{"id":1650,"date":"2025-03-25T21:10:31","date_gmt":"2025-03-25T18:10:31","guid":{"rendered":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/?p=1650"},"modified":"2025-03-25T21:10:31","modified_gmt":"2025-03-25T18:10:31","slug":"ich-bin-sakine-cansiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/2025\/03\/25\/ich-bin-sakine-cansiz\/","title":{"rendered":"Ich bin Sakine Cans\u0131z!"},"content":{"rendered":"<p><strong>Necibe Qeredaxi<\/strong><\/p>\n<p>Von dem Augenblick an, in dem sich Menschen ihrer Existenz als Wille bewusst geworden sind, stellen sie sich grundlegende Fragen und suchen stets nach den befriedigendsten Antworten, die ihrem Leben sowohl pers\u00f6nlich als auch gesellschaftlich Sinn verleihen. Die Frage &#171;Wer bin ich?&#187; war die Frage, die die meisten Wahrheitssuchenden, Philosoph:innen, Prophet:innen, und Anf\u00fchrer:innen sozialer Bewegungen umgetrieben hat. &#171;Wer bin ich?&#187; ist m\u00f6glicherweise eine der wichtigsten Fragen im Leben einer\/eines jeden von uns, ungeachtet der Hautfarbe, Ethnie, des Geschlechts, der Glaubensrichtung, Sprache, oder Kultur. Diese Frage hat umso mehr Gewicht f\u00fcr Personen und Gruppen, denen ihre Identit\u00e4t, ihr Dasein, ihre Kultur, und Geschichte abgesprochen werden, oder die gar physisch und kulturell von Genozid bedroht sind. Sie katalysiert bei ihnen einen besonderen Drang zu handeln, verglichen mit anderen.<\/p>\n<p>Dies beginnt auf einer pers\u00f6nlichen Ebene, und wird ein Antrieb zur Selbstreflexion, die zu Bewusstsein f\u00fchrt. In diesem Prozess suchen Leute sich bewusst gegenseitig, um eine Gruppe zu bilden, die sich selbst verteidigen kann. Somit arbeiten sie zusammen, um etwas neues aufzubauen und eine andere Art zu Leben zu entwickeln. Im Angesicht der Kr\u00e4fte, die sie leugnen stehen sie f\u00fcr ihre Existenz ein, sowohl als Individuen, als auch als Gruppe. Ob dieser Prozess der Frage und Antwort gelingt, h\u00e4ngt davon ab, wie sehr Individuen in ihrem historischen Bewusstsein verwurzelt sind &#8211; ein Bewusstsein, das mit jeder Ver\u00e4nderung sowohl die Wurzeln der eigenen Identit\u00e4t bewahrt, als auch sich selbst erneuert und somit jeden Tag neu geboren wird.<\/p>\n<p>Dieser Prozess braucht eine Vielzahl von Antrieben: Bewusstsein aus den Tiefen der historischen und gesellschaftlichen Erinnerung, Mut und Durchhalteverm\u00f6gen trotz Hindernissen, Entschlossenheit bei jedem Schritt bis hin zur Selbstaufopferung, die Kraft gegen alle H\u00e4sslichkeiten zu k\u00e4mpfen, und Treue gegen\u00fcber den Versprechen, die sie denen gegeben haben, die sie auf den anf\u00e4nglichen Schritten gesucht und im Laufe dieser Suche gefunden haben. Ohne diese Einleitung weiter in die L\u00e4nge zu ziehen, werde ich die Schritte darlegen, die zu einer solchen Geburt f\u00fchren. Es handelt sich hierbei nicht nur um eine physische Geburt, sondern um die Geburt einer neuen Identit\u00e4t, jenseits der Identit\u00e4tslosigkeit und jenseits der Herrschenden, insbesondere Frauen, aufgezwungen wurden. Es geht um Prozesse der Wiedergeburt und der Wiedererschaffung des eigenen Selbst&#8216;.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1697 alignleft\" src=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Sakine-and-friends-prison-300x201.jpeg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"242\" srcset=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Sakine-and-friends-prison-300x201.jpeg 300w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Sakine-and-friends-prison-768x515.jpeg 768w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Sakine-and-friends-prison.jpeg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/p>\n<p>Eine Person, die diesem Prozess vom Stadium der Selbsterkenntnis an bis zu ihrem 56. Lebensjahr eine gro\u00dfe Bedeutung beigemessen hat, war Sakine Cans\u0131z, auch bekannt als &#171;Sara&#187;. W\u00e4hrend eines kalten Winters, 20 Jahre nach dem gr\u00f6\u00dften Genozids des 20. Jahrhunderts (Dersim Genozid, 1938), wurde sie am 12. Februar 1958 im nordkurdischen Dorf Takhti Khalil in Dersim geboren. Ihre Eltern, Gro\u00dfeltern, und viele ihrer Verwandten waren \u00dcberlebende des Dersim Genozids. W\u00e4hrend dieser Vernichtungskampagnen des t\u00fcrkischen Staates, war kurdisch und alevitisch sein nicht das einzige Verbrechen &#8211; eine Frau in der kurdischen Gesellschaft, gefangen zwischen staatlicher Unterdr\u00fcckung und feudalen Familienstrukturen, fand sich in einer paradoxen Situation wieder. Einerseits galt sie als das schw\u00e4chste Glied, als Unterworfene der vielschichtigen Realit\u00e4t der Besatzung. Andererseits besa\u00df sie eine Energie, die sie st\u00e4ndig bereit machte zu rebellieren.<\/p>\n<p>Sakine war die \u00e4lteste Tochter ihrer Familie und musste viel Verantwortung im Haushalt \u00fcbernehmen. Ihre Mutter war eine rebellische Frau, ihr Vater ein ruhiger und geduldiger Mann. Dank der alevitischen Einfl\u00fcsse genossen Frauen Respekt in ihrer Familie. Sakine war ma\u00dfgeblich durch ihre Gro\u00dfmutter gepr\u00e4gt, die sie im ersten Teil ihres Buches &#171;Mein Ganzes Leben War ein Kampf&#187; folgenderma\u00dfen beschreibt:<\/p>\n<blockquote><p>&#171;Die Eigenschaften meiner Gro\u00dfmutter haben immer mein Interesse hervorgerufen. Ich bewunderte sie und verfolgte jede ihrer Bewegungen. [&#8230;] Eine weitere Besonderheit von ihr war, dass sie das Feuer in der K\u00fcche nie ganz ausgehen lie\u00df. Abends vergrub sie die gl\u00fchenden Kohlen unter der Asche, um bei Morgengrauen<br \/>\ndas Feuer erneut zu entfachen. Es galt als S\u00fcnde, Feuer aus anderen H\u00e4usern zu holen oder an andere weiterzugeben. Wenn jemand Feuer von uns wollte, \u00e4rgerte sie sich und sch\u00e4rfte den Leuten ein, k\u00fcnftig wie sie abends daf\u00fcr zu sorgen, dass morgens noch Glut vorhanden sei. [&#8230;] F\u00fcr sie geh\u00f6rte es zum Leben dazu, das Feuer zu bewahren, Zuflucht bei Mond und Sonne zu suchen und der Erde verbunden zu sein.