{"id":2185,"date":"2026-01-29T19:38:40","date_gmt":"2026-01-29T16:38:40","guid":{"rendered":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/?p=2185"},"modified":"2026-01-29T21:19:21","modified_gmt":"2026-01-29T18:19:21","slug":"das-leben-verteidigen-widerstand-bedeutet-frieden-und-afrin-bedeutet-heimat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/2026\/01\/29\/das-leben-verteidigen-widerstand-bedeutet-frieden-und-afrin-bedeutet-heimat\/","title":{"rendered":"Das Leben verteidigen:  Widerstand bedeutet Frieden und Afrin bedeutet Heimat"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\">\u00dcberall auf der Welt, von Pal\u00e4stina bis Kurdistan, in Venezuela, Sudan und Somalia, wird Krieg gef\u00fchrt, und Menschen werden gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Und \u00fcberall auf der Welt verbindet die Kriegsf\u00fchrenden ein zentrales Thema: Heimat. <\/span><span style=\"font-size: medium;\">Ob in Syrien oder in Europa wird diskutiert, wem es erlaubt ist beheimatet zu sein. <\/span><span style=\"font-size: medium;\">In den letzten Wochen des Angriffskrieges in Nord-\/Ostsyrien haben Tausende von Menschen ihr zu Hause, ihre Gemeinschaften, ihr Land verloren. Die meisten von ihnen haben dies schon einmal erlebt und werden nun zum dritten oder vierten Mal in ihrem Leben vertrieben. <\/span><span style=\"font-size: medium;\">Dieser Artikel handelt nicht vom Krieg, sondern versucht, einige Aspekte des Friedens zu erfassen. <strong>Was bedeutet wahrer Frieden in diesen kriegerischen Zeiten, und was hat dieser mit Heimat zu tun?<\/strong><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><em>Diese Geschichte beginnt in Afrin.<\/em> <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">Afrin ist ein schmerzendes Wort f\u00fcr diejenigen die dort zu Hause sind, denn sie waren schon lange nicht mehr dort. Seit der Besatzung durch die t\u00fcrkische Armee, 2018, lebten viele in einem Camp, das nicht weit von Afrin entfernt, in Shehba aufgebaut worden war. Auch von dort wurden sie im letzten Winter durch den Krieg der dschihadistischen S\u00f6ldner, die jetzt in die Syrische Armee eingegliedert wurden, vertrieben. Heute sind viele von ihnen in einem neuen Camp, in Tabqa. Wir besuchten sie dort, wurden in ihre Zelte eingeladen, h\u00f6rten von den Schwierigkeiten, der K\u00e4lte im Winter, der Hitze im Sommer, aber auch ihrer Entschlossenheit zusammen zu bleiben und eines Tages nach Afrin zur\u00fcck zu kehren. <span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">In diesem Winter, als Tabqa von der syrischen \u00dcbergangsregierung und ihren, <\/span><\/span><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">von der T\u00fcrkei unterst\u00fctzten, <\/span><\/span><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">dschihadistischen S\u00f6ldner<\/span><\/span><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">gruppen<\/span><\/span><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\"> angegriffen und eingenommen wurde, wurden diese Menschen erneut gewaltsam vertrieben. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\">Die Region Afrin im weitesten Nord-Westen von Syrien wurde 2012 im Zuge der Rojava Revolution vom Baath-Regime befreit. So wie im ganzen befreiten Gebiet, wurden von den Menschen selbstbestimmt Institutionen der Selbstverwaltung aufgebaut. Seitdem hat sich die Gesellschaft in Kommunen und R\u00e4ten organisiert, in Kooperativen eine gemeinschaftliche Wirtschaft etabliert und durch Bildungen ein kommunales Bewusstsein entwickelt.