{"id":2400,"date":"2026-04-03T14:18:51","date_gmt":"2026-04-03T11:18:51","guid":{"rendered":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/?p=2400"},"modified":"2026-04-10T10:21:57","modified_gmt":"2026-04-10T07:21:57","slug":"hebun-zanebun-xwebun-von-hamsterraedern-gefaehrlichen-speisekarten-und-demokratischer-integration-in-zeiten-des-dritten-weltkriegs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/2026\/04\/03\/hebun-zanebun-xwebun-von-hamsterraedern-gefaehrlichen-speisekarten-und-demokratischer-integration-in-zeiten-des-dritten-weltkriegs\/","title":{"rendered":"HEB\u00dbN &#8211; ZANEB\u00dbN &#8211; XWEB\u00dbN: Von Hamsterr\u00e4dern, gef\u00e4hrlichen Speisekarten und demokratischer Integration in Zeiten des Dritten Weltkriegs"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\"><i>Zwischen Krieg und <\/i><i>Alltag<\/i><i>, <\/i><i>Ideologie <\/i><i>und Intimit\u00e4t entfaltet sich <\/i><i>ein vielschichtiges Bild<\/i><i> unserer Gegenwart.. einer Welt, in der Existenz nicht selbstverst\u00e4ndlich ist, sondern immer wieder verteidigt werden muss. <\/i><i>Der Krieg <\/i><i>dieser<\/i><i> Zeit ist auch ein Krieg um die Frage: <\/i><i>Wie leben? <\/i><i>Entlang der <\/i><i>Begriffe Heb\u00fbn (Sein\/<\/i><i>Existenz<\/i><i>), Zaneb\u00fbn (Wissen) und Xweb\u00fbn <\/i><i>(Selbstwerden)<\/i><i> <\/i><i>begibt sich diese<\/i><i>s<\/i><i> Essay auf eine Reise durch die sichtbaren und unsichtbaren Frontlinien eines Dritten Weltkriegs, der <\/i><i>schon lange nicht mehr <\/i><i>nur milit\u00e4risch, <\/i><i>politisch und \u00f6konomisch <\/i><i>gef\u00fchrt wird<\/i><i>. <\/i><i>Zwischen <\/i><i>Hamsterr\u00e4dern, <\/i><i>geopolitischen <\/i><i>Men\u00fcempfehlungen<\/i><i> <\/i><i>und <\/i><i>dem \u201eTod der Br\u00fcderlichkeit der V\u00f6lker\u201c <\/i><i>geht es um die <\/i><i>unbeirrbare <\/i><i>Suche nach <\/i><i>einem<\/i><i> freien kommunalen Leben <\/i><i>und <\/i><i>um <\/i><i>das<\/i><i> WIE unserer Existenz. <\/i><i>Es geht um Bedeutung, <\/i><i>Liebe,<\/i><i> <\/i><i>Organisierung<\/i><i> und <\/i><i>darum, <\/i><i>wie wir das freie Leben denken und gemeinsam aufbauen k\u00f6nnen.<\/i><\/p>\n<h3 align=\"justify\">I. <strong><em>HEB\u00dbN<\/em><\/strong> bedeutet Sein, Existenz<\/h3>\n<p align=\"justify\">Es gibt Momente, in denen ist die pure Existenz, das pure Leben in Gefahr. In Zeiten des Krieges sp\u00fcren wir das um so deutlicher. Krieg bedeutet Bedrohung, Angst, Verw\u00fcstung, Verleugnung, Vergewaltigung, Tod, Zerst\u00f6rung der Lebensgrundlagen. In der aktuellen Phase der Kapitalistischen Moderne, die wir als <b>Dritten Weltkrieg<\/b> begreifen, \u00e4u\u00dfert sich der Krieg nicht nur in Momenten offener milit\u00e4rischer Kriegshandlungen, sondern ist allgegenw\u00e4rtig. Er zieht sich durch Politik, \u00d6konomie, Institutionen, Technologien, digitale Medien, sogar durch Pers\u00f6nlichkeiten, Beziehungen, Gedanken und Gef\u00fchle. Mal ist er offen sichtbar, blutig und m\u00f6rderisch, mal ist er unterschwelliger, perfide, zerr\u00fcttet schleichend die Substanz des Lebens, des freien Denkens, des Zusammenhalts, die Integrit\u00e4t der K\u00f6rper und der Erde.<\/p>\n<p align=\"justify\">Was der Slogan \u201cKapitalismus ist Krieg\u201d in Kurzform ausdr\u00fcckt, sehen wir in diesen Zeiten klar vor Augen. Die <b>Zerst\u00f6rungskraft der kapitalistischen Moderne<\/b> spiegelt sich in den systematischen Krisen und Ausnahmezust\u00e4nden wider, in denen Menschen und Gesellschaften verfangen sind. Wir sehen, dass viele Menschen Tag f\u00fcr Tag damit besch\u00e4ftigt sind, Krisen zu bew\u00e4ltigen und in Angst um die eigene Existenz und Zukunft in <b>Hamsterr\u00e4dern<\/b> zu rennen. Die Verstetigung existenzieller Krisen ist nichts zuf\u00e4lliges, sondern Teil des Systems. Sie f\u00fchrt dazu, dass Menschen, Bewegungen und Gesellschaften m\u00fcde und hoffnungslos werden und keine gemeinsame Kraft gegen das System zu Stande bringen. Denn wer tagt\u00e4glich um das \u00dcberleben und die Anerkennung der eigenen Existenz ringt, wird in den meisten F\u00e4llen die Fragen nach der Form dieser Existenz \u2013 sei es politisch, gesellschaftlich oder philosophisch &#8211; erst einmal hinten an stellen.<\/p>\n<p align=\"justify\">In seinen Perspektiven zum 12. Parteikongress der PKK schreibt Abdullah \u00d6calan: \u201c<i>Ich m\u00f6chte mit dem Thema \u2018Bewusstsein der Existenz und Wahrnehmung der Kurden f\u00fcr ihre eigene Existenz\u2019 beginnen. Es gab ja die weit bekannten Fragen: \u2018Gibt es Kurden oder nicht? Wenn ja, inwieweit konnten sie ihre Existenz realisieren? Und vor allem: Inwieweit sind Existenz und Freiheit miteinander verflochten und wie bedingen sie sich gegenseitig?\u2019 \u201d<\/i><sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\">1<\/a><\/sup><\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"justify\">Wer sind wir? Inwieweit ist unsere Existenz mit der Freiheit verflochten? Diese Fragen sollten wir uns nicht nur als Kurd:innen, sondern als Menschen und Gesellschaften auf der ganzen Welt stellen. Was hei\u00dft es f\u00fcr uns in diesen Zeiten des Dritten Weltkriegs zu leben und unsere Existenz zu verteidigen?<\/p>\n<\/blockquote>\n<p align=\"justify\">Der Kampf um Existenz ist letztlich nicht nur physisch, sondern tief verbunden mit der Frage nach dem <i>WIE <\/i>der Existenz. Wie wollen wir leben? Welche Formen der Existenz werden uns im System der kapitalistischen Moderne aufgezwungen? Und vor Allem: Wie befreien wir uns davon und erschaffen gemeinsam Alternativen des freien Lebens?<\/p>\n<h4 align=\"justify\"><b>Der Tod der Br\u00fcderlichkeit und das <\/b><i><b>WIE<\/b><\/i><b> der Existenz<\/b><\/h4>\n<p align=\"justify\">In Kurdistan, dem Mittleren Osten und weit dar\u00fcber hinaus wird in diesen Tagen neben milit\u00e4rischen Interventionen auch ein heftiger ideologischer Krieg gef\u00fchrt. Verbunden mit den Entwicklungen in Rojava und Syrien kursierten in den letzten Wochen auf Profilen in den digitalen Medien Bilder und Statements, die verk\u00fcndeten: \u201cDas Paradigma ist gescheitert!\u201d, \u201cDie Br\u00fcderlichkeit der V\u00f6lker ist gescheitert!\u201d, oder sogar: <b>\u201cTod der Br\u00fcderlichkeit der V\u00f6lker!\u201d<\/b><\/p>\n<p align=\"justify\">Als erster emotionaler Reflex auf die Massaker und Verschleppungen die im Januar und Februar in Nord- und Ostsyrien durch die Truppen der Syrischen \u00dcbergangsregierung begangen wurden, ist das erst einmal nachvollziehbar. Das \u00dcberlaufen einiger arabischer Einheiten der SDF zu den Truppen der \u00dcbergangsregierung l\u00f6ste eine Debatte dar\u00fcber aus, wie opportunistisch oder langfristig diese B\u00fcndnisse gewesen waren. Zweifellos durchlaufen die Organisierungsstrukturen in Rojava und Nord- und Ostsyrien in dieser Hinsicht einen notwendigen Prozess der Reflexion und Selbstkritik.<\/p>\n<p align=\"justify\">Wer die Debatten in den digitalen Medien verfolgt hat, erkennt jedoch schnell, dass es sich bei der Propaganda gegen die \u201eBr\u00fcderlichkeit der V\u00f6lker\u201c um einen Teil einer breit angelegten und aufwendig befeuerten Antipropaganda-Kampagne gegen die Perspektiven der kurdischen Freiheitsbewegung und das Paradigma der demokratischen Moderne handelt. <b>Wie in allen Zeiten und K\u00e4mpfen dieser Welt sehen wir klar, wie Narrative geformt werden, die die Geschichtsschreibung der Herrschenden zementieren sollen.<\/b><\/p>\n<p align=\"justify\">Wir erinnern uns an andere Verk\u00fcndungen, wie das ber\u00fchmte \u201cEnde der Geschichte\u201d, welches Francis Fukuyama 1989 ausgerufen hatte. Er bezog sich damals auf den scheinbar absoluten Sieg der liberalen Demokratien und der kapitalistischen Marktwirtschaft \u00fcber alle anderen Gesellschaftsentw\u00fcrfe, insbesondere die sozialistischen. In dem \u201cScheitern der Br\u00fcderlichkeit der V\u00f6lker\u201d finden wir nun ein \u00e4hnlich starkes Narrativ im Kontext der <strong>hegemonialen Neuordnung des Mittleren Ostens<\/strong>. Solche Narrative sind nicht zuf\u00e4llig und sie stehen nicht einfach im luftleeren Raum, sondern sie haben einen bestimmten ideologischen Hintergrund und kommen bestimmten Interessen zu Gute. Sie versuchen, eine bestimmte Definition der Existenz zu zementieren.