&#187;\u00b9<\/p><\/blockquote>\n<p>Das Sprichwort, das besagt die Natur sei die erste Lehrerin der Menschheit, passt perfekt zu Sakines Gro\u00dfmutter. Es w\u00e4re unm\u00f6glich sich nicht von ihrer Liebe und Verbundenheit zur Erde und Gesellschaft anstecken zu lassen. Jeden Tag betete sie, der Sonne zugewandt:<\/p>\n<blockquote><p>&#171;O Engel der Morgenr\u00f6te, der Himmel und Erde geschaffen hat:<br \/>\nBestimme ein gutes Schicksal f\u00fcr uns arme und unschuldige Menschen.<br \/>\nO Mutter Fatima, O Hazrat Ali, Hassan und Hussein, erhebt eure Schwerter!<br \/>\nSeid ein Schild f\u00fcr unsere Jugend, besch\u00fctzt sie und rettet sie&#8230;<br \/>\nZeigt euren Mut, befreit Kurdistan, und Dersim!<br \/>\nO Khizr, gro\u00dfer Khizr!&#187;<\/p><\/blockquote>\n<p>Wahrscheinlich handelt es sich hierbei um den gleichen &#171;Khizr Zine&#187; den wir aus den Geschichten unserer Gro\u00dfmutter kennen. Sakine besuchte die Grundschule in Khozat, wo sie auch die Mittelschule abschloss. Ihre Schwester erinnert sich an ihren Vater zu dieser Zeit:<\/p>\n<blockquote><p>&#171;Zu der Zeit war unsere Mutter in Deutschland. Unser Vater ist fr\u00fch aufgestanden, und hat Feride und Nesibe die Haare geb\u00fcrstet. Dann hat Sakine uns fertig gemacht und in die Schule geschickt, bevor er selbst das Haus verlie\u00df.&#187;<\/p><\/blockquote>\n<p>Urspr\u00fcnglich konnte sie nur Dimil (Zazaki), da dieser Dialekt zuhause gesprochen wurde. In der Schule lernte Sakine T\u00fcrkisch, denn die kurdische Sprache war durch die t\u00fcrkische Regierung verboten. Ihre Mutter jedoch sagte ihnen immer: &#171;Sch\u00e4mt euch nie daf\u00fcr, dass ihr kurdisch seid.&#187;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1703 alignright\" src=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Sakine-u-dayik-300x225.jpeg\" alt=\"\" width=\"340\" height=\"255\" srcset=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Sakine-u-dayik-300x225.jpeg 300w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Sakine-u-dayik-768x576.jpeg 768w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Sakine-u-dayik-86x64.jpeg 86w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Sakine-u-dayik.jpeg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 340px) 100vw, 340px\" \/><\/p>\n<p>1968, als weltweit Studentenbewegungen und die 68er Revolution ausbrachen und linke Gruppen in der T\u00fcrkei und Kurdistan wuchsen, begann Sakine sich in der Schulzeit in Bezug auf ihre Sprache zu hinterfragen. Sp\u00e4ter h\u00f6rte sie von den Alten die Geschichten vom Dersim Genozid und wurde sich der Unterdr\u00fcckung des kurdischen Volkes bewusst. Mit dieser Erkenntnis begannen sich in Sakine Tag f\u00fcr Tag Fragen anzuh\u00e4ufen. Obwohl die Alten aus Angst nur \u00fcber diese Ereignisse zu fl\u00fcstern wagten, erstarkten in diesem schrecklichen Schweigen ihre Wissbegierde und ihre Abenteuerlust. Man sagt, die Freiheit beginnt in der Kindheit.\u00b3 Von da an bewies ihre Entschlossenheit, dass die Angst der Alten nicht Schweigen, sondern Mut, Neugier statt Resignation in ihr s\u00e4hte. Anstatt tatenlos zuzusehen, gab sie sich vollkommen den Konflikten und Fragen hin, und suchte nach Antworten.<\/p>\n<p>Ali Haydar Kaytan (Genosse Fuad), der sp\u00e4ter ein Gr\u00fcndungsmitglied der PKK werden sollte, erinnert sich an Sakines ersten Ber\u00fchrungspunkt mit dem revolution\u00e4ren Leben:<\/p>\n<blockquote><p>&#171;Es war 1974, ihr Haus stand im Ortsteil Dag (Berg) von Dersim. Manchmal besuchten wir ein Studierendenheim in der N\u00e4he von Genossin Saras Zuhause. So nahmen die Genoss:innen Einfluss auf Genossin Sara.&#187;<\/p><\/blockquote>\n<p>Ihr Bruder Metin Cans\u0131z erz\u00e4hlt von diesen Momenten:<\/p>\n<blockquote><p>&#171;Sakine wurde vor allem von den Linken angezogen. Sie beteiligte sich an ihren M\u00e4rschen und Demonstrationen. Sie stellte viele Fragen, aber bekannte sich nie zu einer ideologischen Richtung. Als sie die kurdischen Revolution\u00e4r:innen kennenlernte, wurde sie sehr aktiv.&#187;<\/p><\/blockquote>\n<p>Ihre Cousine, Nurcan Yildirim, die mit diesem Abschnitt ihres Lebens vertraut ist berichtet:<\/p>\n<blockquote><p>&#171;1974-1975 redete sie \u00fcber Kurdistan. In dieser Stadt h\u00f6rte ich diese Frau das erste Mal das Wort &#8218;Kurdistan&#8216; sagen. Sie erz\u00e4hlte mir von ihren studentischen Genoss:innen. Ein Bild von Leyla Qasim war an ihre Wand gemalt. Sie sagte: &#8218;Sie haben es gemalt und es mir geschenkt.&#8216; &#171;<\/p><\/blockquote>\n<p>Ihre studentischen Genoss:innen (die erste kurdische, revolution\u00e4re Gruppe) wurden auf ihre freiheitsliebenden Neigungen als Frau aufmerksam und bemerkten ihre Bewunderung f\u00fcr Leyla Qasim.<\/p>\n<p>Im ersten Teil ihrer Memoiren schreibt Sakine Cans\u0131z:<\/p>\n<blockquote><p>&#171;Die Inspiration, mit der sie sich ihrer politischen und revolution\u00e4ren Arbeit widmeten wies mir einen Weg auf, der mein ganzes Leben ver\u00e4nderte. Ich sah viele M\u00e4nner, die in meiner N\u00e4he wohnten. Ihre Art zu Leben, ihre Begegnungen, und ihre Einstellung gegen\u00fcber ihren Werten pr\u00e4gten mich und ich sah in ihnen die Flamme der Freiheit Dersims.&#187;<\/p><\/blockquote>\n<p>Nach dem Milit\u00e4rputsch in der T\u00fcrkei 1971 verband sie sich mit revolution\u00e4ren Jugendlichen und schloss sich der revolution\u00e4ren Bewegung aus Elaz\u0131\u011f in Nordkurdistan an. \u00dcber ihre Interessen berichtet sie:<\/p>\n<blockquote><p>&#171;Ich las viele B\u00fccher, die mir Freude und Bildung brachten. Es gab ideologische Diskurse, und diejenigen, die diese Ideologien verteidigten waren keine gew\u00f6hnlichen Leute. Sie hatten einflussreiche Pers\u00f6nlichkeiten und sch\u00fcrten Enthusiasmus in ihrer Umgebung. Erst machten sich alle \u00fcber sie lustig und taten sie als vier oder f\u00fcnf rebellische, kurdische Nationalist:innen ab. Sp\u00e4ter \u00e4nderten sie ihren Namen zu Kurdistan Revolution\u00e4re und wurden Apocu\u2074 genannt.