<br \/>\n<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u201e<span style=\"font-size: medium;\"><i>Das hei\u00dft, wenn eine Entscheidung gef\u00e4llt wurde, war <\/i><i>die Kommune<\/i><i> involviert, und wenn Probleme gel\u00f6st w<\/i><i>u<\/i><i>rden auch. Die Kommune schafft die Organisation der Gesellschaft, wir geben ihr die gr\u00f6\u00dfte Bedeutung, von allen Institutionen und R\u00e4ten. Alle Menschen finden einen Platz in der Kommune.\u201c,<\/i> erz\u00e4hlten die Frauen, die in den Institutionen des selbstverwalteten Fl\u00fcchtlingslagers in Tabqa aktiv waren. <\/span><span style=\"font-size: medium;\">Dieses demokratische System, in dem jedes Individuum Teil der Entscheidungsprozesse ist, sodass diese im Sinne des Gemeinwohls getroffen werden, ist die Perspektive eines freien, gesellschaftlichen Lebens der Menschen in Nord-und Ost-Syrien. Die Basis bilden demokratische und \u00f6kologische Werte, wobei die Notwendigkeit von Frauenbefreiung und die Gleichwertigkeit der Geschlechter im Mittelpunkt stehen. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\">Von dem Leben in Afrin erz\u00e4hlten die Frauen weiter: <i>\u201eZu Beginn der Rojava-Revolution 2012\/2013 lebte Afrin in einer selbstversorgenden Kreislaufwirtschaft. Die Menschen ern\u00e4hrten sich von dem Land, das sie umgab. [\u2026] In jedem Haus standen B\u00e4ume im Hof und G\u00e4rten wurden angelegt. [\u2026] Beim Anbau von <\/i><i>Pflanzen<\/i><i> f\u00fcr den Verkauf werden chemische D\u00fcnge<\/i><i>r<\/i><i> <\/i><i>genutzt<\/i><i>, um den Gewinn zu steigern, <\/i><i>doch in Afrin gab es so etwas nicht. W<\/i><i>enn die Frauen <\/i><i>zu Hause<\/i><i> anbauten, deckten sie die Bed\u00fcrfnisse ihres Haushalts und vielleicht auch die ihrer Nachbar*innen und Freund*innen. Afrin war isoliert <\/i><i>(<\/i><i>belagert<\/i><i>)<\/i><i>, <\/i><i>und <\/i><i>wir<\/i><i> h\u00e4tte<\/i><i>n<\/i><i> weitere zehn Jahre so \u00fcberleben <\/i><i>k\u00f6nnen<\/i><i>. Warum? Weil jedes Haus einen eigenen Garten hat<\/i><i>te<\/i><i>, <\/i><i>der<\/i><i> <\/i><i>die Menschen<\/i><i> selbst versorgen konnte. Ma\u00dfgeblich daf\u00fcr waren die Frauen, die das Land bestellten und bew\u00e4sserten. Sie pflanzten hier Blumen und dort Tomaten. Hier eine zarte Rose und daneben Bohnen. Die Menschen in Afrin bau<\/i><i>t<\/i><i>en alles selbst an. Au\u00dferdem hat<\/i><i>te<\/i><i> jedes Haus Schafe, <\/i><i>f<\/i><i>\u00fcr Joghurt, Milch und K\u00e4se. Und auch <\/i><i>um diese<\/i><i> k\u00fcmmerten sich meist die M\u00fctter. Es gab auch H\u00fchner, sodass die Menschen keine Eier auf dem Markt kaufen mussten.\u201c<\/i><\/span><\/p>\n<p>Die Frauen sprachen voller Stolz von der nat\u00fcrlichen Kreislaufwirtschaft und der Bedeutung der Selbstversorgung in Zeiten von Krieg und Belagerung. Die Rolle der Frauen und M\u00fctter darin, als Tr\u00e4gerinnen dieses gemeinschaftlichen Lebens steht f\u00fcr sie im Vordergrund. <span style=\"font-size: medium;\">Sie sprechen davon, wie gr\u00fcn ihre Heimat Afrin ist, im Gegensatz zu der d\u00fcrren Landschaft, in der sie nun von neuem versuchen ein Leben aufzubauen.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2189 aligncenter\" src=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Afrin-2-300x200.jpeg\" alt=\"\" width=\"653\" height=\"436\" srcset=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Afrin-2-300x200.jpeg 300w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Afrin-2.