<\/p>\n<p align=\"justify\">Dieses Narrativ ist verbunden mit der gezielten Aufheizung rassistisch-nationalistischer und politischer Feindseligkeit zwischen den verschiedenen Bev\u00f6lkerungsgruppen in Nord- und Ostsyrien und der gesamten Region. Diese wird auch durch Provokationen wie den Angriffen auf die kurdische Bev\u00f6lkerung bei den diesj\u00e4hrigen Newroz-Feierlichkeiten in Afrin und Aleppo weiter aufgeheizt. Im Sinne der hegemonialen Neuordnung des Mittleren Ostens sollen sie wie ein Dolchsto\u00df gegen die Errungenschaften des demokratischen Zusammenlebens der V\u00f6lker in Nord- und Ostsyrien wirken und den Glauben in die M\u00f6glichkeit des demokratischen Zusammenlebens schw\u00e4chen.<\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"justify\">Eine Frau, die die Angriffe auf die kurdischen Stadtteile Aleppos Anfang Januar hautnah miterlebt hatte, fasste es treffend zusammen: <i>\u201eWas wir heute erleben, ist keine lokale Angelegenheit, sondern vielmehr ein regionales Erdbeben, das jeden Funken Hoffnung auf eine demokratische Zukunft im Mittleren Osten begraben soll.\u201c<\/i><sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\">2<\/a><\/sup><\/p>\n<\/blockquote>\n<h4 align=\"justify\"><strong>Existenz &#8211; zwischen machtvollen Tischen und gef\u00e4hrlichen Speisekarten<\/strong><\/h4>\n<p align=\"justify\">All das geschieht in einer Zeit, in der wir mit grundlegenden Machtverschiebungen und K\u00e4mpfen um Hegemonien konfrontiert sind. Es ist ein Krieg um eine sich ver\u00e4ndernde Weltordnung, der auf vielen Ebenen gleichzeitig gef\u00fchrt wird. Wir sehen, wie die verschiedenen M\u00e4chte sich mit ihren eigenen Interessen und Taktiken darin positionieren.<\/p>\n<p align=\"justify\">Beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar hatte Emmanuel Macron gesagt: <i>\u201eEs ist klar, dass wir eine Zeit der Instabilit\u00e4t und der Ungleichgewichte erreichen, sowohl in Hinblick auf Sicherheit und Verteidigung als auch aus wirtschaftlicher Sicht. Schauen Sie sich die Situation an, in der wir uns befinden. Ich meine, eine Verschiebung hin zur Autokratie, gegen die Demokratie. Mehr Gewalt, mehr als 60 Kriege im Jahr 2024 \u2013 ein absoluter Rekord, auch wenn ich vernommen habe, dass einige davon beigelegt wurden. Konflikte wurden normalisiert, sie sind hybrid, und weiten sich auf neue Bereiche aus: Weltraum, digitale Information, Cyber, Handel und so weiter. Es ist auch eine Verschiebung hin zu einer Welt ohne Regeln. In der das V\u00f6lkerrecht mit F\u00fc\u00dfen getreten wird und in der das einzige Gesetz, das zu z\u00e4hlen scheint, das des St\u00e4rkeren ist.\u201c<\/i><sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote3sym\" name=\"sdfootnote3anc\">3<\/a><\/sup> Der kanadische Premierminister Mark Carney bemerkte weiterhin: <strong><i>\u201cWir befinden uns mitten in einem Bruch, nicht in einer \u00dcbergangsphase.\u201d<\/i><\/strong><sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote4sym\" name=\"sdfootnote4anc\">4<\/a><\/sup> In Hinblick auf die Situation Kanadas spitzte er es zu: <i>\u201cDie Mittelm\u00e4chte m\u00fcssen gemeinsam handeln, denn <\/i><i><b>wenn wir nicht mit am Tisch sitzen, landen wir auf der Speisekarte.<\/b><\/i><i>\u201d<\/i><sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote5sym\" name=\"sdfootnote5anc\">5<\/a><\/sup><\/p>\n<p align=\"justify\">Von Trump \u00fcber Merz bis hin zu Macron und Carney sprechen dabei alle auch irgendwie von der Verteidigung der Existenz. Sie propagieren die Kontrolle nationaler Grenzen, Militarisierung, Aufr\u00fcstung, massive R\u00fcstungs-Deals oder die Kollaboration mit anderen M\u00e4chten, um sich gegenseitig wahlweise auszunutzen oder auszuhebeln \u2013 um nicht auf der Speisekarte zu landen. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2411 alignright\" src=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/karahan-tepe-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"221\" height=\"221\" srcset=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/karahan-tepe-300x300.jpg 300w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/karahan-tepe-150x150.jpg 150w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/karahan-tepe-768x768.jpg 768w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/karahan-tepe.jpg 1000w\" sizes=\"auto, (max-width: 221px) 100vw, 221px\" \/>Macron hatte Anfang M\u00e4rz bei einer Rede vor den franz\u00f6sischen Streitkr\u00e4ften (bei der es unter anderem um nukleare Aufr\u00fcstung ging) besonders dystopische Worte gew\u00e4hlt: <i>\u201eDenn in dieser gef\u00e4hrlichen und instabilen Welt gilt, wie ich bereits mehrfach gesagt habe: Um frei zu sein, muss man gef\u00fcrchtet werden.\u201c<\/i><sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote6sym\" name=\"sdfootnote6anc\">6<\/a><\/sup> Und weiter: <i><b>\u201eUm frei zu sein, muss man gef\u00fcrchtet werden; und um gef\u00fcrchtet zu werden, muss man m\u00e4chtig sein.\u201c<\/b><\/i><sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote7sym\" name=\"sdfootnote7anc\">7<\/a><\/sup><\/p>\n<p align=\"justify\">Aussagen wie diese, die als sicherheitspolitischer Realismus daherkommen, offenbaren uns im Grunde genommen die Reinform der patriarchalen Logik: Um frei sein zu k\u00f6nnen, musst du so m\u00e4chtig sein, dass andere sich vor dir f\u00fcrchten. Aber wenn die eigene <b>Existenz und Freiheit<\/b> auf der <b>Angst und damit der Unterwerfung<\/b> der Anderen basiert (und wom\u00f6glich auch noch von der Potenz der eigenen Raketen abh\u00e4ngt) \u2013 von was f\u00fcr einer Form der \u201eFreiheit\u201c wird dann gesprochen? Die Art und Weise wie das Politische in der Kapitalistischen Moderne verhandelt wird, f\u00fchrt uns immer wieder schmerzlich die tragische Absurdit\u00e4t des Patriarchats vor Augen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Situation mit der wir uns in diesen Zeiten konfrontiert sehen, hatte<b> Abdullah \u00d6calan<\/b> bereits vor vielen Jahren in seinen Verteidigungsschriften historisch und soziologisch tiefgehend analysiert und als <a href=\"https:\/\/democraticmodernity.com\/de\/der-dritte-weltkrieghat-begonnen-ein-anderer-weg-ist-moglich\/\"><b>Dritten Weltkrieg<\/b><\/a> bezeichnet. Das Paradigma der Demokratischen Moderne, auf das sich die Freiheitsbewegung Kurdistans und mittlerweile immer weitere Kreise weltweit beziehen, baut auf diesen Analysen auf und formuliert eine zeitgem\u00e4\u00dfe Alternative.\u00a0Diese besagt: Die gesellschaftliche Existenz und Freiheit k\u00f6nnen nicht nachhaltig mit Hilfe von patriarchaler Dominanz, Aufr\u00fcstung, Abschottung und Kontrolle verteidigt werden. Stattdessen geht es darum, die Existenz als freie Menschen und freie Gesellschaften durch den Aufbau von Strukturen der demokratischen Selbstverwaltung zu realisieren und zu verteidigen. \u00d6calan formuliert damit eine Perspektive, die sich radikal gegen Krieg, Kolonialismus, Kapitalismus und patriarchale Machtstrukturen wendet &#8211; ein strategischer Horizont und praktische Alternativen f\u00fcr den Mittleren Osten und die ganze Welt.<\/p>\n<h3 align=\"justify\"><b>II. <em>ZANEB\u00dbN<\/em><\/b><b>\u00a0\u2013 Wissen und Bewusstsein als Grundlage der menschlichen Existenz<\/b><\/h3>\n<p align=\"justify\">Leben bedeutet nicht nur physische Existenz. Wenn wir den Krieg unserer Zeit und die K\u00e4mpfe um das Paradigma verstehen wollen, m\u00fcssen wir die Rolle von <b>Wissen, Bewusstsein und Bedeutung<\/b> f\u00fcr Menschen und Gesellschaften verstehen. Wer sind wir und wie k\u00f6nnen wir werden? Was macht unsere Existenz als Menschen und als Gesellschaften aus? Ist es allein unsere biologische Existenz als menschliche Gattung, die Umwandlung von Energie durch Nahrungsaufnahme, die biologische Vermehrung? Ist allein die physische Existenz einer oder mehrerer Ethnien auf einem Territorium schon eine Gesellschaft?