&#187;<\/p><\/blockquote>\n<p>Ende 1976 beteiligte sie sich am ersten revolution\u00e4ren Treffen in Dersim.<\/p>\n<p>Sakine befand sich im st\u00e4ndigen Konflikt mit konservativen, unterdr\u00fcckenden, und traditionellen Einstellungen. Sie war eine Frau, die gegen Br\u00e4uche und Traditionen rebellierte. Ihr Aktivismus \u00e4rgerte ihre Mutter, sodass sie sich immerzu stritten. \u00dcber die Pers\u00f6nlichkeit ihrer Mutter sagte Sakine:<\/p>\n<blockquote><p>&#171;W\u00e4hrend sie mich zu einer rebellischen Pers\u00f6nlichkeit erzog, lehrte sie mich auch zu k\u00e4mpfen! Daf\u00fcr bin ich ihr sehr dankbar.&#187;<\/p><\/blockquote>\n<p>Da sie allem, was um sie herum geschah, Bedeutung gab, brach sie in ihrer Jugend Beziehungen nicht ab, sondern versuchte sie zu verstehen. Dies war die Eigenschaft, die die Aufmerksamkeit der ersten Gruppe von Revolution\u00e4r:innen von Anfang an auf sich zog und den Titel, den sp\u00e4ter ihre dreib\u00e4ndigen Memoiren bekamen, \u201eMein ganzes Leben war ein Kampf!\u201c, mehr als rechtfertigte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1705 alignleft\" src=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Sakine-u-reberti-300x178.jpeg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"214\" srcset=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Sakine-u-reberti-300x178.jpeg 300w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Sakine-u-reberti-768x455.jpeg 768w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Sakine-u-reberti.jpeg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/p>\n<p>Im Winter 1976-1977 fand das erste gr\u00f6\u00dfere Treffen der Kurdistan Revolution\u00e4re in Dersim statt. Hier h\u00f6rte sie das erste Mal den Satz, &#171;Kurdistan ist eine Kolonie&#187;, von Abdullah \u00d6calan, dem Anf\u00fchrer der Gruppe. Das Treffen hatte 60 Teilnehmer:innen und wurde in einem Haus abgehalten, das in Dersim &#171;wei\u00dfer Palast&#187; genannt wurde, da es wei\u00df angestrichen war. Zum ersten Mal durchdrang sie nationale und Klassenk\u00e4mpfe und begab sich auf einen Weg, von dem sie bekanntlich sagt: &#171;Mein ganzes Leben war ein Kampf!&#187; Sie strebte danach die aktive Teilhabe von Frauen am nationalen Befreiungskampf durchzusetzen. In diesem Sinne war sie die erste Frau in der Bewegung, die Frauen organisierte wo immer sie war. Zu dieser Zeit empfand Sakine Cans\u0131z, dass sie nicht l\u00e4nger als gew\u00f6hnliche Frau leben konnte, und suchte nach Alternativen, die es ihr erm\u00f6glichten sich frei im revolution\u00e4ren Kampf zu bewegen. Sakine wollte eine Revolution\u00e4rin werden und sah die L\u00f6sung darin ihr Zuhause zu verlassen, indem sie heiratete. Dieser Schritt war damals ein Vorwand und eine Methode f\u00fcr viele Revolution\u00e4rinnen, da es f\u00fcr Frauen nicht leicht war ihr Zuhause zu verlassen. Sakine erkl\u00e4rte ihrer Mutter und ihrer Familie:<\/p>\n<blockquote><p>&#171;Ich liebe Baki Polat, meinen Cousin. Er hat bereits um mich angehalten, aber ihr habt ihn abgewiesen. Er ist ein Revolution\u00e4r und ich werde mit ihm gehen; er wird meine revolution\u00e4ren Bestrebungen nicht behindern.&#187;<\/p><\/blockquote>\n<p>Sp\u00e4ter heiratete sie Baki und ging nach Izmir. Sakine hatte ihre Heimat verlassen und einen Teil ihres Traums verwirklicht \u2013 sie verpflichtete sich nicht dem Leben als Hausfrau, da sie andere Ziele hatte. Sie arbeitete in einer Schokoladenfabrik um ihren Lebensunterhalt zu sichern, w\u00e4hrend sie die Frauen, insbesondere die migrantischen, osteurop\u00e4ischen Arbeiterinnen in der Fabrik organisierte.<\/p>\n<p>In Folge von Konflikten mit ihrer Familie, insbesondere ihrer Mutter, begann ihr zweiter Streit mit Baki nach der Heirat. Zum Einen war Baki Teil der <em>Halk\u0131n Kurtulu\u015fu<\/em> (&#171;Volksbefreiung&#187;), und verstand, wie seine Organisation, Kurdistan nicht als kolonisiert. Au\u00dferdem wollte Baki Polat, dass Sakine sich wie eine traditionelle Hausfrau nur dem Familienleben widmete, was f\u00fcr sie unm\u00f6glich war. In der Fabrik in der sie arbeitete organisierte sie die Jugend und die Frauen, was f\u00fcr sie und viele weitere zur Entlassung f\u00fchrte. Die Arbeiter:innen veranstalteten Demonstrationen und Streiks. Sakine wurde verhaftet, weil sie ein Banner mit der Aufschrift &#171;Kurdistan ist eine Kolonie&#187; trug. Sie wurde vor Gericht gebracht, wo sie schrie: &#171;Nieder mit dem Kolonisator!&#187;. Sie gab sich nicht damit zufrieden lediglich Parolen f\u00fcr &#171;Brot, Arbeit, Freiheit!&#187; zu skandieren, da sie \u00fcberzeugt war, dass in einem besetzten Land in dem Identit\u00e4t, Geschichte, und Kultur verwehrt werden Brot und Arbeit keine Bedeutung haben. Sie sah wahren Sozialismus im Ende der Kolonisierung und dem vereinten Kampf der Leute, wof\u00fcr sie Arbeiter:innen organisierte, ohne zwischen ihnen zu unterscheiden.<\/p>\n<p>Jede, die sich ein wenig mit Sakines Leben besch\u00e4ftigt hat, wei\u00df, dass sie sich immer wieder schwierigen Aufgaben stellte. Als sie nach Kurdistan zur\u00fcckkehrte, organisierte sie Frauen in \u00c7ewlig (Bing\u00f6l), eine der konservativsten Regionen Nordkurdistans. An einem Ort an dem die Leute sich f\u00fcrchteten \u00fcberhaupt zu sagen, dass sie kurdisch waren, gr\u00fcndete sie etliche Frauengruppen mit je drei bis f\u00fcnf Mitgliedern und gab den Frauen den Mut sich zu organisieren. Trotz der gesellschaftlichen H\u00fcrden versammelten sich Frauen zu den Parolen der ersten revolution\u00e4ren Gruppe und fanden sich darin wieder. Sakine nahm gro\u00dfen Einfluss auf sie. \u00dcber diese Zeit sagte Sakine:<\/p>\n<blockquote><p>&#171;Wir sagten Frauen m\u00fcssen sich am nationalen Befreiungskampf beteiligen, da sie sich so befreien und Schritte in die wahre Freiheit gehen k\u00f6nnen.