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 653px) 100vw, 653px\" \/><i>\u201eMan sollte meinen, man k\u00f6nnte <\/i><i>[<\/i><i>hier<\/i><i>]<\/i><i> nichts anpflanzen, aber wir haben alles angepflanzt.\u201c<\/i><\/span><\/p>\n<p>Sie meinen nicht irgendein gr\u00fcn, nicht saftiges Gras-Gr\u00fcn, oder dunkles Tannen-Gr\u00fcn, sondern das Grau-Gr\u00fcn von Olivenb\u00e4umen: Afrin ist ber\u00fchmt f\u00fcr seine Olivenb\u00e4ume und die \u00d6lproduktion. <span style=\"font-size: medium;\">Die T\u00fcrkische Armee, die im Januar 2018 das kommunale Leben in Afrin gewaltvoll unterbrach, nannte ihre Milit\u00e4roffensive \u201eOperation Oliven Zweig\u201c. Mit der neu kreierten S\u00f6ldnergruppe \u201eSyrian National Army\u201c (SNA), die die t\u00fcrkischen Interessen auf der anderen Seite der Grenze, in Syrien, umsetzen soll, begannen sie am 20. Januar ein Angriffskrieg gegen Afrin. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u201e<span style=\"font-size: medium;\"><i>Im Afrin Krieg waren auf einmal Kriegsflugzeuge \u00fcber uns <\/i><i>a<\/i><i>m Himmel. Das hatten wir in unserem Leben noch nicht gesehen. Wir hatten ja keine Erfahrungen mit Krieg.<\/i><i>\u201c, <\/i>erz\u00e4hlten die Frauen von diesem Tag. <\/span>Die t\u00fcrkischen Interessen waren, einen Begriff von Heimat zu verteidigen, der nur einer ethnischen Gruppe, eine Sprache, einer Kultur und einer Religion erlaubt zu Hause zu sein. Um dieses Verst\u00e4ndnis zu etablieren, wurde der t\u00fcrkische Staat auf der Grundlage der Negierung der kurdischen Gesellschaft, Sprache, Ethnie und Kultur aufgebaut. Das bunte gemeinschaftliche Leben, welches sich durch die Rojava Revolution auf der anderen Seite der t\u00fcrkischen Staatsgrenze entwickelte bedrohte diesen Begriff zu widerlegen, vor allem weil diese vor allem kurdischer Initiative war. <span style=\"font-size: medium;\">Die Frauen aus Afrin erz\u00e4hlen, wie durch den geteilten Widerstand der Frauen, ethnische Spaltungen \u00fcberwunden wurden und diese darin eine Leitungsrolle f\u00fcr die gesamte Gesellschaft einnahmen. <\/span><\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"justify\">\u201e<i>Die Wahrheit ist, dass Frauen das Leben \u00fcber tausende Jahre angef\u00fchrt haben. Aber wir, in der Mitte all dessen, hatten viele Schwierigkeiten. Ob wir es m\u00f6gen oder nicht, in Kultur, Religion, \u00fcberall gibt es Sitten und Traditionen. Die M\u00fchen und Arbeiten der Frauenbewegung wurde ein Vorbild und eine Kraft f\u00fcr uns. Innerhalb der Gesellschaft, als Frauen, Autonomie <\/i><i>unter Frauen <\/i><i>aufzubauen, sich <\/i><i>dadurch <\/i><i>selbst kennenzulernen und zu befreien\u2026 und damit Vorreiterinnen zu werden f\u00fcr alle Frauen weltweit\u2026 <\/i><span lang=\"de-DE\"><i>In Afrin, <\/i><\/span><span lang=\"de-DE\"><i>lebten<\/i><\/span><i> <\/i><span lang=\"de-DE\"><i>vor allem <\/i><\/span><span lang=\"de-DE\"><i>kurdische und arabische Frauen, ein paar wenige turkmenische Familien <\/i><\/span><span lang=\"de-DE\"><i>g<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\"><i>ab es auch. Wenn wir miteinander \u00fcber den Aufbau von Frauenkommunen sprachen, hat es sich angef\u00fchlt, wie als w\u00fcrde sich die ganze Gesellschaft <\/i><\/span><span lang=\"de-DE\"><i>auf eine Korrekturlinie zu beweg<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\"><i>en<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\"><i>. Die Gesellschaft konnte