<\/p>\n<p align=\"justify\">Um Antworten auf diese Fragen zu finden, m\u00fcssen wir sehr tief zu den Wurzeln und Grundbedingungen der menschlichen Existenz schauen. Im neu erschienenen <b>Manifest <\/b><b>der<\/b><b> demokratische<\/b><b>n<\/b><b> kommunale<\/b><b>n<\/b><b> Gesellschaft<\/b> (Demokratik Kom\u00fcnal Toplum Manifestosu) stellt Abdullah \u00d6calan auch die Frage danach, <b>was die Existenz des Menschen ausmacht<\/b>. Wie das Universum entstanden ist, die allerkleinsten Teilchen, die in Bewegung sind, Protonen, Neutronen, Elektronen, aus denen sich die Atome zusammensetzen, Atome, die sich in best\u00e4ndigem Austausch befinden und die sich durch komplexe Formen der Organisation zu Molek\u00fclen zusammensetzen, woraus sich wiederum Zellen, Organismen, Algen, Pflanzen, Tiere entwickeln. Sie entstehen mit den Zyklen der Zeit, wachsen, vermehren sich, vergehen und die Teilchen aus denen sie bestanden gehen wieder in andere Formen der Existenz \u00fcber. Mit dem Verlauf der evolution\u00e4ren Geschichte entwickelten sich die Lebewesen auf der Erde in einer enormen Vielf\u00e4ltigkeit und so entstand auch die menschliche Gattung. In diesem Sinne ist der Mensch Teil der biologischen Natur, der \u00f6kologischen Welt. <i>\u201cDas Leben der Zellen entwickelt sich also in Abh\u00e4ngigkeit von Austausch bzw. Organisation. Ist es m\u00f6glich, dass diese Eigenschaft der Zellen in einer Verbindung zur menschlichen Soziologie steht?\u201d<\/i><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote8sym\" name=\"sdfootnote8anc\"><sup>8<\/sup><\/a><\/p>\n<p align=\"justify\">Der Mensch ist ein <i>\u00f6kologisches<\/i> Wesen. Und wir k\u00f6nnen ihn zugleich auch als ein <i>gesellschaftliches<\/i> und ein <i>denkendes<\/i> Wesen verstehen. Ein Blick in die evolution\u00e4re und kulturelle Geschichte der Menschheit offenbart uns die tiefen Spuren der Kommunalit\u00e4t: Der Mensch ist ein soziales Wesen. Dabei geht es nicht um individuelle Neigungen oder Lebensstile \u2013 etwa darum, ob jemand lieber alleine lebt oder als Selbstversorger:in allein zurechtkommt. Vielmehr ist Gesellschaftlichkeit eine grundlegende Bedingung menschlicher Existenz. Besonders deutlich wird dies schon bei der Geburt: W\u00e4hrend die Jungtiere vieler anderer Lebewesen oft schon nach wenigen Tagen oder Wochen auf den eigenen Beinen stehen und \u00fcberleben k\u00f6nnen, braucht ein menschliches Baby viele Jahre um heranzuwachsen. Es ist auf Nahrung, Schutz und Zuwendung angewiesen \u2013 nicht nur durch die Mutter, sondern auch durch ein ganzes \u00f6kologisches und soziales Umfeld.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Notwendigkeit von Verbundenheit, F\u00fcrsorge und Kooperation bilden den Ursprung kommunalen Lebens. Schon in fr\u00fchen menschlichen Gemeinschaften und Klans entstand aus der um die Mutter herum organisierten F\u00fcrsorge eine Form von Kommunalit\u00e4t, die den Kern gesellschaftlichen Zusammenlebens bildet. Wir k\u00f6nnen nur existieren, indem wir einander unterst\u00fctzen und tragen \u2013 biologisch, \u00f6konomisch, psychisch und nicht zuletzt durch zwischenmenschliche Verbundenheit, Anerkennung und Liebe. Dass diese grundlegende Realit\u00e4t der Verbundenheit und der gegenseitigen Abh\u00e4ngigkeit im Kapitalismus maximal verschleiert, ausgebeutet und entfremdet wird, geh\u00f6rt zu seinen zentralen Widerspr\u00fcchen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Zugleich ist der Mensch ein <i>denkendes<\/i> Wesen. Es scheint, als w\u00fcrde die komplexe Form des menschlichen Denkens und die Art und Weise Kultur und Bedeutung zu schaffen, den Menschen ein St\u00fcck weit von anderen Tieren unterscheiden. Auf der Grundlage der <i><b>ersten Natur<\/b><\/i><b>, der biologischen oder \u00f6kologischen Natur<\/b>, haben Menschen im Laufe ihrer Entwicklung eine <b>zweite, gesellschaftliche Natur <\/b>entwickelt \u2013 eine Welt aus Sprache, Kultur, Werten und Bedeutungen. Diese gesellschaftliche Natur wird kontinuierlich von der Gesellschaft selbst geschaffen, gepr\u00e4gt und weitergegeben.<\/p>\n<p align=\"justify\">Im neuen Manifest hei\u00dft es: <i>\u201eGesellschaft ist nicht blo\u00df ein Zusammenschluss von Menschen. Sie ist ein Wertesystem, das von Menschen hervorgebracht wird und in dem sie sich \u00fcber Kollektivit\u00e4t verwirklichen. Das konstituierende, tragende und entwickelnde Element aller gesellschaftlichen Strukturen ist Bedeutung. Die Gesellschaft (&#8230;) ist zugleich Subjekt und Objekt ihres eigenen Werdens, das einen offenen Charakter hat. Anders gesagt: Gesellschaft ist ein fortw\u00e4hrender Prozess des Aufbaus, Zerfalls und Wiederaufbaus. Letztlich wird diese gesellschaftliche Natur vom Menschen hervorgebracht. Sie ist eine Realit\u00e4t, die sich um die menschliche Spezies herum bildet.\u201d<\/i><sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote9sym\" name=\"sdfootnote9anc\">9<\/a><\/sup><\/p>\n<p align=\"justify\">Und gerade weil die gesellschaftliche Realit\u00e4t durch die Gesellschaft selbst geschaffen und ver\u00e4ndert wird, beruht Gesellschaftlichkeit auch nicht auf strikten Naturgesetzen von Ursache und Wirkung. Sie ist flexibler und vielmehr gepr\u00e4gt von Tendenzen und M\u00f6glichkeiten. Als Menschen sind wir zutiefst mit dieser gesellschaftlichen Realit\u00e4t verbunden: Wir wachsen in sie hinein, unsere Weltsicht und unser ganzes Leben sind davon gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p align=\"justify\">Deshalb spielt <b>Bedeutung<\/b> f\u00fcr uns auch so eine existenzielle Rolle. Unser Verst\u00e4ndnis von uns selbst und der Welt, was wir als wahr, richtig oder gut begreifen, ist eng damit verbunden, wie wir es seit unserer Kindheit um uns herum erlebt haben. In der Geschichte der Menschheit hat zun\u00e4chst all das Bedeutung, was das Leben erm\u00f6glicht, ern\u00e4hrt und sch\u00fctzt: M\u00fctterlichkeit, F\u00fcrsorge, Gemeinschaft, die Erde, Sonne, Wasser, Nahrung gelten deshalb auch oft auch als heilig. Mit der Entwicklung von Herrschaft und patriarchalen Strukturen jedoch sehen wir, wie sich zerst\u00f6rerische Werte und Bedeutungen durchsetzen k\u00f6nnen: Gewalt, Dominanz und Ausbeutung werden normalisiert oder sogar als notwendig und legitim dargestellt, obwohl sie dem Leben selbst widersprechen. Bedeutung ist nicht einfach nur eine abstrakte oder metaphysische Dimension menschlicher Vorstellungskraft. Sie ist sp\u00fcrbar, f\u00fchlbar, materiell, Teil der gesellschaftlichen Realit\u00e4t. Sie bewegt Menschen dazu, sich auf bestimmte Art und Weise zu verhalten und kann auch durch Manipulation und Gewalt durchgesetzt werden.<\/p>\n<p align=\"justify\">Denken wir zum Beispiel an <b>staatliche Grenzen<\/b>&#8230; In der ersten, biologischen Natur haben sie keine Realit\u00e4t. Zugv\u00f6gel fliegen einfach dar\u00fcber hinweg und die Geschichte der Menschheit war immer schon von Nomadentum, Migration und kulturellem Austausch gepr\u00e4gt. Das Konzept von Staatsgrenzen hingegen wurde im Laufe der Geschichte als Resultat von Macht-, Kapital- und Herrschafts-Politiken geschaffen, institutionalisiert und durchgesetzt. Und so haben Staatsgrenzen heute eine materielle Bedeutung und Realit\u00e4t: Sie definieren Hoheitsgebiete, bestimmen \u00fcber Bewegungsfreiheit, rei\u00dfen Gesellschaften auseinander, dr\u00e4ngen Assimilation auf und haben im Laufe der Geschichte unz\u00e4hlige Menschenleben gekostet. Und trotzdem wird ihre Legitimit\u00e4t allzu oft gar nicht hinterfragt.<\/p>\n<p align=\"justify\"><i>Zaneb\u00fbn<\/i> bedeutet Wissen. Wissen (<i>zaneb\u00fbn<\/i>) und Bewusstsein (<i>hi\u015fmend\u00ee<\/i>) \u00fcber unsere Geschichte und Gesellschaft zu erlangen, bedeutet unsere eigene Existenz und Situation ganz anders verstehen zu k\u00f6nnen. Wir k\u00f6nnen scheinbar \u00fcberm\u00e4chtige Realit\u00e4ten in Frage stellen und klarer sehen, in welchen Hamsterr\u00e4dern der kapitalistischen Moderne wir uns verausgaben. Das Potenzial des freien Lebens zu sehen und zu verstehen, wann und wie sich bestimmte Machtstrukturen in der Geschichte entwickelt haben, l\u00e4sst uns verstehen, dass es auch ganz anders gehen kann. Deshalb sind Wissen und Bewusstsein eine grundlegende Bedingung der Befreiung.