&#187;<\/p><\/blockquote>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1704 alignright\" src=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/sakine-u-hevalen-300x225.jpeg\" alt=\"\" width=\"330\" height=\"247\" srcset=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/sakine-u-hevalen-300x225.jpeg 300w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/sakine-u-hevalen-768x576.jpeg 768w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/sakine-u-hevalen-86x64.jpeg 86w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/sakine-u-hevalen.jpeg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 330px) 100vw, 330px\" \/>Ihre ersten Bildungen f\u00fcr Frauen handelten von den Auswirkungen des kapitalistischen Systems auf Frauen. Immer betonte sie: &#171;Frauen werden als Ware gesehen.&#187; Die Frauen f\u00fchlten sich mit diesem Begriff erst unwohl, doch mit viel Geduld erkl\u00e4rte sie ihnen was es mit der Kommodifizierung der Frauen auf sich hatte. Sakines Arbeit mit den Frauen in \u00c7ewlig, Xarp\u00eat (Elaz\u0131\u011f), und anderen Regionen inspirierte die Kurdistan Revolution\u00e4re. Sie organisierte nicht nur die Frauen, sondern Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft. Sie s\u00e4te Vertrauen, Glauben, und Hoffnung in einer Gesellschaft, die einem versuchten Genozid ausgesetzt war.<\/p>\n<p>In diesen sp\u00e4teren Jahren brachten die Fr\u00fcchte ihrer Arbeit ihren Kampf auf eine neue Ebene. Es begann der Aufbau einer revolution\u00e4ren Partei, die eine Antwort geben konnte, auf das Bed\u00fcrfnis nach Freiheit und Unabh\u00e4ngigkeit, und auf den Satz &#171;Kurdistan ist eine Kolonie.&#187;<\/p>\n<p>In der letzten Novemberwoche des Jahres 1978, im Dorf Fis, im Bezirk Lice in Amed (Diyarbak\u0131r), wurde der erste Kongress der Bewegung abgehalten. Sakine Cans\u0131z (Sara) und Kesire Yildirim (Fatma) waren die ersten Frauen, die sich an der Gr\u00fcndung der PKK beteiligten. Sie waren \u00fcbergl\u00fccklich, denn sie leiteten eine historische Phase ein und f\u00fcllten damit eine gro\u00dfe Leere in Kurdistan.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1699 alignleft\" src=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Sakine-konferenz-300x216.jpeg\" alt=\"\" width=\"310\" height=\"223\" srcset=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Sakine-konferenz-300x216.jpeg 300w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Sakine-konferenz.jpeg 680w\" sizes=\"auto, (max-width: 310px) 100vw, 310px\" \/>W\u00e4hrend Manifest und Parteiprogramm umrissen wurden, bereitete Sakine sich auf den Kampf der Frauen vor. Ihre Gruppe sollte &#171;Frauengruppe&#187; hei\u00dfen und alle Kaderinnen und Unterst\u00fctzerinnen miteinbeziehen.\u2075 Sie recherchierten zur Frauenbefreiung und arbeiteten an einer Brosch\u00fcre. Daraufhin reiste Sakine weiter durch Kurdistan um die Situation der Frauen zu analysieren.<\/p>\n<p>Im Manifest stand bez\u00fcglich der Frauen folgende Analyse:<\/p>\n<blockquote><p>&#171;Die Bestimmung der Frauen ist wie die Bestimmung des Kurdischen Volkes. Sie m\u00fcssen ihre eigene Massenbewegung organisieren. Das Ziel ist es ein demokratisches Kurdistan aufzubauen, und dann den Druck, der von den St\u00e4mmen und den Kompradoren ausgeht auszuschalten. Von au\u00dfen wurde versucht die verschiedenen sozialen Klassen zu beeinflussen, doch die Frauen sind eine Gruppe, die sie nicht beeinflussen k\u00f6nnen. Frauen sind versklavt, seitdem es die Klassengesellschaft gibt.&#187;<\/p><\/blockquote>\n<p>1979, nach dem Kongress, bekam Sakine Cans\u0131z die Aufgabe Frauen in Elazi\u011f (Kharput) zu organisieren und Frauenbildungen vorzubereiten. Der Linie der Organisation folgend, begannen sie das r\u00f6mische Rechtssystem zu studieren und zu Frauen weltweit zu recherchieren. Sie begannen die Grundlagen einer Frauenbewegung zu legen. Einmal versammelten sich 80 Frauen in Dersim, was unter normalen Umst\u00e4nden gar nicht m\u00f6glich gewesen w\u00e4re, insbesondere da Frauen ihre Anliegen in Anwesenheit von M\u00e4nnern nicht besprechen konnten.<\/p>\n<p>Der Staat war sich dieser Entwicklungen bewusst und begann Ma\u00dfnahmen gegen Revolution\u00e4r:innen und linke und sozialistische Gruppen zu ergreifen. \u00dcber diese Zeit berichtete Sakine:<\/p>\n<blockquote><p>&#171;Es ist wunderbar mit dem Hass auf unsere Feinde zu leben und zu k\u00e4mpfen. Ich habe mir immer gedacht, wenn unsere Existenz sie einsch\u00fcchtert, werde ich immer wie ein Fluch f\u00fcr sie sein.&#187;<\/p><\/blockquote>\n<p>Am 18. Mai 1979 wurden Sakine und viele ihrer Genoss:innen in Folge eines Putsches in Elaz\u0131\u011f festgenommen. Im Gef\u00e4ngnis leistete sie weiter Widerstand, sowohl gegen die steigende Tendenz in der Bewegung zu kapitulieren, als auch gegen den Staat. Der Staat wandte verschiedene Foltermethoden an, darunter H\u00e4ngen, Stromschl\u00e4ge, Isolationshaft in kalten, dunklen Zellen, Entkleidung, Zwangsf\u00fctterung von Exkrementen, etc. Ihr Widerstand erstaunte die Strafvollzieher:innen. Sie widersetze sich mit gro\u00dfem Mut ihren Folterern. Im Gef\u00e4ngnis von Diyarbak\u0131r, das f\u00fcr schreckliche Folterer wie Esat Oktay bekannt ist, erfreute sich dieser besonders daran Sakine zu foltern, und wollte sie unbedingt unter seinen Qualen einmal schreien h\u00f6ren, doch er blieb erfolglos. Sakine verglich die Bedingungen im Gef\u00e4ngnis mit Nazi-Konzentrationslagern:<\/p>\n<blockquote><p>&#171;In den Konzentrationslagern war die Menschlichkeit eine stille, geschundene Leiche, nackt und blo\u00dfgestellt. Die Hoffnung wurde in ihren leeren Augen ermordet. Die Leichen bewegten sich nur, wenn sie mit dem Tod an der Reihe waren. Wenn jemand fragt, ob ein solcher Ort auf der Erde existiert, m\u00fcssen wir nicht lange suchen \u2013 es gibt Amed (Diyarbak\u0131r).