rojava im weiteren Verlauf der Konferenz aus erster Hand berichten wird, m\u00f6chte ich nur kurz erw\u00e4hnen, dass das Frauenrechtskomitee der autonomen Regierung des Kantons Cizre in Rojava vor 4 Tagen verk\u00fcndete, zum 8. M\u00e4rz ein Frauengesetz zu erlassen, das ein wirksames Instrum<\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">ent zur Bek\u00e4mpfung von Sexismus und patriarchalen Strukturen darstellen werde.<\/span><\/span><sup><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\">4<\/a><\/span><\/span><\/sup><b> <\/b><\/p>\n<p class=\"western\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Der \u201eAufbau der Zukunft\u201c bedeutet eigentlich, uns die Frage zu stellen, wie wir das Erbe des Feminismus weitertragen und \u201edie Revolution im Hier und Jetzt\u201c vorantreiben k\u00f6nnen. In der Auseinandersetzung mit den Errungenschaften der Frauenbewegung in Kurdistan wird deutlich, das die Revolution weiblich ist und keinesfalls auf Macht\u00fcbernahme beruht. Eine <\/span><\/span><strong><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Revolution kann nicht f\u00fcr die Gesellschaft oder f\u00fcr Frauen gemacht werden, sondern durch die Gesellschaft und durch Frauen. Das hei\u00dft, dass wir als Frauen neu und radikal denken, uns organisieren und aus der Frauenperspektive eine neue Politik und Wissenschaft mit dem Ziel der gesellschaftlichen Befreiung entwickeln m\u00fcssen. Hierzu ist es wichtig, dass Frauen ihre eigenen Bed\u00fcrfnisse, Tagesordnungen und Ziele definieren. Entschlossene, radikale Aktionsformen und wissenschaftliche Diskurse sind genauso notwendig wie lokale und internationale Vernetzung. Um auf dieser Welt etwas ver\u00e4ndern zu k\u00f6nnen, sind Frauen notwendig, die das Bewusstsein, den Mut und die Entschlossenheit haben, aus den Grenzen des Systems auszubrechen und am Aufbau neuer gesellschaftlicher Strukturen mitzuwirken. Frauen, die die Verantwortung daf\u00fcr \u00fcbernehmen, den Prozess der Befreiung und Selbstorganisierung der Bev\u00f6lkerung voranzubringen und sich selbst in einen solchen Prozess wirklich voll und ganz einbringen. <\/span><\/span><\/strong><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\">Unsere eigenen Gedanken, Gef\u00fchle und Aktionen mit den Prinzipien einer freien Gesellschaft in Einklang zu setzen, w\u00fcrde bedeuten, zwischen dem System und uns als k\u00e4mpfenden Frauen wieder einen Abstand aufzubauen. Denn wie eine Frau aus der Frauenfreiheitspartei PAJK sagte:<\/span><\/span><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b> \u201eHeute Revolution\u00e4rin zu sein, ist sehr viel schwerer als in den 60er oder 70er Jahren. Denn die Kraft, die uns gegen\u00fcbersteht (\u2026) hat sich auf eine sehr vielf\u00e4ltige Weise organisiert und sehr subtile Herrschaftsmechanismen. Es bleibt zu schwach nur zu sagen, ich lehne diese Kraft ab, ich stelle mich dagegen. Deswegen ist es jetzt mehr als notwendig, dass wir wirklich Revolution\u00e4rinnen sind.\u201c<\/b><\/span><\/span><sup><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Arial,sans-serif;\"><b><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote5sym\" name=\"sdfootnote5anc\">5<\/a><\/b><\/span><\/span><\/sup><b> <\/b><\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a>Vgl. \u201eGelebte Utopien und Widerstand\u201c, Mesopotamien Verlag 2012, S. 75<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p class=\"western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a> <span style=\"color: #000080;\"><span lang=\"zxx\"><span style=\"color: #000000;\">wie z.B. von Olympe de Gouges, Mary Wollenstonecraft, Clara Zetkin, Emma Goldman, Alexandra Kolontai u.a.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a>Vgl. Gelebte Utopien und Widerstand, S.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote4\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a>ANF, 25.02.2014<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote5\">\n<p class=\"sdfootnote-western\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote5anc\" name=\"sdfootnote5sym\">5<\/a>Gelebte Utopien und Widerstand<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ANN-KRISTIN KOWARSCH Vortrag f\u00fcr die 1. Jineologie \u2013 Konferenz 27. Februar \u2013 2. M\u00e4rz 2014 an der Universit\u00e4t K\u00f6ln \u00a0Trotz \u00fcber 200 Jahren feministischer Theorie und Praxis leben wir noch immer in einer Welt, die durch patriarchale Gewalt und HERRschaft dominiert wird. Am 8. 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