<\/p>\n<h4 align=\"justify\"><strong>Bedeutung geben und eine Kultur des freien Lebens schaffen<\/strong><\/h4>\n<blockquote>\n<p align=\"justify\">Je tiefer unser Wissen und Bewusstsein ist, desto mehr wird unsere F\u00e4higkeit <b>Bedeutung zu geben und Bedeutung zu schaffen <\/b>zu einer gro\u00dfen produktiven Kraft der Befreiung. Die kurdische Freiheitsbewegung zeigt uns, wie durch die Tradition des Freiheitskampfes, verbunden mit einer breiten gesellschaftlichen Bewegung neue Bedeutung geschaffen werden kann.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p align=\"justify\">Im Umfeld der Freiheitsbewegung ist sogar eine ganze Kultur gewachsen. Sie ist tief verwurzelt in gemeinsamer Geschichte, geteilten Erfahrungen und gelebten K\u00e4mpfen. Sie gr\u00fcndet auf Werten, die mit viel Hingabe und M\u00fche geschaffen wurden und f\u00fcr die viele Opfer gebracht wurden. Und sie w\u00e4chst weiter \u2013 mit kollektiver Erinnerung, Reflexion und Erneuerung. Sie verbindet lebendige Geschichte, das Gedenken an die \u015eeh\u00eeds, Werte, Prinzipien, Musik, T\u00e4nze, Symbole, Begriffe und gefl\u00fcgelte Worte, bis hin zu praktischen Arbeitsweisen und Methoden des organisierten gemeinschaftlichen Lebens. Bisweilen sehen wir sogar, wie nationalische und kapitalistische Kr\u00e4fte diese Kultur nachahmen und f\u00fcr ihre eigenen Interessen nutzen wollen. Doch dabei kommt letztlich nur ein verzerrtes und entleertes Abbild heraus. Es ist eine Kultur, die sich leben l\u00e4sst, aber nicht nachahmen. Sie ist offen und zug\u00e4nglich f\u00fcr alle, die ihre Werte teilen \u2013 aber sie ist kein Artefakt, das sich kaufen und aufsetzen l\u00e4sst wie eine Krone. Ihre Kraft und Sch\u00f6nheit erw\u00e4chst aus der Einheit von Essenz (<em>cewher<\/em>) und Form.<\/p>\n<p align=\"justify\">Dieses Beispiel erz\u00e4hlt uns sehr viel \u00fcber die Kraft, die aus gesellschaftlichen K\u00e4mpfen hervorgehen kann. Wenn wir den Mut haben, die zerst\u00f6rerischen Wertma\u00dfst\u00e4be der kapitalistischen Moderne in Frage zu stellen und stattdessen dem Bedeutung zu geben, und das zu st\u00e4rken, was uns wirklich der Freiheit n\u00e4her bringt und worin das Potenzial f\u00fcr ein gerechteres und gutes Leben f\u00fcr alle liegt &#8211; dann begeben wir uns auf den Weg eine Kultur des freien Lebens zu schaffen.<\/p>\n<p align=\"justify\">All das macht deutlich, warum der Kampf um das Paradigma so essenziell ist. Denn der Kampf um das Paradigma ist auch ein Kampf um Bedeutung. Und der Kampf um Bedeutung ist verbunden mit dem Kampf um das <i>WIE<\/i> der Existenz.<\/p>\n<h4 align=\"justify\"><strong>Eine lachende Ethik der Existenz<\/strong><\/h4>\n<p align=\"justify\">Wenn es um Rojava geht, h\u00f6rt man hin und wieder Journalisten oder Kommentatoren mit inbr\u00fcnstiger Rationalit\u00e4t die Lage erkl\u00e4ren und behaupten: In Rojava ginge es keinesfalls um Revolution oder alternative Paradigmen, sondern um den Zugang zu Bodensch\u00e4tzen. \u201cF\u00fcr dich vielleicht,\u201d denke ich dann &#8211; denn worum es in Rojava geht, kommt nat\u00fcrlich auf die Perspektive an. Und dann habe ich all die Menschen in Rojava vor Augen, M\u00fctter, T\u00f6chter, Gro\u00dfeltern, Arbeiter:innen, G\u00e4rtner:innen, Lehrer:innen, K\u00e4mpfer:innen, die ihr Leben f\u00fcr diese Revolution geben.<\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"justify\">Es ist verr\u00fcckt, dass wir in Zeiten leben, in denen das Beharren auf grundlegende ethische Werte als Naivit\u00e4t abgestempelt werden kann. Dabei m\u00fcssen wir genau dort anfangen und mit der unertr\u00e4glichen Normalisierung der Brutalit\u00e4t der kapitalistischen Moderne brechen. In Zeiten wie diesen ist die Verteidigung der gesellschaftlichen und ethischen Existenz h\u00f6chst politisch.<\/p>\n<p align=\"justify\">Wer heute angesichts des Dritten Weltkriegs oder der Epstein Files immer noch an der nihilistischen Vorstellung festh\u00e4lt, dass jeder Versuch eine ethische Alternative zur Kapitalistischen Moderne zu entwickeln naiv sei, der ist nicht etwa kritisch-zur\u00fcckhaltend, realistisch oder unparteiisch, sondern nimmt ganz klar Position f\u00fcr die Verteidigung eines zerst\u00f6rerischen und absurden Systems ein.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p align=\"justify\">W\u00e4hrend ich diesen Text schreibe und \u00fcber Bedeutung und den Tod der Br\u00fcderlichkeit nachdenke, kommt mir eine Erinnerung in den Kopf.. N, eine arabische Freundin mit der ich in Rojava einige Zeit zusammen gelebt habe, hatte mir als Andenken einen Satz in mein Notizbuch geschrieben. Sie ist selbst in einem arabischen Stamm gro\u00dfgeworden, hat fr\u00fch geheiratet, hatte sich nach kurzer Zeit von dem gewaltt\u00e4tigen Ehemann getrennt und war Teil der Freiheitsbewegung geworden. Den Satz, den sie mir auf arabisch in mein Notizbuch schrieb ist der Titel eines Buches von Xeyri Garzan, in dem er \u00fcber das Leben der Guerilla schreibt: <i>\u201eG\u00f6l\u00fcmse, \u00f6l\u00fcm utans\u0131n.\u201c<\/i> &#8211; <i><b>\u201cLache, m\u00f6ge der Tod sich sch\u00e4men.\u201d<\/b><\/i><\/p>\n<p align=\"justify\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2410 alignleft\" src=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Bikene-bila-mirin-serm-bike-300x195.jpg\" alt=\"\" width=\"388\" height=\"252\" srcset=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Bikene-bila-mirin-serm-bike-300x195.jpg 300w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Bikene-bila-mirin-serm-bike-1024x665.jpg 1024w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Bikene-bila-mirin-serm-bike-768x499.jpg 768w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Bikene-bila-mirin-serm-bike-210x136.jpg 210w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Bikene-bila-mirin-serm-bike.jpg 1524w\" sizes=\"auto, (max-width: 388px) 100vw, 388px\" \/><\/p>\n<p align=\"justify\">In einer Zeit, in der wir viel mit Gewalt und Tod konfrontiert sind, denke ich an diese Freundin und warum sie mir diesen Satz in mein Notizbuch geschrieben hatte. Es ist eine Erinnerung daran, was es bedeutet, das Leben dem Kampf f\u00fcr die Freiheit zu widmen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Was bedeutet ein L\u00e4cheln gegen\u00fcber Tod und Zerst\u00f6rung? Das Lachen von dem hier die Rede ist, ein Lachen, das den Tod dazu bringt sich zu sch\u00e4men, ist kein aufgesetztes Lachen, das \u00fcber Unsicherheiten oder Schmerz hinwegt\u00e4uscht. Es ist ein Lachen, in dem die tiefe Verbundenheit mit dem Leben hervorkommt. Ein Lachen, das sich nicht dem\u00fctigen l\u00e4sst, sondern sich \u00fcber die Ungerechtigkeit hinwegsetzt und gegen die vernichtende Zerst\u00f6rungswut einen lebendigen Widerstand formuliert. Ein Widerstand, der das ethische Leben, das Zusammenleben der V\u00f6lker in W\u00fcrde und Freiheit, aus tiefstem Herzen verteidigt.<\/p>\n<p align=\"justify\">Ich denke auch an das <i><b>\u201eDie Scham muss die Seite wechseln\u201c<\/b><\/i><sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote10sym\" name=\"sdfootnote10anc\">10<\/a><\/sup> von Gis\u00e8le Pelicot, das in diesen Zeiten zum Slogan f\u00fcr eine breite Bewegung werden kann. Wenn wir uns dar\u00fcber bewusst sind, f\u00fcr welche Werte wir einstehen und was unrecht ist, und wenn wir dieses Bewusstsein zu einem gemeinsamen Ma\u00dfstab machen, den wir auch praktisch zu verteidigen wissen, dann haben wir die Kraft, die gesellschaftlichen Bedeutungsrahmen und Realit\u00e4ten zu verschieben.<\/p>\n<p align=\"justify\">Das Paradigma der kapitalistischen Moderne verk\u00fcndet wieder und wieder: Entweder ihr beugt euch den Gegebenheiten des Systems und spielt das Spiel an den Tischen mit, an denen es von den hegemonialen M\u00e4chten gespielt wird \u2013 oder ihr werdet verspeist. Die Bedeutung des Paradigmas der demokratischen Moderne f\u00fcr unsere Zeit liegt genau darin, dass es sich dieser Logik des Systems widersetzt. Auf der Grundlage einer fundierten historischen und soziologischen Analyse, einer guten Prise geopolitischem Realismus und einer radikalen Ethik der Freiheit l\u00e4sst es uns aus Hamsterr\u00e4dern heraustreten, es er\u00f6ffnet neue Horizonte der Imagination und Wege gesellschaftlicher und politischer Handlungsf\u00e4higkeit.