&#187;<\/p><\/blockquote>\n<p>Als Esat Oktay sie konfrontierte und sagte: &#171;Du musst akzeptieren, was gesagt wird. Viele kamen und gingen. Wei\u00dft du wer ich bin?&#187;, antwortete Sakine: &#171;Wei\u00dft du wer ich bin? Ich bin eine Revolution\u00e4rin. Offensichtlich kennst du die Revolution\u00e4re nicht.&#187; Und als er sie angriff spuckte sie ihm ins Gesicht.<\/p>\n<p>Lasst mich dieses Narrativ vom Widerstand der kurdischen politischen Gefangenen Sakine Cans\u0131z und den Erfahrungen in t\u00fcrkischen Gef\u00e4ngnissen \u00fcbersetzen und erl\u00e4utern:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1696 alignright\" src=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/hevalen-diyabakir-zindana-300x205.jpeg\" alt=\"\" width=\"342\" height=\"234\" srcset=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/hevalen-diyabakir-zindana-300x205.jpeg 300w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/hevalen-diyabakir-zindana-768x526.jpeg 768w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/hevalen-diyabakir-zindana.jpeg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 342px) 100vw, 342px\" \/>Dieses Ereignis, dass Sakine in Esat Oktays Gesicht gespuckt hat, wurde eine legend\u00e4re Erz\u00e4hlung, die sich sowohl innerhalb, als auch au\u00dferhalb der Gef\u00e4ngnismauern verbreitete. Sakines Haltung brachte ihr Anerkennung als widerst\u00e4ndiges Symbol in der Frauenabteilung sowie im gesamten Gef\u00e4ngnis. Der Widerstand, den sie und ihre Genoss:innen w\u00e4hrend ihres Hungerstreiks im Amed Gef\u00e4ngnis leisteten war wie eine Wiedergeburt f\u00fcr kurdische Frauen und das kurdische Volk. Ihre Furchtlosigkeit und ihr Mut beeindruckte alle weiblichen Gefangenen, die politischen, sowie die unpolitischen. Eines Tages entdeckten sie durch ein Loch in der Wand, dass ein Gef\u00e4ngnisw\u00e4rter sie regelm\u00e4\u00dfig heimlich beobachtete. Als die Gefangenen Sakine davon berichteten, plante sie einen \u00dcberfall und stach dem W\u00e4rter eine Stricknadel ins Auge. Er schrie vor Schmerzen, und Sakine wurde f\u00fcr diese Tat weiterer Folter unterzogen.<br \/>\nG\u00fcltan K\u0131\u015fanak, der inhaftierte HDP B\u00fcrgermeister von Amed, war mit Sakine zusammen in Haft, und beschrieb sie:<\/p>\n<blockquote><p>&#171;Sie pflegte Beziehungen zu allen Gefangenen. Sie k\u00fcmmerte sich um die Gefolterten, indem sie ihre von Bluterg\u00fcssen \u00fcbers\u00e4ten K\u00f6rper massierte um Gerinnsel vorzubeugen, nachdem sie mit Kn\u00fcppeln und Kabeln geschlagen worden waren.&#187;<\/p><\/blockquote>\n<p>Aufgrund ihrer aufst\u00e4ndischen Aktionen gegen das Gef\u00e4ngnispersonal wurde Sakine in das Amasya Gef\u00e4ngnis verlegt. Man stellte sie dem Gef\u00e4ngnisdirektor, \u015e\u00fckr\u00fc, vor. Ihr Kennenlernen wurde zu einer offenen Verteidigung ihrer politischen Pers\u00f6nlichkeit. Als der Direktor versuchte eine Autorit\u00e4t mit den Worten &#171;Ich bin \u015e\u00fckr\u00fc, ich leite dieses Gef\u00e4ngnis schon so lange, dass hier nichts ohne meinen Befehl geschieht.&#187; zu bekundigen versuchte, antwortete Sakine unbeugsam:<\/p>\n<blockquote><p>&#171;Ich bin Sakine Cans\u0131z, eine Gr\u00fcnderin der PKK. Ich bin jetzt hier und ich habe meine eigenen Prinzipien! Alles andere hat f\u00fcr mich keine Geltung.&#187;<\/p><\/blockquote>\n<p>Sie unternahm mehrere Fluchtversuche, die jedoch immer durch Informant:innen vereitelt wurden. Aufgrund ihrer Bem\u00fchungen auszubrechen wurde sie von ihren Mitgefangenen &#171;Schmetterling&#187; genannt.<\/p>\n<p>Im Angesicht des Putsches vom 12.9.1982, der zum Ziel hatte den Willen der Bev\u00f6lkerung zu brechen, verblieb ein Schimmer der Hoffnung: Der Widerstand der revolution\u00e4ren Gefangenen. Die, die sich an diesem Widerstand beteiligten, brachten neues Leben in eine Gesellschaft, die dem Tode geweiht schien. Die Kurdistan Revolution\u00e4re begriffen zwei Dinge: Erstens, dass die Freiheit Kurdistans als nationale Frage zum Teil davon abhing die genozidale und verleugnenden Mentalit\u00e4t des Staatssystem zu ver\u00e4ndern, aber noch viel mehr vom Erwachen des kurdischen Volkes an sich. Und zweitens, dass die Verteidigung der Identit\u00e4t und der Werte einer Gesellschaft im Rahmen ihrer Bewegung sich nicht auf M\u00e4nner beschr\u00e4nkte \u2013 die Beteiligung der Frauen in diesem Widerstand wies den Weg f\u00fcr eine bedeutende soziale Transformation.<\/p>\n<p>Sakine Cans\u0131z&#8216; Widerstand ebnete den Weg f\u00fcr die Befreiung sowohl der Frauen, als auch der Gesellschaft. Hieraus entstand der Slogan: &#171;Ohne die Freiheit der Frau, kann die Gesellschaft nicht frei sein.&#187; Was die kurdische Gesellschaft schw\u00e4chte war nicht nur die Kolonisierung, sondern auch die soziale Verkommenheit und R\u00fcckw\u00e4rtsgewandtheit, die sie in der kurdischen Identit\u00e4t gestiftet hatte.<\/p>\n<p>Sakine war die erste Frau in der Geschichte der T\u00fcrkei, die auf diese Weise Widerstand leistete, und eine bespielhafte Heldin wurde. Sakine akzeptierte niemals die Umst\u00e4nde des gew\u00f6hnlichen Lebens, wehrte sich st\u00e4ndig, ohne sich zu ergeben. Sie verbrachte einen gro\u00dfen Teil ihrer Jugend in verschiedenen Haftanstalten (Elaz\u0131\u011f, Malatya, Bursa, Amed, \u00c7anakkale).