{"id":2068,"date":"2026-01-24T04:35:31","date_gmt":"2026-01-24T01:35:31","guid":{"rendered":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/?p=2068"},"modified":"2026-01-24T11:53:14","modified_gmt":"2026-01-24T08:53:14","slug":"rojava-verteidigen-heisst-frauen-verteidigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/2026\/01\/24\/rojava-verteidigen-heisst-frauen-verteidigen\/","title":{"rendered":"Rojava verteidigen bedeutet Frauen verteidigen"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p align=\"justify\">Zu sehen, was derzeit in Rojava geschieht, ist schmerzhaft, es nimmt einem den Atem und l\u00e4hmt. Es ist ein Schock, den wir erleben, und viele Menschen fragen sich: \u201eWie konnte das so schnell gehen? Wie ist es m\u00f6glich, dass von einem Tag auf den anderen die Demokratische Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien angegriffen und ihr Territorium halbiert wird?\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p align=\"justify\">In Wirklichkeit begann der Prozess der Angriffe auf die Revolution in Nord- und Ostsyrien schon vor vielen Jahren, als die ersten Erfahrungen mit dem Demokratischen Konf\u00f6deralismus gemacht wurden. Nord- und Ostsyrien existiert heute in der Form nicht mehr, aber Rojava existiert noch. Die Dschihadisten der Regierung, unterst\u00fctzt von allen hegemonialen Kr\u00e4ften (USA, Israel, T\u00fcrkei, Europa) sind in die Gebiete Nord- und Ostsyriens, die ihrer Ansicht nach ihnen geh\u00f6rten, eingefallen und haben sie eingenommen \u2013 haupts\u00e4chlich die mehrheitlich von arabischer Bev\u00f6lkerung bewohnten Gebiete wie Tabqa und Raqqa. Wir wissen aber auch, dass die Menschen in diesen St\u00e4dten begonnen hatten, sich selbst zu verwalten, insbesondere die Frauen, um ihre eigenen Institutionen und Autonomien zu schaffen. Sowohl in Tabqa als auch in Raqqa gab es viele verschiedene Frauenstrukturen, wie beispielsweise \u201eZenobiya\u201c, die sich daf\u00fcr einsetzten, Frauen durch Bildung, Arbeit und Vermittlung mit der Familie dabei zu unterst\u00fctzen, sich zu befreien. Oder die Jineoloj\u00ee Zentren, die es Frauen durch Forschungs- und Bildungsarbeit erm\u00f6glichen, sich selbst wiederzuentdecken \u2013 ihre eigene Geschichte und ihre Rolle in der Gesellschaft anders kennenzulernen. Genau diese Einrichtungen wurden als erste angegriffen und zerst\u00f6rt. So zum Beispiel die in Aleppo von der Jineoloj\u00ee Akademie mitgegr\u00fcndete Bibliothek, benannt nach unserer lieben Freundin Nagihan, die von den t\u00fcrkischen Geheimdiensten in S\u00fcdkurdistan ermordet wurde. Diese Bibliothek war zu einem vielbesuchten Ort f\u00fcr junge Menschen und Frauen geworden, zum Lernen und Zusammensein. Sie wurde von den dschihadistischen Kr\u00e4ften der syrischen Regierung zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p align=\"justify\">Es gibt viele Beispiele daf\u00fcr, wie die Angriffe der letzten Tage in erster Linie Frauen treffen. Ihre toten K\u00f6rper werden gesch\u00e4ndet, von Geb\u00e4uden heruntergeworfen, ihre Gesichter werden mit F\u00fc\u00dfen getreten, ihre Z\u00f6pfe \u2013 Symbol der k\u00e4mpfenden kurdischen Frauen \u2013 werden abgeschnitten und als Troph\u00e4en zur Schau gestellt. Frauen werden erneut dazu gedr\u00e4ngt, die schwarze Burka zu tragen. Sie werden mit Vergewaltigungen bedroht, geschlagen und gedem\u00fctigt, und all dies wird gefilmt und in den Medien gezeigt. Die R\u00fcckkehr des Islamischen Staates ist Realit\u00e4t geworden, nachdem er zuvor nur eine Bedrohung war, die Angst sch\u00fcrte.