einen tiefen Atemzug nehmen\u2026 konnte leichter atmen. Wir machten Bildungen zu der Verteidigung <\/i><\/span><span lang=\"de-DE\"><i>von<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\"><i> Frauenrechte<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\"><i>n<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\"><i>. Freiheit ist nichts einfaches\u2026 <\/i><\/span><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\"><i>Frauenbefreiung bedeutet, Frauen m\u00fcssen sich selbst kennen <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\"><i>lernen<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\"><i>. Wir brauchten Frauenkommunen, <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\"><i>denn <\/i><\/span><\/span><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\"><i>darin konnten Frauen ihren Schmerz und ihr Leiden durch unterdr\u00fcckerische Traditionen,V\u00e4ter, Br<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\"><i>\u00fc<\/i><\/span><\/span><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\"><i>der oder Ehem\u00e4nner miteinander teilen.\u201c<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Zwei Monate nach Beginn des Angriffskrieges, am 18. M\u00e4rz 2018, begann die von der T\u00fcrkei unterst\u00fctzte SNA mit der Besetzung von Afrin. Sie pl\u00fcnderten D\u00f6rfer, vergewaltigten, mordeten, entf\u00fchrten, folterten und ver\u00fcbten zahlreiche Massaker an Zivilisten. Das Sprechen der kurdischen Sprache wurde verboten und verfolgt, und die <span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">geschichtstragenden<\/span><\/span><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\"> Olivenhaine wurden niedergebrannt. Tausende Menschen wurden gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Da Afrin f\u00fcr viele, die vor fr\u00fcheren Kriegen wie den Angriffen des IS in Shengal <\/span><\/span><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">geflohen waren<\/span><\/span><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">, zu einem Zufluchtsort geworden war, war diese Vertreibung f\u00fcr viele <\/span><\/span><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">bereits<\/span><\/span><span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\"> die zweite in ihrem Leben. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">Die Menschen aus Afrin gaben das Ziel nicht auf, zur\u00fcckzukehren und entfernten sich daher nur so weit wie n\u00f6tig. Viele gingen nach Aleppo oder nach Shehba. <span style=\"font-size: medium;\"><span lang=\"de-DE\">Auch Shehba war von der t\u00fcrkischen Besatzung eingeschlossen. Unter dem totalit\u00e4ren syrischen Assad-Regime waren sie einem Wirtschaftsembargo und st\u00e4ndigen Angriffen ausgesetzt. <\/span><\/span><span style=\"font-size: medium;\">Die tausenden Binnenvertriebenen aus Afrin gaben nicht auf und entwickelten in den Gefl\u00fcchtetencamps eine Perspektive eines freien, gemeinschaftlichen Lebens.<\/span><\/p>\n<blockquote><p><i>\u201eNach unserer Ankunft <\/i><i>[in Shehba]<\/i><i> <\/i><i>haben<\/i><i> wir zun\u00e4chst drei Monate lang die Familien in den Zelten <\/i><i>besucht<\/i><i>. Wir <\/i><i>sind<\/i><i> von Haus zu Haus <\/i><i>gegangen <\/i><i>und <\/i><i>haben <\/i><i>miteinander <\/i><i>dar\u00fcber <\/i><i>gesprochen<\/i><i>, wie Frauen ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten, Probleme fr\u00fchzeitig erkennen und ihre Kinder und die Umgebung sauber halten k\u00f6nnen. Denn wenn Frauen gut vorbereitet und gest\u00e4rkt sind, k\u00f6nnen sie die ganze Familie versorgen. Anschlie\u00dfend <\/i><i>haben<\/i><i> <\/i><i>wir uns<\/i><i> im Gemeinderat <\/i><i>getroffen<\/i><i>. <\/i><i>Wir<\/i><i> besprachen unsere Situation, die Kriegslage, wie es zu unserer Vertreibung <\/i><i>gekommen war<\/i><i> und wie wir uns k\u00fcnftig organisieren <\/i><i>wollten<\/i><i>.