<\/p>\n<p><strong>1991<\/strong> wurde sie entlassen. Nach ihrer Entlassung besuchte sie die <strong>Mahsum Korkmaz Akademie<\/strong> in der libanesischen Bekaa-Ebene und nahm an der ideologischen Bildung durch A. \u00d6calan teil. Sie beteiligte sich dort an der ersten Konferenz politischer Gefangener und leistete Organisierungsarbeit in Pal\u00e4stina, Syrien und Rojava.<\/p>\n<p>Nach diesem Training verlangte Sakine in die Berge Kurdistans gehen zu d\u00fcrfen. \u00d6calan, zusammen mit den Genoss:innen der Akademie, gab seine Zustimmung, da sie von Anfang an eine Rolle in der Gr\u00fcndung der PKK gespielt hatte und er fand, dass er diese Entscheidung nicht f\u00fcr sie treffen k\u00f6nne. Als die Mehrheit der Genossinnen in der Akademie ihre Entscheidung unterst\u00fctzen, sagte \u00d6calan: &#171;Sara, du hast gewonnen.&#187; Sakine war \u00fcbergl\u00fccklich!<\/p>\n<blockquote><p>&#171;Ich war sehr entschlossen und stur; Wenn ich mir etwas vorgenommen hatte, w\u00fcrde ich es auf alle F\u00e4lle erreichen. Alles, was ich wollte ist eins nach dem anderen umgesetzt worden. Ich sah R\u00eabert\u00ee [Abdullah \u00d6calan, Anm. d. \u00dc.], ich sah halb Kurdistan, ich sah und sp\u00fcrte die Freiheitsliebe der Menschen. Ich dachte mir, wenn ich in die Berge gehe und mein Traum eine Guerrilla zu werden in Erf\u00fcllung geht, wird alles so sein wie ich es mir gew\u00fcnscht habe.&#187;<\/p><\/blockquote>\n<p>Sp\u00e4ter ging Sakine mit gro\u00dfer Leidenschaft in die <strong>Berge Kurdistans,<\/strong> und beteiligte sich an den T\u00e4tigkeiten und Operationen der Guerilla. Sie spielte eine tragende Rolle in den Kongressen und Konferenzen der Frauenbefreiungsbewegung Kurdistan und der Freiheitsbewegung Kurdistans allgemein. Sie war auch eine gute Schriftstellerin, weshalb \u00d6calan ihr dazu riet ihre Lebensgeschichte und ihre Memoiren niederzuschreiben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1702 alignleft\" src=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/sakine-u-berf-300x225.jpeg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"262\" srcset=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/sakine-u-berf-300x225.jpeg 300w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/sakine-u-berf-86x64.jpeg 86w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/sakine-u-berf.jpeg 720w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/>Trotz der anspruchsvollen Bedingungen in den Bergen f\u00fchrte sie ein sehr ordentliches und diszipliniertes Leben. Sport war eine ihrer Leidenschaften und allt\u00e4glichen Gewohnheiten. Jeden Tag stand sie fr\u00fch auf und trainierte in der Berglandschaft, selbst bei Schnee, und sammelte frische Bergkr\u00e4uter. Sie liebte es ihre Memoiren zu schreiben, und trug ihr Notizbuch immer bei sich, um darin bei jeder Gelegenheit zu schreiben.<\/p>\n<p>Wenn \u00d6calan von Sakines Pers\u00f6nlichkeit sprach, konnte er nie seine Bewunderung verbergen und sagte zu ihr:<\/p>\n<blockquote><p>&#171;Du bist eine sehr widerstandsf\u00e4hige Frau. Wir haben dich vielen Schwierigkeiten ausgesetzt, aber das war sicherlich nicht von Bedeutung. Was sollen wir tun? Unser Kampf hat dich zu dieser St\u00e4rke gebracht\u2026 Du kannst eine gut geformte Pers\u00f6nlichkeit werden. Dein Mut und deine Opfer, hundert Mal mehr als meine, haben dich stark gemacht.&#187;<\/p><\/blockquote>\n<p>Als die erste autonome Frauenorganisation der Bewegung, die <strong>YJWK<\/strong> (&#171;Vereinigung der patriotischen Frauen Kurdistans&#187;), <strong>1987<\/strong> in Hannover gegr\u00fcndet wurde, war Sakine in Haft. Bei ihrem <strong>zweiten Kongress 1989,<\/strong> spielte Sakine eine wichtige Rolle, indem sie einen Brief aus dem Gef\u00e4ngnis schickte, der auf dem Kongress verlesen wurde. Der Hauptgegenstand dieses Kongresses war die Autonomie der Frauen (unabh\u00e4ngige und besondere Praxen der Organisierung) und wie sie entwickelt werden sollte. Aus den Bergen Kurdistans wurden Fotos von 50 Guerillak\u00e4mpferinnen unter dem Kommando von Genossin Azime an den Kongress geschickt, die f\u00fcr gro\u00dfe Begeisterung sorgten und f\u00fcr alle neue Frauenbilder schufen.<\/p>\n<p>Der <strong>dritte Kongress der YJWK<\/strong> wurde in Europa im August <strong>1991<\/strong> unter der Beteiligung von ca. 1500 Delegierten gehalten. Der Kongress beschloss autonome Bildung in kurdischer Sprache zu f\u00f6rdern und bezog eine klare und starke Stellung gegen ethnische S\u00e4uberung. Sie entschieden sich auch dazu die Zeitschrift \u201cJina Serbilind\u201d (Stolze Frau) zu ver\u00f6ffentlichen, welche die erste Frauenzeitschrift wurde.<\/p>\n<p>Nach ihrer R\u00fcckkehr in die kurdischen Berge blieb Sakine Cans\u0131z <strong>1994<\/strong> in <strong>Botan<\/strong>. Dieses Jahr war von schweren Gefechten gepr\u00e4gt und sie war in der mobilen Einheit, welche die k\u00e4mpferischste war und die meisten Gefechte austrug. <strong>1995<\/strong> wurde sich dazu entschieden einen <strong>Frauenkongress in den Bergen Kurdistans<\/strong> abzuhalten. Sakine spielte eine tragende Rolle im Vorbereitungskomitee des ersten Kongress der <strong>YAJK<\/strong>, (&#171;Union der Freiheit der Frauen Kurdistans&#187;). Sie bereiteten Satzung, Programm, und Berichte f\u00fcr die Bewegung in einer historischen H\u00f6hle mit dem symbolischen Namen &#171;Frauentempel&#187; in Metina im Dorf Beshiri vor. Dem Kongress wohnten Vertreterinnen aller Regionen, insgesamt 350 weibliche Delegierte, bei. Es war das erste historische Ereignis und<strong> der erste Schritt der kurdischen Frauenbefreiungsbewegung in den Bergen Kurdistans.