<\/p>\n<p align=\"justify\">Aber versuchen wir zu verstehen, um welche Art von Angriff es sich handelt, was angegriffen wird, was sich \u00e4ndern kann und wie wir die Revolution verteidigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Mentalit\u00e4t, die zu diesem Angriff auf die Revolution f\u00fchrt, ist nicht neu und schon gar kein Einzelfall. Es ist eine Mentalit\u00e4t, die vor Tausenden von Jahren entstanden ist; eine Mentalit\u00e4t, die die Herrschaft einiger \u00fcber andere repr\u00e4sentiert und die die Kraft der Frauen, sich selbst zu organisieren, brechen muss. Diese Mentalit\u00e4t repr\u00e4sentiert das Gef\u00fchl der \u00dcberlegenheit, das sich sichtbar machen muss, indem es durch Videos spricht, um Angst in den Menschen zu erzeugen und um sie zu der Annahme zu verleiten, dass man sich einem solchen Angriff nicht widersetzen kann. Um die Hoffnung und den Willen von Frauen und V\u00f6lkern zu brechen. Es ist eine widerw\u00e4rtige Mentalit\u00e4t, die den K\u00f6rper von Frauen als Troph\u00e4e betrachtet, die \u00f6ffentlich zur Schau gestellt werden muss. Diese Mentalit\u00e4t wird von einer Kaste repr\u00e4sentiert \u2013 unantastbar, m\u00f6rderisch \u2013, die es sich leisten kann, Grausamkeiten zu begehen, weil sie die Zustimmung von Staaten und hegemonialen Kr\u00e4ften hat. Und diese Kaste repr\u00e4sentiert das Paradigma der kapitalistischen Moderne, das dem Paradigma der demokratischen Moderne entgegensteht \u2013 derjenigen, die sich gegen Kriege wehren, tr\u00e4umen und versuchen, ein freieres Leben aufzubauen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Diese Kr\u00e4fte greifen eine Idee an, die sich im K\u00f6rper der Frauen materialisiert. Seit Jahren sprechen wir von der Rojava Revolution als Frauenrevolution. In der Zwischenzeit wurde die Demokratische Selbstverwaltung Nord- und Ostsyriens gegr\u00fcndet, die nicht nur die Kontrolle \u00fcber die haupts\u00e4chlich von Kurden bewohnten Gebiete \u00fcbernahm, sondern auch \u00fcber Gebiete, die mehrheitlich von arabischen Bev\u00f6lkerungsgruppen bewohnt sind. In diesem Gebiet geh\u00f6rt das Land, wie im gesamten Mittleren Osten, nicht einem einzigen Volk oder einer einzigen Nation. Und genau aus diesem Grund hat der Aufbau von Nationalstaaten \u2013 festgefahren und unf\u00e4hig, all die Unterschiede wirklich zu umfassen, sondern nur zu assimilieren \u2013 Kriege ausgel\u00f6st, die heute ein solches Ausma\u00df an Gewalt erreicht haben, dass sie sich zu Genoziden und Massakern zuspitzen.<\/p>\n<p align=\"justify\">Die Frauenrevolution ist etwas \u00e4u\u00dferst Praktisches. Sie ist nicht idealistisch, sie geh\u00f6rt nicht der Vergangenheit an, sie ist keine Utopie f\u00fcr die Zukunft, sondern konkret und gegenw\u00e4rtig. Wir k\u00f6nnen die Frauenrevolution auch als kommunale Revolution bezeichnen, denn sie betrifft nicht nur Frauen, sondern die gesamte Gesellschaft. Es besteht ein Konflikt zwischen den beiden Paradigmen, zwischen zwei Lebensweisen, zwischen zwei Arten, Gesellschaft zu sein. Auf der einen Seite das freie und kommunale Leben, auf der anderen Seite das Leben, das durch Macht, Staat, Patriarchat und Angst repr\u00e4sentiert wird.