\u201c <\/i><\/p><\/blockquote>\n<p align=\"justify\">In den Gefl\u00fcchtetencamps wurde auch die Selbstverteidigung selbst organisiert. <i>\u201eWer auch immer ins Camp k<\/i><i>am<\/i><i>, in die Kommune, wenn ein Fremder k<\/i><i>am<\/i><i>, jemand aus dem Selbstverteidigungskomitee wird direkt nachsehen, wer es ist.&#187; <\/i>Mittlerweile sind \u00be der Mitglieder des Selbstverteidigungskomitees Frauen. Im generellen sind die, die am meisten arbeiten, die Frauen. Trotz all der Schwierigkeiten, in den Zelten, vor allem Familien mit Kindern haben es schwer, aber trotz alledem leisten die Frauen Widerstand, organisieren sich, verteidigen sich und ihre Familien.\u201c<\/p>\n<p align=\"justify\">Selbstverteidigung hat viele Rollen. Manche halten Wache, gehen auf Patrouille und lernen den Umgang mit Waffen. Und andere \u201e<i>sagten, sie werden zu Hause gebraucht, aber sie w\u00fcrden die anderen informieren, wenn sie irgendwelche Probleme bemerken.\u201c <\/i><span style=\"font-size: medium;\">Es ging Ihnen nicht nur darum, das allt\u00e4gliche Leben in der Kriegssituation gut zu organisieren, sondern vor allem auf diese Weise eine Zukunft zu gestalten, die diese Kriegssituation \u00fcberwinden kann. <\/span><\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"justify\">\u201e<span style=\"font-size: medium;\"><i>Wir hatten in Shehba eine Kita eingerichtet. <\/i><i>F<\/i><i>\u00fcr den ersten Tag der Kinder <\/i><i>war alles <\/i><i>vorbereitet. Die Erzieherinnen hatten Bilder an die Wand gemalt. Sie <\/i><i>haben gefragt<\/i><i>: \u201e<\/i><i>Sollen wir <\/i><i>ein Auto malen?\u201c Ich <\/i><i>habe gesagt<\/i><i>: \u201eAlles, was wir malen, sollte aus der Natur sein.\u201c Sie fragten: \u201eWarum?\u201c <\/i><i>und i<\/i><i>ch sagte: \u201eDamit die Kinder, M\u00e4dchen wie Jungen, die Natur <\/i><i>a<\/i><i>nschauen<\/i><i> und <\/i><i>dadurch<\/i><i> entspann<\/i><i>t<\/i><i> <\/i><i>werden<\/i><i>. Damit sie mit Liebe aufwachsen. Wenn sie die Natur betrachten, wird <\/i><i>sich <\/i><i>Liebe in ihnen <\/i><i>aufbauen<\/i><i>. Dann werden sie auch ihre Umgebung im Allgemeinen lieben.\u201c <\/i><i>Die Erzieherinnen<\/i><i> <\/i><i>haben zugestimmt<\/i><i>. Wer die Natur liebt, liebt alles. Aber wir mussten d<\/i><i>en Kindergarten<\/i><i> aufgeben und Shehba <\/i><i>verlassen<\/i><i>.\u201c<\/i><\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Sieben Jahre lang hatten die Menschen aus Afrin in Shehba gelebt und sich dort in den Camps weiterhin selbstverwaltet und diese Werte gegen die Angriffe der T\u00fcrkischen Angriffe verteidigt.<\/p>\n<blockquote><p><i>\u201eWenn deine H\u00e4nde in der Erde etwas anpflanzen, baust du Wissen <\/i><i>und<\/i><i> Energie <\/i><i>auf<\/i><i>. Wenn du davon getrennt bist \u2026 Habt ihr gesehen was sie in Afrin den Olivenb\u00e4umen antun? Sie f\u00e4llen die Olivenb\u00e4ume. Ihr habt es gesehen. <\/i><span style=\"font-size: medium;\"><i>Du kannst Frauen aus Afrin nicht von der Natur trennen. Man denkt, in den Camps w\u00fcrde gar nichts wachsen. <\/i><i>Doch wir haben alles angepflanzt. <\/i><i>Davon getrennt zu sein, ist wie von der eigenen Sch\u00f6nheit, der Liebe des Lebens, des Geistes getrennt zu sein.