<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1700 alignright\" src=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Sakine-perwerde-300x225.jpeg\" alt=\"\" width=\"340\" height=\"255\" srcset=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Sakine-perwerde-300x225.jpeg 300w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Sakine-perwerde-768x576.jpeg 768w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Sakine-perwerde-86x64.jpeg 86w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Sakine-perwerde.jpeg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 340px) 100vw, 340px\" \/>Diesem Meilenstein folgte der Aufbau der Frauenguerilla. Es war eine Guerilla, die alle Ungleichheit brechen, die Wand der Angst einrei\u00dfen, Frauen aus ihren H\u00e4usern holen, und sie dem Kampf n\u00e4herbringen sollte. \u00dcber diesen milit\u00e4rischen Aspekt hinaus untergrub die Frauenguerilla fundamental die vorherrschende konservative Mentalit\u00e4t in Kurdistan und zeigte den M\u00e4nnern die Ma\u00dfst\u00e4be auf, nach denen die Frauen leben wollten. In all diesen Entwicklungen war Sakine eine Vorreiterin f\u00fcr die anderen. Sie hatte ein ausgepr\u00e4gtes Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, dass \u00d6calan den tiefgreifendsten Widerspruch der Geschichte thematisiert hatte, und dass demokratische Ver\u00e4nderung ohne diesen radikalen revolution\u00e4ren Ansatz unm\u00f6glich war. Hierzu sagte Sakine:<\/p>\n<blockquote><p>&#171;Der Aufbau der Frauenguerilla war nicht darauf beschr\u00e4nkt eine bewaffnete Einheit zu sein. Die Entstehung der Freiheitsarmee bedeutete ideologische und politische Entwicklung, Tat, Willen, und die Sch\u00f6pfung von Erm\u00e4chtigung und Moral. Sie bedeutete auch die Grundlage f\u00fcr die Einheit mit der Bev\u00f6lkerung zu schaffen. Es ging darum die zentralen Forderungen der Menschen anzusprechen, sich kollektiv ihren Bed\u00fcrfnissen entsprechend zu organisieren, eine Organisation aufzubauen, die all dies einschlie\u00dft.&#187;<\/p><\/blockquote>\n<p>Nachdem sie weitreichende praktische Erfahrung in den kurdischen Bergen gesammelt hatte, kehrte Sakine mit einem Reichtum an Erfahrungswissen und theoretischen Grundlagen zur Kaderakademie zur\u00fcck, wo neue Perspektiven und Analysen ben\u00f6tigt wurden. Zu genau der gleichen Zeit, als die T\u00fcrkei und internationale M\u00e4chte einen Komplott zur Auslieferung \u00d6calans aus Syrien planten, k\u00fcndigten Sakine und weitere weibliche Genossinnen in einem Fernsehprogramm bei Media TV mit Abdullah \u00d6calan das <strong>Projekt der Frauenbefreiung<\/strong> an. Dies gilt als einer der <strong>grundlegendsten und wichtigsten Meilensteine<\/strong> im Kampf der kurdischen Frauenbefreiungsbewegung, der sich genau dann ereignete, als die Ideologie der Bewegung zunehmend mit dem Sinnverlust konfrontiert war, der durch die weltweiten neoliberalen Propagandawellen kam.<\/p>\n<p>Dieses Ereignis wurde viele Jahre sowohl in der Theorie als auch in der Praxis als Antwort auf die Frage &#171;Wie soll ich leben?&#187; formuliert und verlangte die historische Erneuerung der Beziehung zwischen M\u00e4nnern und Frauen in Kurdistan und dar\u00fcber hinaus. In einem Interview mit \u00d6calan beschrieb der t\u00fcrkische Journalist <strong>Mahir Say\u0131n<\/strong> diese Beziehung als &#171;Feuer und Benzin&#187;, und bezog sich damit auf die Transformation der traditionellen Beziehung zwischen Sklave und Sklavenhalter, einem dominanten Mann und einer unterw\u00fcrfigen Frau, hin zu einer freien Beziehung. Der Frauenbefreiungsideologie zufolge fu\u00dft diese neue Beziehung auf den Prinzipien: Welatpar\u00eaz\u00ee [Liebe zur und Verteidigung der Heimat, Anm. d. \u00dc.], Kampf, Organisierung, freier Wille und freies Denken, und Ethik&amp;\u00c4sthetik. Dieser Schritt w\u00fcrde nicht nur das Schicksal der kurdischen Gesellschaft, sondern das der gesamten Region ver\u00e4ndern und weltweit resonieren. Dies war der geschichtliche, philosophische, und praktische Dialog zwischen Abdullah \u00d6calan und Sakine Cans\u0131z.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1698 alignleft\" src=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/sakine-hevalen-u-berf-300x169.jpeg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"197\" srcset=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/sakine-hevalen-u-berf-300x169.jpeg 300w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/sakine-hevalen-u-berf-768x433.jpeg 768w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/sakine-hevalen-u-berf.jpeg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/>Nach der Ausbildung an der Kaderakademie, kehrte sie <strong>1998<\/strong> an die <strong>Akademie<\/strong> zur\u00fcck. Dem neuen Dialog und der soziologischen Analyse mit Abdullah \u00d6calan folgend, verlegte sie ihren Kampf nach <strong>Europa<\/strong>, wo sie weiterhin organisatorische Arbeit leistete und die Dimplomatiearbeiten breiter aufstellte. Sie machte wichtige Schritte mit Freunden des kurdischen Volkes sowie im diplomatischen Kampf. 2018, w\u00e4hrend unseres ersten Jineoloj\u00ee Camps in Bilbao, Baskenland, entdeckten wir, dass Sakine die erste kurdische Frau war, die Bilbao besuchte, als sie in Europa ankam und die baskischen Frauen traf. Baskische Aktivistinnen und Akademikerinnen bemerkten Sakines starke Pers\u00f6nlichkeit und ihren breiten intellektuellen Horizont.<\/p>\n<p>Immer wenn Sakine ein Haus besuchte, hinterlie\u00df sie eine pr\u00e4gende Erinnerung und beeinflusste ma\u00dfgeblich die Entwicklung der welatpar\u00eazen Einstellung. Sie baute genossenschaftliche Beziehungen nicht nur mit kurdischen Familien, sondern ebenfalls mit linken, sozialistischen, und internationalistischen Personen auf und ebnete Wege f\u00fcr Kampf, Widerstand, und Zusammenarbeit. Sie brachte ihnen Kurdistan und die Freiheitsbewegung n\u00e4her und fand Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Befreiungskampf.