<\/p>\n<h3><strong>III. <em>XWEB\u00dbN<\/em>\u00a0bedeutet Selbstwerden<\/strong><\/h3>\n<p align=\"justify\">Wir kommen nun also zu der Dimension, in der Existenz und Bewusstsein ihren Ausdruck finden: Xweb\u00fbn.. Xweb\u00fbn bedeutet Selbstsein und Selbstwerden. Wir sprechen manchmal auch von <i>t\u00ea\u015f\u00ea girtin<\/i>, was so viel hei\u00dft wie <i>Form annehmen<\/i>. In der politischen Philosophie der kurdischen Freiheitsbewegung, und insbesondere der Frauenbewegung, bedeutet Xweb\u00fbn, sich von allen aufgezwungenen Formen zu befreien, und Schritt f\u00fcr Schritt in einem Prozess der Bewusstwerdung und Befreiung <i>man selbst zu werden: s<\/i>ich der eigenen Existenz, der eigenen Identit\u00e4t, dem eigenen Willen bewusst zu werden und ihnen eine Form zu geben.<\/p>\n<p align=\"justify\">Unsere Existenz ist mit der Existenz, der Geschichte, dem Leben und der Freiheit der anderen verbunden. Deshalb bedeutet Selbstwerdung und Selbstbefreiung immer auch gemeinsame, gesellschaftliche Befreiung. Xweb\u00fbn \u2013 nicht nur als einzelne Frau, als einzelner Mensch, sondern auch kollektiv: als Kommune, als Bewegung, als Gesellschaft.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Erfahrungen in Rojava zeigen, welche Kraft in der kollektiven Selbstwerdung liegt. Y\u00fcksel Gen\u00e7 schrieb dazu: <i>\u201cWas sich in Rojava und dar\u00fcber hinaus entwickelt, ist eine tiefgreifende politische Verschiebung: Aus einer bedrohten Minderheit ist ein selbstbewusstes, grenz\u00fcberschreitendes politisches Subjekt mit wachsendem Einfluss, aber auch wachsender Verantwortung geworden. Die Einheit, die entstanden ist, ist nicht perfekt, aber sie ist real. Und sie ver\u00e4ndert die politische Landkarte.\u201c<\/i><sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote11sym\" name=\"sdfootnote11anc\">11<\/a><\/sup><\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"justify\">Existenz ist physisch, sie ist ideologisch, sie ist politisch &#8211; und sie verwirklicht sich in Organisation. Oder, wie Abdullah \u00d6calan es im neuen Manifest formuliert: <i><b>\u201cDu existierst in dem Ma\u00dfe, in dem du organisiert bist.\u201d <\/b><\/i>Und er f\u00e4hrt fort: <i>\u201eWir haben dies selbst gesehen, als wir versuchten, das kurdische Gef\u00fcge zu definieren; wir existieren in dem Ma\u00dfe, wie wir organisiert sind; wir werden in dem Ma\u00dfe vernichtet, wie unsere Organisation zerstreut wird. Es ist offensichtlich, dass Organisation die Existenz erst m\u00f6glich macht.\u201c<\/i><sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote12sym\" name=\"sdfootnote12anc\">12<\/a><\/sup><\/p>\n<p align=\"justify\">So wie Atome sich zu Molek\u00fclen verbinden und damit die Materialit\u00e4t des Lebens bilden, realisieren sich auch Gesellschaften durch die Form ihrer Organisierung. Organisierung bedeutet, der gemeinsamen Existenz eine Form zu geben. Besonders in diesen Zeiten ist die Frage der Organisierung existenziell. Gegen den aufgezwungenen Krieg und die patriarchale Gewalt, gegen permanente Ausnahmezust\u00e4nde, Isolation, Spaltung und Bedrohungen, mit denen wir in diesem Dritten Weltkrieg konfrontiert sind, m\u00fcssen wir uns organisieren. Doch welche Formen der Organisierung braucht es, um Freiheit und Selbstbestimmung wachsen zu lassen? Und worauf kann sie sich gr\u00fcnden?<\/p>\n<\/blockquote>\n<h4 align=\"justify\"><strong>Diesseits von Br\u00fcderlichkeit und Nationalstaat<\/strong><\/h4>\n<p align=\"justify\">Wer in diesen Tagen \u00f6ffentlich auf die \u201eBr\u00fcderlichkeit der V\u00f6lker\u201c spuckt und ihr die \u201eBr\u00fcderlichkeit der Kurden\u201c entgegenstellt, konstruiert einen Widerspruch, der so im Paradigma gar nicht existiert. Denn die \u201cBr\u00fcderlichkeit der V\u00f6lker\u201d und die Freiheit und selbstbestimmte Existenz Kurdistans bedingen sich dem Paradigma zufolge gegenseitig.<\/p>\n<p align=\"justify\">Nimmt man es genauer, k\u00f6nnte man sogar behaupten, dass der Begriff \u201eBr\u00fcderlichkeit\u201c eigentlich gar nicht so sehr im Sinne des Paradigmas ist. Im Kurdischen sprechen diejenigen, die dem Paradigma nahestehen, meist von \u201exwi\u015fk \u00fb biratiya gelan\u201c<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote13sym\" name=\"sdfootnote13anc\"><sup>13<\/sup><\/a> (\u201eSchwesterlichkeit und Br\u00fcderlichkeit der V\u00f6lker\u201c) und l\u00f6sen sich damit von einer rein m\u00e4nnlichen Perspektive. Die <strong>Geschwisterlichkeit der V\u00f6lker<\/strong> zu betonen, ist ein wichtiger Teil der demokratisch-sozialistischen und internationalistischen Tradition der Freiheitsbewegung und bezieht sich auf die Solidarit\u00e4t unter den (unterdr\u00fcckten) V\u00f6lkern.<\/p>\n<p align=\"justify\">Abgesehen davon ist das, was in der famili\u00e4ren Bezeichung \u201eBr\u00fcderlichkeit\u201c mitschwingt, eigentlich gar nicht das, worauf mit der Perspektive der demokratischen Nation und des demokratischen Konf\u00f6deralismus hingearbeitet wird. \u201eBr\u00fcderlichkeit\u201c verweist zwar auf ein traditionelles Ethos von Loyalit\u00e4t und Zusammenhalt. Der Zusammenhalt von Br\u00fcdern basiert jedoch auf Blutsbanden und kann deshalb auch M\u00e4nnerb\u00fcndelei und Vetternwirtschaft bedeuten. Sprich: Dahinter stehen erstmal keine ethisch-politischen Prinzipien oder Ma\u00dfst\u00e4be. Das Paradigma der demokratischen Moderne strebt nicht umsonst mehr an, als einen Nationalstaat der Br\u00fcder. Es geht vielmehr um die <b>demokratische Nation<\/b> und ein <b>demokratisches Zusammenleben der V\u00f6lker<\/b>, das auf einer ethischen und politischen Grundlage beruht. Abdullah \u00d6calan argumentiert, dass der Versuch, die vielschichtige Realit\u00e4t der Gesellschaften in einen staatsfixierten Nationalismus zu pressen, keine L\u00f6sungsperspektive darstellt. Vielmehr f\u00fchre dies zu einer Verstetigung und Vertiefung der Konflikte: <i>\u201cWenn die Nationalstaats-L\u00f6sung erzwungen wird, werden f\u00fcnf Staaten auf demselben Land permanent miteinander in Konflikt stehen.\u201d<\/i><\/p>\n<p align=\"justify\">Seit den 90er Jahren hat Abdullah \u00d6calan Kritik an der Organisationsform des Nationalstaates ge\u00fcbt und die Kritiken und Analysen wurden in der kurdischen Freiheitsbewegung breit diskutiert und weiterentwickelt. \u00d6calan analysiert sowohl die Lehren aus der Geschichte des Mitteren Ostens, als auch die Erfahrungen des sogenannten Realsozialismus und antikolonialer nationaler Befreiungsbewegungen. Der Traum vom Nationalstaat als Versicherung f\u00fcr die Freiheit und Unabh\u00e4ngigkeit der V\u00f6lker \u2013 ob b\u00fcrgerlich oder sozialistisch &#8211; ist ein Mythos. Besonders im Mittleren Osten war die Konstruktion von Nationalstaaten keine Errungenschaft der V\u00f6lker, sondern ein Instrument von imperialistischen Interventionen und Teile und Herrsche Politiken. Statt zu Freiheit und Selbstbestimmung zu f\u00fchren, f\u00fchrten die gezogenen Staatsgrenzen zu mehr Konflikten, Assimilierung, Korruption und einer Destabilisierung der Region. Auch postkoloniale Staaten des globalen S\u00fcdens, die eine formale Unabh\u00e4ngigkeit erreichen konnten, blieben oft in koloniale Abh\u00e4ngigkeiten verstrickt und die Entwicklung demokratischer Strukturen der Selbstverwaltung ist sehr schwierig. <i>\u201eMaduro hatte auch einen Nationalstaat\u2026\u201c<\/i> meinte eine Freundin neulich. Ja, w\u00e4re allein der Nationalstaat ein Garant gegen die Intervention von Au\u00dfen oder antidemokratische Tendenzen, dann w\u00e4re das mit Maduro so wohl nicht passiert.<\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"justify\">Im neuen Manifest ist es sehr deutlich formuliert: <i>\u201cUnter den Bedingungen der kapitalistischen Moderne wird die Ausrichtung jeder Nation auf den Nationalstaat festgelegt, und es wird so getan, als sei es ein universelles Gesetz, dass man sich zu einem Staat entwickeln m\u00fcsse, um eine Nation zu sein. Demgegen\u00fcber erfolgt der Aufbau einer demokratischen Nation nicht durch den Nationalstaat, sondern durch Selbstverwaltung. Wichtig ist hier, dass die Gesellschaft nicht von einer externen oder herrschenden Macht, sondern von sich selbst verwaltet wird. In einer demokratischen Nation ist nicht fremde Herrschaft, sondern Selbstverwaltung das Fundament.