\u201c<\/i><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2190 aligncenter\" src=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Afrin-3-300x168.jpeg\" alt=\"\" width=\"555\" height=\"311\" srcset=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Afrin-3-300x168.jpeg 300w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Afrin-3.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 555px) 100vw, 555px\" \/><\/p>\n<p>Als im Herbst 2024 das Assad Regime gest\u00fcrzt wurde, nutzte die T\u00fcrkei diesen Moment und griff die Region mit Luft- und Bodenangriffe durch SNA und das t\u00fcrkische Milit\u00e4r an. Am 2. Dezember 2024 wurden die Gefl\u00fcchtetencamps evakuiert und die Menschen mussten ein Weiteres mal fliehen. Das \u201e<i>hat einen Einfluss auf die Menschen. Frauen sind am meisten beeinflusst. Weil sie sind oft gebunden an<\/i><i>s<\/i><i> Haus, versorgen den Haushalt, ziehen die Kinder gro\u00df. Ob alles lebensnotwendige verf\u00fcgbar ist oder nicht, ob es Arbeit gibt oder nicht, ob alles l\u00e4uft oder nicht\u2026 es beeinflusst sie sehr. Einige Probleme werden erlebt und Schwierigkeiten, durch dieses Fliehen.\u201c, <\/i>erz\u00e4hlt eine der Frauen. Eine Andere f\u00fcgt hinzu:<\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"justify\"><em>\u201e<span style=\"font-size: medium;\">Als wir von Shehba fliehen mussten und hier her kamen, denk dar\u00fcber nach, es war mitten im Winter. Wir waren in der K\u00e4lte in Zelten. Aber die Frauen haben Widerstand geleistet und sich selbst in den Camps verteidigt, denn eine Frau die nicht organisiert ist und sich nicht verteidigen kann, kann unter solchen Bedingungen nicht leben. [\u2026] Gemeinsam vervollst\u00e4ndigen sich die Frauen gegenseitig und ermutigen sich den Bedingungen zu trotzen.\u201c<\/span><\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\">Manche Familien sind in die St\u00e4dte gegangen, haben Arbeit aufgenommen, andere zogen in andere Gefl\u00fcchtetenlager, wie die Frauen, die in Tabqa interviewt wurden, und wieder andere sind nach Aleppo gezogen. <\/span><span style=\"font-size: medium;\">In Aleppo wurden sie in den selbstverwalteten Stadtteilen Shehmesud und Ashafriye in die dortige Nachbarschaftskommune integriert und engagierten sich in den Komitees. <\/span><span style=\"font-size: medium;\">Die \u00fcbrigen Teile Aleppos standen unter der Kontrolle der neuen Syrischen \u00dcbergangsregierung, die nach der Macht\u00fcbernahme der dschihadistischen Miliz Hayat Tahrir al-Sham (HTS) im Herbst 2024 gebildet worden war. <\/span><span style=\"font-size: medium;\">Damit haben die zwei selbstverwalteten Stadtteile durch ihre Lage eine bedeutende Rolle und waren immer wieder Ort von Auseinandersetzungen. Die \u00dcbergangsregierung sch\u00fcrte Spaltungen und Hetze, vor allem gegen die religi\u00f6sen und ethnischen Minderheiten in den selbstverwalteten Vierteln.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">In einem Verhandlungsprozess zur Integration der Selbstverteidigungseinheiten der Autonomen Selbstverwaltung, der Demokratischen Kr\u00e4fte Syriens (QSD), in die \u00dcbergangsregierung wurde sich am 10. M\u00e4rz 2025 auf ein Abkommen geeinigt. Das Ziel einer Demokratisierung sollte ein Syrien schaffen, in der alle dort ans\u00e4ssigen Menschen gemeinsam Heimat finden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p align=\"justify\">So lautet Punkt 5 des Abkommens: \u201eAblehnung von Aufrufen zur Spaltung, Hassreden und Versuchen, Zwietracht zwischen den Bev\u00f6lkerungsgruppen Syriens zu s\u00e4en.