<\/p>\n<p align=\"justify\">Diese Art des Lebens setzt sich weltweit immer mehr durch. Wir haben es beim Genozid in Pal\u00e4stina und im Sudan gesehen, beim Krieg in der Ukraine, in Venezuela und an vielen anderen Orten. Und es zeigt sich auch in der Depression, die die westliche Gesellschaft durchdringt&#8230; Das Ziel ist es, Gesellschaften zu ver\u00e4ngstigen, damit sie nicht reagieren, sie zu l\u00e4hmen. Gerade in Nord- und Ostsyrien k\u00f6nnen wir den Konflikt zwischen denen beobachten, die ein Leben unter der Kontrolle von Macht und hegemonialen Interessen etablieren wollen, und denen, die stattdessen ein freies, gemeinschaftliches Leben geschaffen haben, das auf den Werten der Frauen basiert. Wieder einmal zeigen uns die Kurd:innen und alle verschiedenen V\u00f6lker Rojavas das Beispiel, dass ein anderes Leben m\u00f6glich ist. Es kann aufgebaut werden.<\/p>\n<p align=\"justify\">Was heute in Rojava geschieht, ist eine enorme Bedrohung, insbesondere f\u00fcr Frauen, aber auch f\u00fcr alle, die ein freies Leben aufbauen wollen. Die Frauen der Demokratischen Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien haben in den letzten zw\u00f6lf Jahren ihre Autonomie aufgebaut, ihre Existenz zur\u00fcckerobert, sie befreit und damit der gesamten Gesellschaft erm\u00f6glicht, nach antipatriarchalen Werten und den Werten des Friedens und der Gerechtigkeit zu leben. Fraueninstitutionen, die mit den allgemeinen gesellschaftlichen Institutionen verwoben sind, spielen in allen Bereichen der Gesellschaft eine grundlegende Rolle. Es gab und gibt immer noch viele Schwierigkeiten, aber die Frauen von Rojava lehren uns, dass durch Selbstbewusstsein, Willenskraft und Organisation Dinge ver\u00e4ndert werden k\u00f6nnen und wir die Gesellschaft und das Leben befreien k\u00f6nnen. Genau diesen Punkt wollen die neue syrische Regierung und ihre pro-t\u00fcrkischen Dschihadistenbanden angreifen \u2013 das Lebensmodell, das auf der Befreiung der Frauen basiert. Im Dritten Weltkrieg, in einem durch konfessionelle Konflikte und zwischen Hegemonialm\u00e4chten zerrissenen Mittleren Osten, ist dieses Lebensmodell f\u00fcr die hegemonialen Staaten der Welt eine Bedrohung. Es gibt konkrete Hoffnung, dass ein anderes Leben m\u00f6glich ist, wenn wir daf\u00fcr k\u00e4mpfen. Das widerspricht den Bestrebungen der Herren des Krieges und der Genozide, deren Ziel es ist, zu vernichten und dem Leben seinen Sinn zu nehmen. Aus diesem Grund m\u00fcssen wir erneut diese Revolution und alles, wof\u00fcr sie steht, verteidigen. Wir m\u00fcssen die V\u00f6lker von Rojava verteidigen, weil sie uns viel gelehrt haben und uns w\u00e4hrend dieses Widerstands f\u00fcr das Leben weiterhin viel lehren. Wir m\u00fcssen die Frauen und das gemeinschaftliche Leben, das um sie herum entsteht, verteidigen!<\/p>\n<p align=\"justify\">Widerstand ist Leben!<\/p>\n<p align=\"justify\">Es lebe der Widerstand in Rojava!<\/p>\n<p align=\"justify\">Jin Jiyan Azad\u00ee!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Frauenrevolution ist etwas \u00e4u\u00dferst Praktisches. Sie ist nicht idealistisch, sie geh\u00f6rt nicht der Vergangenheit an, sie ist keine Utopie f\u00fcr die Zukunft, sondern konkret und gegenw\u00e4rtig. 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