\u201d<\/i><sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote14sym\" name=\"sdfootnote14anc\">14<\/a><\/sup><\/p>\n<\/blockquote>\n<p align=\"justify\">\u00d6calan wird dennoch immer wieder sowohl von nationalistischer, als auch von orthodox-marxistischer Seite kritisiert und in der Tat gehen seine Perspektiven in vielerlei Hinsicht \u00fcber klassische theoretische Rahmen und Konzepte hinaus. Mit seiner Kritik am Staat und mit dem Fokus auf Frauenbefreiung, Kommunalismus, demokratischen Konf\u00f6deralismus und demokratische Integration hat er Kurdistan weder \u201caufgegeben\u201d noch \u201cverraten\u201d \u2013 wie es einige Stimmen der Antipropaganda notorisch behaupten. Im Gegenteil: er vertieft und aktualisiert Macht- und Gesellschaftsanalysen, \u00fcbt Kritik an dogmatischen Ann\u00e4herungen, formuliert die treffendsten zeitgen\u00f6ssischen Thesen und wirft eine durchaus unbequeme Frage auf: Wie sich Freiheitsbewegungen heute re-organisieren m\u00fcssen, um nicht in Nostalgie zu verharren, sondern wirksame Freiheitsk\u00e4mpfe gegen das System der kapitalischen Moderne f\u00fchren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<h4 align=\"justify\"><strong>Von Selbstwerden und Selbstverwaltung: Kommune und Kommunalismus<\/strong><\/h4>\n<p align=\"justify\">Selbstwerden ist also verbunden mit Selbstverwaltung. Und die Basis der Selbstverwaltung bildet die Kommune &#8211; als kleinste Einheit gesellschaftlicher Organisierung. Kommunen k\u00f6nnen dabei ganz vielf\u00e4ltige Formen annehmen. Abdullah \u00d6calan schreibt: <i>\u201cDie Grundlage der Gesellschaft ist die Kommune. Damit die gesellschaftliche Existenz leben kann, muss diese heute wiederbelebt werden. Im Wesentlichen beruht die demokratische Gesellschaft auf Selbstverwaltung und Selbstverteidigung. Kommunalit\u00e4t ist der Name des demokratischen gesellschaftlichen Systems. Dieses System bezieht Unterschiede ein und akzeptiert keine auf der Grundlage von Glauben oder Ethnizit\u00e4t entwickelten Ans\u00e4tze, die darauf abzielen zu spalten und Diskriminierung zu schaffen.\u201d<\/i><sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote15sym\" name=\"sdfootnote15anc\">15<\/a><\/sup> <i>\u201cKommunen sind ein Grundbed\u00fcrfnis der Gesellschaft, sie sind Selbstverwaltung. Die Kommune ist die Stammzelle der demokratischen Nation. Ist die Zelle nicht gesund, ist auch der K\u00f6rper nicht gesund. In dieser Hinsicht ist die Kommune lebenswichtig. Die wichtigste, moralisch, wissenschaftlich und \u00e4sthetisch bedeutendste Aufgabe einer Gesellschaft besteht darin, die Kraft der Selbstverwaltung zu erlangen.\u201d<\/i><sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote16sym\" name=\"sdfootnote16anc\">16<\/a><\/sup><\/p>\n<p align=\"justify\">Als konkrete Perspektive f\u00fcr Kurdistan schl\u00e4gt \u00d6calan ein Modell der konf\u00f6deralen Organisierung vor, welches von der kleinsten Kommune bis hin zur Union der Demokratischen Kommunen Kurdistans reicht und sich global zu einer Kommunalen Internationale formiert.<\/p>\n<p align=\"justify\">Der Aufbau der notwendigen Strukturen der demokratischen Selbstverwaltung und die damit einhergehenden Umw\u00e4lzungen von Macht bezeichnet er auch als \u201epositive Revolution\u201c: <i>\u201cDer Unterschied der positiven Revolution besteht darin, ohne sich mit Macht und Staat zu befassen, eine auf Kommunalismus basierende demokratische Gesellschaft und demokratische Nation aufzubauen. Das hei\u00dft, wir werden unsere eigene Welt aufbauen. Die \u00dcberwindung des Staates geschieht nicht durch Zerst\u00f6rung, sondern dadurch, dass man durch den Aufbau des Kommunalismus den Raum des Staates einengt.\u201c<\/i><sup><i><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote17sym\" name=\"sdfootnote17anc\">17<\/a><\/i><\/sup><\/p>\n<p align=\"justify\">Darin klingt vor allem auch ein Aufruf: Kommt aus dem Quark! Vereint euch! Organisiert euch! Baut eure Institutionen auf! Vertieft die Verbindungen! Denn je st\u00e4rker und bewusster die demokratische Selbstorganisation ist, desto mehr ist der Staat dazu gezwungen, sie anzuerkennen.<\/p>\n<h4 align=\"justify\"><strong>Demokratische Integration: Am Tisch sitzen oder auf der Speisekarte landen?<\/strong><\/h4>\n<p align=\"justify\">Nun geht es bei diesen Fragen nicht um ein philosophisches Gedankenspiel, sondern um ganz konkrete gesellschaftspolitische Fragen &#8211; in einem Krieg, bei dem es um Leben oder Tod geht. In diesen Tagen ist in dieser Hinsicht das Thema \u201eIntegration\u201c eins der am h\u00e4rtesten debattierten Themen. Dabei stellen sich sehr konkrete und praktische Fragen: Wie geht es weiter mit dem Friedensprozess in der T\u00fcrkei? Wie geht es weiter in Rojava? K\u00f6nnen die Errungenschaften der Revolution verteidigt werden und wie wird das alles konkret aussehen?<\/p>\n<p align=\"justify\">\u201c<i>In diesen Zeiten wird viel von \u2018Integration\u2019 gesprochen, aber nicht von demokratischer Integration,\u201d<\/i> meinte eine Freundin in einem Gespr\u00e4ch neulich. <i>\u201cIch denke wir m\u00fcssen diesen Begriff noch viel tiefer verstehen\u2026\u201d <\/i>Im klassischen Verst\u00e4ndnis kapitalistischer Nationalstaaten bedeutet \u201eIntegration\u201c meist Anpassung. Also von einer marginalen Position heraus in eine bestehende dominante Ordnung eingepasst zu werden. Das ist oft gleichbedeutend mit Assimilation, Unterordnung, Aufgabe der eigenen Identit\u00e4t und Kapitulation.<\/p>\n<p align=\"justify\">Das Konzept der demokratischen Integration wie Abdullah \u00d6calan es in den letzten Monaten gepr\u00e4gt hat hingegen, lehnt Assimilation und Unterordnung ab. Demokratische Integration basiert in diesem Sinne auf Anerkennung, Selbstorganisation, Kenntnis der Geschichte und gegenseitiger Transformation. Es bedeutet zun\u00e4chst die Anerkennung der lokalen Demokratien im Staat. Im neuen Manifest hei\u00dft es: <i>\u201cDemokratische Integration bedeutet, die L\u00f6sung des Nationalstaats nicht zu akzeptieren. Der Nationalstaat basiert auf Leugnung, Assimilation und Vernichtung. Es ist offensichtlich, dass ein Nationalstaat, der die Integration akzeptiert und sich zu Verhandlungen dar\u00fcber bereit erkl\u00e4rt hat, sich von diesen Merkmalen entfernen wird. Daher muss die Integration als grundlegende L\u00f6sung angesehen werden, um die durch den Nationalstaat in unserer Region verursachten Sch\u00e4den zu beheben und erneut eine Gemeinschaft der V\u00f6lker zu schaffen.\u201d<\/i><sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote18sym\" name=\"sdfootnote18anc\">18<\/a><\/sup><\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"justify\">Dabei stellen sich wichtige Fragen: <i>\u201eSind die Nationalstaaten der Region wirklich bereit f\u00fcr eine Integration? Oder was verstehen sie unter Integration? Sind sie wirklich gegen Assimilation? F\u00fcr die Beantwortung solcher Fragen sind Verhandlungsprozesse und Dialog unerl\u00e4sslich. Mit alten Vorurteilen und indem man das erlebte Leid in den Vordergrund der Diskussionen stellt, lassen sich keine L\u00f6sungen finden. So wie die demokratischen, sozialistischen Oppositionskr\u00e4fte die dogmatischen Sackgassen und Fehler des Sozialismus mutig diskutieren, m\u00fcssen auch die Ideologen und politischen Zentren der Nationalstaaten mit derselben Aufrichtigkeit den Verbrechen und Fehlern ins Auge sehen, die seit mehr als zweihundert Jahren im Namen des Staates begangen wurden.