\u201c<\/p>\n<p align=\"justify\">Und Punkt 7: \u201e<span style=\"font-size: medium;\">Gew\u00e4hrleistung der R\u00fcckkehr aller vertriebenen Syrerinnen und Syrer in ihre St\u00e4dte und D\u00f6rfer und Gew\u00e4hrleistung ihres Schutzes durch den syrischen Staat.\u201c<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\">In der Umsetzung des Abkommens und einer Dezentralisierung Syriens hatte Aleppo eine besondere Rolle. Die Demokratischen Kr\u00e4fte Syriens \u00fcbergaben die Wahrung der Sicherheit der selbstverwalteten Stadtviertel an interne Sicherheitskr\u00e4fte, welche in den Selbstverteidigungskomitees der Kommunen wurzeln. Im April 2025 unterzeichnete der zivile Rat der Stadtviertel ein Abkommen mit der Syrischen \u00dcbergangsregierung. Darin wird best\u00e4tigt, dass die beiden Stadtteile selbstverwaltet bleiben und dennoch als Teil von Aleppo anerkannt werden, wobei die soziale und kulturelle Identit\u00e4t des Gebiets respektiert wird. Die Stra\u00dfen zu den restlichen Teilen Aleppos sollten ge\u00f6ffnet werden und die Verantwortung \u00fcber die Sicherheit der Viertel gemeinsam getragen werden. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2191 alignleft\" src=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Afrin-4-300x200.jpeg\" alt=\"\" width=\"467\" height=\"311\" srcset=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Afrin-4-300x200.jpeg 300w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Afrin-4.jpeg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 467px) 100vw, 467px\" \/>Gegen Ende des Jahres wurde immer klarer, dass die Prozesse der Demokratisierung und Dezentralisierung Syriens sich so schnell nicht umsetzen w\u00fcrde, doch stattdessen blockiert wurde. Die daraus folgenden Spannungen zeigten sich vor allem in den Vierteln in Aleppo. Im Dezember wurden die Zufahrtsstra\u00dfen in die Viertel von den Regierungstruppen blockiert, sodass die Versorgung erschwert wurde. Es folgten milit\u00e4rische Auseinandersetzungen zwischen Regierung und internen Sicherheitskr\u00e4ften auf Angriffe auf Demonstrationen der Bev\u00f6lkerung. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\">Am 6. Januar 2026 griffen die S\u00f6ldnermilizen der Syrischen \u00dcbergangsregierung und der T\u00fcrkei mit schweren Waffen gezielt Zivilist*innen und Infrastruktur an. Mit menschenverachtenden Methoden mordeten und zerst\u00f6rten sie. <\/span><span style=\"font-size: medium;\">Viele Menschen verlie\u00dfen die Viertel und begaben sich ein weiteres mal ins Ungewisse. Andere folgten dem Aufruf der Kommunen und R\u00e4te und beschlossen in ihren Vierteln zu bleiben und Widerstand zu leisten. <\/span><span style=\"font-size: medium;\">Die internen Sicherheitskr\u00e4fte der Selbstverwaltung verteidigten die Viertel und leisteten tagelang Widerstand, w\u00e4hrend dschihadistische Gruppen ihre v\u00f6llige Verachtung allen Lebens offenbarten, Zivilisten gefangen nahmen und die Leichen der Ermordeten verst\u00fcmmelten und sch\u00e4ndeten. Insbesondere Frauen erlitten besondere Gewalt durch die faschistisch-dschihadistische Gesinnung der Angreifer. <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><strong><span style=\"font-size: medium;\">Dieser Krieg in Syrien raubt Menschen ihre Heimat im ganz materiellen Sinn des Lebens und greift dar\u00fcber hinaus ein Verst\u00e4ndnis von Heimat an, dass Heimat als etwas lebendiges begreift. Dies ist ein Verst\u00e4ndnis von Heimat, dass der ganzen Welt einen Weg f\u00fcr Frieden weisen kann. <\/span><\/strong><span style=\"font-size: medium;\">Die Menschen in Rojava wissen trotz der Tr\u00e4nen in ihren Augen und des Schmerzes, den jeder erneute Krieg mit sich bringt, mit Gewissheit: <strong>Nur ein Leben des Widerstands kann Frieden in ihre Heimat bringen.