\u201c<\/i><sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote19sym\" name=\"sdfootnote19anc\">19<\/a><\/sup><\/p>\n<\/blockquote>\n<p align=\"justify\">Abdullah \u00d6calan betont auch, dass sich mit diktatorischen, monarchistischen oder faschistischen Regierungen keine demokratische Integration realisieren l\u00e4sst. Solange die Republik sich nicht demokratisiert, ist auch keine demokratische Integration m\u00f6glich. Denn diese Prozesse bedingen sich gegenseitig. Zudem betont er, dass ein solcher Prozess nur auf der Grundlage von <strong>demokratischer Politik<\/strong>, <strong>demokratischen Verhandlungen<\/strong> und einer <strong>rechtlichen Grundlage<\/strong> vorangebracht werden kann. Entscheidend ist also auch der rechtliche Status, die Verankerung der demokratischen Rechte und ihre volle Anerkennung. Demokratische Integration bedeutet, sich nicht gegenseitig auszul\u00f6schen, sondern sich mit historischem Bewusstsein Gemeinsamkeiten und Unterschieden bewusst zu sein und in einem dialektischen Prozess der Widerspr\u00fcche tiefgreifende demokratische Ver\u00e4nderungen zu schaffen.<\/p>\n<p align=\"justify\">In diesen Tagen werden besonders die Widerspr\u00fcche, Unzul\u00e4nglichkeiten und Fallstricke eines solchen Prozesses debattiert und um die M\u00f6glichkeit des Erfolgs gebangt. Abdullah \u00d6calan hatte in seinen Perspektiven zum 12. Parteikongress eine interessante Anmerkung gemacht. Er zitiert \u015e\u00eax Seid, Anf\u00fchrer einer der gro\u00dfen kurdischen Aufst\u00e4nde, der zum Tode verurteilt wurde:<\/p>\n<p align=\"justify\">\u201e<i><b>Herr Staatsanwalt, Sie hatten versprochen, dass wir zusammen Lamm speisen w\u00fcrden. Was ist daraus geworden?\u201c<\/b><\/i><sup><b><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote20sym\" name=\"sdfootnote20anc\">20<\/a><\/b><\/sup><\/p>\n<p align=\"justify\">Kein Lamm, kein w\u00fcrdevolles Mahl am gemeinsamen Tisch, keine Verhandlungen \u2013 stattdessen wurde \u015e\u00eax Seid 1925 in Amed hingerichtet. Dieses Beispiel mahnt, sich nicht leichtfertigen Erwartungen hinzugeben und sich nicht darauf zu verlassen, dass sich an bestimmte Normen gehalten wird. Es scheint uns zuzurufen: Lernt aus der Geschichte, bleibt wachsam und wiederholt die Fehler der Vergangenheit nicht.<\/p>\n<p align=\"justify\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2416 alignleft\" src=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Reberti-li-ser-sofre-300x213.jpeg\" alt=\"\" width=\"419\" height=\"297\" srcset=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Reberti-li-ser-sofre-300x213.jpeg 300w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Reberti-li-ser-sofre.jpeg 736w\" sizes=\"auto, (max-width: 419px) 100vw, 419px\" \/>Am Tisch sitzen oder auf der Speisekarte landen? Folgt man den Narrativen der Politiker beim Weltwirtschaftsforum, so scheint uns der Dritte Weltkrieg vor diese Wahl zu stellen. Abdullah \u00d6calan und die Kurdische Freiheitsbewegung haben in all diesem Chaos einen alternativen Weg er\u00f6ffnet. Der Weg der demokratischen Nation bedeutet, weder das Spiel der hegemonialen Kr\u00e4fte mitzuspielen und sich von ihren zweifelhaften Men\u00fcempfehlungen locken zu lassen &#8211; noch aufzugeben und sich verspeisen zu lassen. Wo in der Geschichte fr\u00fcherer kurdischer Aufst\u00e4nde Kollaboration mit der Herrschaft oder Hinrichtung durch die Herrschaft dominierten, hat Abdullah \u00d6calan es geschafft, einen Tisch zu er\u00f6ffnen &#8211; einen Tisch der Verhandlung, um die W\u00fcrde und Freiheit der Existenz.<\/p>\n<p align=\"justify\">Demokratische Integration ist vielleicht ein bisschen wie ein Seiltanz, wie eine Kunst des am Tisch Sitzens ohne am Tisch zu sitzen.<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote21sym\" name=\"sdfootnote21anc\"><sup>21<\/sup><\/a> Alles f\u00fcr die Anerkennung der gesellschaftlichen Existenz und f\u00fcr das wirklich demokratische Zusammenleben der V\u00f6lker zu tun, ohne sich auf die Spiele der hegemonialen M\u00e4chte einzulassen. Und immer zu wissen:<\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"justify\"><b>Der eigentliche Tisch <\/b><b>auf den es ankommt,<\/b><b> ist <\/b><b>nicht der Tisch der Herrschenden, sondern <\/b><b>der einfache <\/b><i><b>Sofre<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote22sym\" name=\"sdfootnote22anc\"><sup>22<\/sup><\/a><\/b><\/i><b> des kommunalen Lebens. <\/b><b>Das Zusammenkommen um kommunale Arbeit, <\/b><b>Kreativit\u00e4t,<\/b><b> Werte und Bedeutung.<\/b><\/p>\n<\/blockquote>\n<p align=\"justify\">Ja, demokratische Integration kann nur realisiert werden, wenn die demokratische Basis der Gesellschaft stark ist. Sprich: Wenn wir unser Leben in allen Bereichen kommunal organisieren.<\/p>\n<p align=\"justify\">Nicht zuletzt bedeutet das auch, das Recht auf Selbstverteidigung nicht aus der Hand zu geben: <i>\u201cDer Verzicht auf den bewaffneten Kampf und die darauf basierenden Strategien und Taktiken bedeutet nicht, auf das Recht auf Selbstverteidigung zu verzichten. Auf das Recht auf Selbstverteidigung zu verzichten, ohne dass die kurdische Existenz als demokratische Gesellschaft gesichert ist, w\u00fcrde bedeuten, sich selbst das Grab zu schaufeln.\u201d<\/i><sup><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote23sym\" name=\"sdfootnote23anc\">23<\/a> <\/sup><\/p>\n<p align=\"justify\">Ebenso wie das zugrunde liegende Bewusstsein, m\u00fcssen die praktischen Schritte der Organisierung demokratischer Gesellschaftlichkeit dabei immer weiter entwickelt werden. <i>\u201eFragen wie: Wo und wie man beginnt, welche Haltung in den Verhandlungen eingenommen wird, welche Sprache, welcher Stil und welche Methode beim Aufbau von Institutionen und bei der Umsetzung der Theorie in die Praxis angewendet werden, sind mindestens ebenso wichtig wie die Schaffung des theoretischen Rahmens.\u201c<\/i><a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote24sym\" name=\"sdfootnote24anc\"><sup>24<\/sup><\/a><\/p>\n<h4 align=\"justify\"><strong>Xweb\u00fbn: Wie leben?<\/strong><\/h4>\n<p align=\"justify\">Die Journalistin und Guerilla-K\u00e4mpferin Gurbetelli Ers\u00f6z notierte in ihrem Tagebuch: \u201cPraktische Kreativit\u00e4t. Praktische Politik. Das ist der Dreh und Angelpunkt. Theorie ist nur in dem Ausma\u00df erfolgreich, wie sie in die Praxis umgesetzt wird.\u201d<\/p>\n<p align=\"justify\">Im Paradigma der demokratischen Moderne verbinden sich revolution\u00e4re Perspektiven, eine radikale Ethik der W\u00fcrde und Freiheit, mit politischem Realismus und einem utopischen Moment \u2013 und vor allem noch einem sehr langen Weg vor uns. Wir befinden uns in einer neuen Phase, in der sich zeigen wird, wie viel in den letzten Jahren aufgebaut werden konnte und wie wir all das gemeinsam weiterentwickeln und verteidigen werden. Und wie Abdullah \u00d6calan sinngem\u00e4\u00df in Jenseits von Staat, Macht und Gewalt schreibt: <i><b>\u201cDer Kampf f\u00fcr Frieden und Demokratie ist schwerer als jede milit\u00e4rische Schlacht.\u201d<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"#sdfootnote25sym\" name=\"sdfootnote25anc\"><sup>25<\/sup><\/a><\/b><\/i><\/p>\n<p align=\"justify\">Was also tun in diesen Zeiten?<\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"justify\">Im Kurdischen gibt es einen sch\u00f6nen Ausdruck: <b>\u201cbuyina bersiv\u201d<\/b>, das hei\u00dft wortw\u00f6rtlich \u201cAntwort werden\u201d. Damit geht es nicht nur darum, eine Antwort<b> <\/b>auf eine Situation zu <i>geben<\/i>, wie einen Reflex auf einen Reiz \u2013 sondern darum, <b>selbst zur Antwort zu werden<\/b>. Und das bedeutet letztlich auch <b>Xweb\u00fbn<\/b>. Es geht darum, dass wir in diesen historischen Zeiten gemeinsam zur Antwort werden. Als Frauen, als Gesellschaften, als Bewegung \u2013 lokal, regional und global. Es liegt an uns, unsere Suche nach dem freien, w\u00fcrdevollen Leben in tiefer Verbundenheit \u00fcber alle Grenzen hinweg zu organisieren und zu verteidigen. Daf\u00fcr braucht es historisches Bewusstsein, Weitsicht, eine klare ethische und ideologische Haltung, praktische Organisierung und viel Kreativit\u00e4t. <b>Und daf\u00fcr werden wir <\/b><b>Heb\u00fbn <\/b><b>(Existenz)<\/b><b>, Zaneb\u00fbn <\/b><b>(Wissen) <\/b><b>und Xweb\u00fbn<\/b><b> (Selbstwerdung) genauso kunstvoll und unbeirrbar miteinander verflechten, wie unsere Z\u00f6pfe.<\/b><\/p>\n<\/blockquote>\n<p align=\"justify\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2414 aligncenter\" src=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Nagihan-Zitat-300x213.jpg\" alt=\"\" width=\"873\" height=\"620\" srcset=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Nagihan-Zitat-300x213.jpg 300w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Nagihan-Zitat-1024x726.jpg 1024w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Nagihan-Zitat-768x545.jpg 768w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Nagihan-Zitat-1536x1090.jpg 1536w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Nagihan-Zitat.jpg 1748w\" sizes=\"auto, (max-width: 873px) 100vw, 873px\" \/><\/p>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a> Kurdisch: \u201cEz dixwazim bi mijara \u2018Di Kurdan de serwextb\u00fbna heb\u00fbn\u00ea \u00fb hay j\u00ea heb\u00fbn\u2019 dest p\u00ea bikim. Ew n\u00eaz\u00eekatiy\u00ean binav\u00fbdeng y\u00ean wek\u00ee; \u2018Kurd hene yan n\u00een in? Heke hebin \u00e7iqas\u00ee b\u00fbne heb\u00fbn? Ya her\u00ee gir\u00eeng j\u00ee, ev heb\u00fbn \u00fb azad\u00ee \u00e7iqas di nav hevdu de ne \u00fb \u00e7iqas\u00ee hevdu p\u00eakan dikin?\u2019\u201d<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a> Siehe: https:\/\/jineoloji.eu\/de\/2026\/01\/31\/das-leben-verteidigen-stimmen-aus-belagerung-und-widerstand-die-frauenkommune-in-aleppo\/<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote3\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote3anc\" name=\"sdfootnote3sym\">3<\/a> https:\/\/www.weforum.org\/stories\/2026\/01\/davos-2026-special-address-by-emmanuel-macron-president-of-france\/<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote4\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote4anc\" name=\"sdfootnote4sym\">4<\/a> https:\/\/www.weforum.org\/stories\/2026\/01\/davos-2026-special-address-by-mark-carney-prime-minister-of-canada\/<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote5\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote5anc\" name=\"sdfootnote5sym\">5<\/a> ebd.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote6\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote6anc\" name=\"sdfootnote6sym\">6<\/a> https:\/\/www.lepoint.fr\/politique\/pour-etre-libre-il-faut-etre-craint-le-discours-integral-demmanuel-macron-a-lile-longue-sur-la-DFQAQP2445GH5FKY54WGM3HMTY\/<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote7\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote7anc\" name=\"sdfootnote7sym\">7<\/a> ebd.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote8\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote8anc\" name=\"sdfootnote8sym\">8<\/a> Vorl\u00e4ufige eigene \u00dcbersetzung, aus: Demokratik Kom\u00fcnal Toplum Manifestosu. We\u015fan\u00ean Meyman: 2026<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote9\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote9anc\" name=\"sdfootnote9sym\">9<\/a> ebd.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote10\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote10anc\" name=\"sdfootnote10sym\">10<\/a> Der Ausspruch \u201eLa honte doit changer de camp\u201c (Die Scham muss die Seite wechseln) wurde vor Gis\u00e8le Pelicot sogar schon Ende der 70er Jahre von Gis\u00e8le Halimi gepr\u00e4gt. Sie war eine in Tunesien geborene Rechtsanw\u00e4ltin, Feministin und antikoloniale Aktivistin, die insbesondere wegen ihrer Verteidigung in politischen Prozessen w\u00e4hrend des Algerienkriegs bekannt wurde. Gis\u00e8le Halimi setzte sich f\u00fcr Frauenrechte ein, besonders auch im Kontext sexualisierter Gewalt (u.a. im Fall Djamila Boupacha). Sie machte auf die Verflechtung von sexistischer und kolonialer Gewalt aufmerksam.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote11\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote11anc\" name=\"sdfootnote11sym\">11<\/a> https:\/\/deutsch.anf-news.com\/kurdistan\/rojava-als-katalysator-neue-rolle-der-kurdischen-bevolkerung-50279<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote12\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote12anc\" name=\"sdfootnote12sym\">12<\/a> Vorl\u00e4ufige eigene \u00dcbersetzung, aus: Demokratik Kom\u00fcnal Toplum Manifestosu. We\u015fan\u00ean Meyman: 2026<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote13\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote13anc\" name=\"sdfootnote13sym\">13<\/a> Im T\u00fcrkischen hei\u00dft es \u201ekarde\u015flik\u201c, das bedeutet \u201eGeschwisterlichkeit\u201c und ist eine geschlechterneutrale Bezeichnung.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote14\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote14anc\" name=\"sdfootnote14sym\">14<\/a> Vorl\u00e4ufige eigene \u00dcbersetzung, aus: Demokratik Kom\u00fcnal Toplum Manifestosu. We\u015fan\u00ean Meyman: 2026<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote15\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote15anc\" name=\"sdfootnote15sym\">15<\/a> ebd.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote16\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote16anc\" name=\"sdfootnote16sym\">16<\/a> ebd.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote17\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote17anc\" name=\"sdfootnote17sym\">17<\/a> ebd.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote18\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote18anc\" name=\"sdfootnote18sym\">18<\/a> ebd.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote19\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote19anc\" name=\"sdfootnote19sym\">19<\/a> ebd.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote20\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote20anc\" name=\"sdfootnote20sym\">20<\/a> Das erweiterte Zitat auf Kurdisch: \u201cGotin\u00ean \u015e\u00eax Se\u00eed y\u00ean daw\u00ee \u00e7i b\u00fbn? Pirseke wiha dipirse: &#171;Dozger beg, ka te gotib\u00fb em \u00ea bi hev re berx bixwin&#187; Ev xefleteke ol\u00ee ye, ji ber ku \u015f\u00eaxek\u00ee oldar y\u00ea Neq\u015f\u00ee ye. Di esas\u00ea xwe de \u00eefadeya xapandineke traj\u00eek a bikovan e. N\u00ee\u015fan dide ku, di ew b\u00eerdoziya xwe radest kir\u00ee de \u00e7iqas\u00ee hatiye xapandin. V\u00ea radixe ber \u00e7avan.\u201d<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote21\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote21anc\" name=\"sdfootnote21sym\">21<\/a> Quantum!! \ud83d\ude09<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote22\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote22anc\" name=\"sdfootnote22sym\">22<\/a> Sofre bezeichnet traditionell das Tuch, das zum gemeinschaftlichen Essen auf den Boden gelegt wird.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote23\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote23anc\" name=\"sdfootnote23sym\">23<\/a> Vorl\u00e4ufige eigene \u00dcbersetzung, aus: Demokratik Kom\u00fcnal Toplum Manifestosu. We\u015fan\u00ean Meyman: 2026<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote24\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote24anc\" name=\"sdfootnote24sym\">24<\/a> ebd.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote25\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"#sdfootnote25anc\" name=\"sdfootnote25sym\">25<\/a> Vgl. \u00d6calan, Abdullah (2010): Jenseits von Staat, Macht und Gewalt. Verteidigungsschriften. K\u00f6ln: Mezopotamien-Verlag<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwischen Krieg und Alltag, Ideologie und Intimit\u00e4t entfaltet sich ein vielschichtiges Bild unserer Gegenwart.. einer Welt, in der Existenz nicht selbstverst\u00e4ndlich ist, sondern immer wieder verteidigt werden muss. Der Krieg dieser Zeit ist auch ein Krieg um die Frage: Wie leben? Entlang der Begriffe Heb\u00fbn (Sein\/Existenz), Zaneb\u00fbn (Wissen) und Xweb\u00fbn (Selbstwerden) begibt sich dieses Essay auf eine Reise durch die sichtbaren und unsichtbaren Frontlinien eines Dritten Weltkriegs, der schon lange nicht mehr nur milit\u00e4risch, politisch und \u00f6konomisch gef\u00fchrt wird. Zwischen Hamsterr\u00e4dern, geopolitischen Men\u00fcempfehlungen und dem \u201eTod der Br\u00fcderlichkeit der V\u00f6lker\u201c geht es um die unbeirrbare Suche nach einem freien kommunalen Leben und um das WIE unserer Existenz. 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