<\/strong> <\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">Auch nach 8 Jahren Besatzung Afrins sind die Menschen fest entschlossen zur\u00fcckzukehren. \u201e<span style=\"font-size: medium;\"><i>Alle sagen, die Milizen haben Afrin eingenommen, die B\u00e4ume gef\u00e4llt, <\/i><i>sie <\/i><i>t\u00f6ten, besetzen und zerst\u00f6ren alles. Aber wir wollen <\/i><i>auf<\/i><i> unser Land zur\u00fcckkehren. Wir werden Afrin wieder gr\u00fcn machen, so wie es vorher war. Wir Frauen haben diesen Glauben.\u201c <\/i>So endet eine der Frauen das Gespr\u00e4ch.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: medium;\">Eine Andere f\u00fcgt hinzu:<i> \u201eIch sage, wenn ich nach Afrin zur\u00fcckkehre, werde ich auf die Spitze eines Berges gehen, ein Lehmhaus bauen und dort leben. Wir werden uns selbst versorgen und diese Kultur nicht verlassen. Wir werden zu unserer Kultur, unserer Lebensweise, zur\u00fcckkehren, so dass wir die Jahre die wir Afrin verlassen mussten problemlos hinter uns lassen k\u00f6nnen.\u201c<\/i><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcberall auf der Welt, von Pal\u00e4stina bis Kurdistan, in Venezuela, Sudan und Somalia, wird Krieg gef\u00fchrt, und Menschen werden gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Und \u00fcberall auf der Welt verbindet die Kriegsf\u00fchrenden ein zentrales Thema: Heimat. Ob in Syrien oder in Europa wird diskutiert, wem es erlaubt ist beheimatet zu sein. In den letzten Wochen des Angriffskrieges in Nord-\/Ostsyrien haben Tausende von Menschen ihr zu Hause, ihre Gemeinschaften, ihr Land verloren. Die meisten von ihnen haben dies schon einmal erlebt und werden nun zum dritten oder vierten Mal in ihrem Leben vertrieben.<br \/>\nDieser Artikel handelt nicht vom Krieg, sondern versucht, einige Aspekte des Friedens zu erfassen. Was bedeutet wahrer Frieden in diesen kriegerischen Zeiten, und was hat dieser mit Heimat zu tun?<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":2187,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[58,47,17,114,11,10,5,56],"tags":[199,138,200,137,194,97],"class_list":["post-2185","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-andrea-wolf-institut","category-artikel","category-almani","category-kultur","category-ekoloji","category-ekonomi","category-politik","category-selbstverteidigung","tag-afrin","tag-frieden","tag-heimat","tag-krieg","tag-nord-und-ostsyrien","tag-rojava"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2185","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2185"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2185\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2199,"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2185\/revisions\/2199"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2187"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2185"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2185"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2185"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}