<\/p>\n<p>Insbesondere nach dem<strong> internationalen Komplott gegen \u00d6calan<\/strong> und seiner Gefangennahme in Isolationshaft auf \u0130mral\u0131, betrieb Sakine diplomatische Arbeiten von Land zu Land und erl\u00e4uterte die schwierige Zeit nach dem Komplott in der Bewegung und der Gesellschaft. Schwierigkeiten zeichneten sich vorallem in Bezug auf den <strong>Paradigmenwechsel<\/strong> hin zur demokratischen Moderne ab, der gleichzeitig ein strategischer Schritt war und auch viele Risiken barg. Sakine arbeitete Tag und Nacht um die Einheit der Organisation aufrecht zu erhalten, die strategische Rolle der kurdischen Frauenbefreiungsbewegung zu spielen, historische Konflikte zu l\u00f6sen, wahre Leitung f\u00fcr die Frauen in der Bewegung zu bieten, und gleichzeitig die Bewegung zu sch\u00fctzen und eine Vorreiterin im sozialen Prozess der kurdischen Revolution zu sein. Hierf\u00fcr behielt sie zusammen mit anderen f\u00fchrenden Kader:innen eine entscheidende Rolle in allen folgenden Kongressen und Wendepunkten der Bewegung.<\/p>\n<p>Sakine war sich sehr sicher, dass eine entscheidende Phase im kurdischen Befreiungskampf sich anbahnte. Selbstbewusst sprach sie am 27. Oktober 2008 mit Roj TV:<\/p>\n<blockquote><p>&#171;Es gibt einen fortw\u00e4hrenden Kampf, der voranschreitet. Ein Kampf, der jetzt das Eigen des kurdischen Volkes geworden ist. Er hat den Weg in die Freiheit f\u00fcr uns freigemacht, die Organisierung und Einheit der kurdischen Bev\u00f6lkerung erm\u00f6glicht, und er ist die Grundlage f\u00fcr ihre Selbstbestimmung geworden.&#187;<\/p><\/blockquote>\n<p>In einem Interview von 2011, das in der Zeitschrift Nawaya Jin ver\u00f6ffentlicht wurde antwortete Sakine auf eine Frage \u00fcber die Verantwortungen der Frauen:<\/p>\n<blockquote><p>&#171;Wir k\u00e4mpfen, sodass wir nicht die Frauen werden, die nichts weiter tun k\u00f6nnen als weinen, wir k\u00e4mpfen, sodass wir nicht die Frauen werden, die schwarz tragen und ihr Leid beklagen, deshalb sind wir in den Bergen&#8230; Der Schmerz und die Unterdr\u00fcckung, den die Gesellschaft und die Frauen in der Geschichte durchlebt haben und fortw\u00e4hrend erfahren handelt von Achtsamkeit, dem Schaffen von Bewusstsein, Denken und Perspektive, und Mitteln zum Kampf. Wir k\u00f6nnen diese Situation nur durch breite Organisierung \u00fcberwinden.&#187;<\/p><\/blockquote>\n<p>Als in Europa Gespr\u00e4che dar\u00fcber gef\u00fchrt wurden eine Frauenstiftung zu gr\u00fcnden und wie sie hei\u00dfen sollte, wurde vorgeschlagen sie nach Sakine zu benennen, so wie viele Institutionen nach Rosa Luxemburg benannt sind. Zu diesem Zeitpunkt sagte Sakine: &#171;Warum? Wollen sie mich t\u00f6ten?&#187; Sie sp\u00fcrte, dass diejenigen, die sie im Gef\u00e4ngnis oder in den Bergen Kurdistans nicht hatten ausschalten konnten, ihr nach Europa gefolgt waren. Im Herzen Europas, das allseits f\u00fcr &#171;Menschenrechte&#187; und &#171;Demokratie&#187; bekannt ist, gelang es ihnen sich gegen sie zu verschw\u00f6ren.<\/p>\n<p>Am<strong> 9. Januar 2013,<\/strong> im kurdischen Informationszentrum, auf der belebtesten Stra\u00dfe von Paris, wurden Sakine Cans\u0131z (Sara), Mitglied des Kurdistan Nationalkongress&#8216; Fidan Do\u011fan (Rojbin), und Mitglied der Jugendbewegung Leyla \u015eaylemez (Ronah\u00ee) von einem Mitglied des t\u00fcrkischen Geheimdienstes (MIT) ermordet. Der M\u00f6rder starb sp\u00e4ter in einem franz\u00f6sischen Gef\u00e4ngnis unter ungekl\u00e4rten Umst\u00e4nden. Damit wurde der Fall geschlossen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1701 alignright\" src=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/sakine-protest-300x225.jpeg\" alt=\"\" width=\"320\" height=\"240\" srcset=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/sakine-protest-300x225.jpeg 300w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/sakine-protest-768x576.jpeg 768w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/sakine-protest-86x64.jpeg 86w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/sakine-protest.jpeg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 320px) 100vw, 320px\" \/>Die Besatzer versuchten die Stimmen kurdischer Frauen und das kurdische Volk durch die Ermordung von Sakine und den anderen Vorreiterinnen zu ersticken. Ihr Ziel: Den inspirierenden Geist der Bewegung t\u00f6dlich zu treffen. Sakine jedoch, die gelernt hatte zu siegen, wurde die Stimme und der Geist von <strong>Millionen, die im Angesicht des Todes und ihrer M\u00f6rder, in Massen auf die Stra\u00dfen str\u00f6mten,<\/strong> um ihre Gef\u00fchle zu diesem Massaker kundzutun. Sie tr\u00e4umte davon, in einem Blumenregen als Guerillak\u00e4mpferin in Kurdistan empfangen zu werden. Sie trug den Schmerz, das Leid, und die Trag\u00f6die ihres Volkes und verwandelte sie in Hoffnung, Kraft, Bewusstsein, und Organisierung, als sie von Stadt zu Stadt reiste, Berg zu Berg, Land zu Land. Trotzdem verstand sie, dass der Weg zum Frieden ein langwieriger ist. \u00d6calan zog folgenden Schluss aus diesem Massaker:<\/p>\n<blockquote><p>&#171;In Wahrheit wollten sie dieses Massaker benutzen um meine Friedensbestrebungen zu verhindern. Das soll hei\u00dfen, diejenigen im Staat, die das Problem nicht mit demokratischen Mitteln l\u00f6sen wollen wollten den Prozess st\u00f6ren. Sakines Leben ist ein Beispiel. Die Freiheit der Frauen ist Sakines Kampf. Ich werde Rechenschaft f\u00fcr Sakine fordern.&#187;<\/p><\/blockquote>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-1706 aligncenter\" src=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/sakine-u-roj-300x225.jpeg\" alt=\"\" width=\"710\" height=\"533\" srcset=\"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/sakine-u-roj-300x225.jpeg 300w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/sakine-u-roj-768x576.jpeg 768w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/sakine-u-roj-86x64.jpeg 86w, https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/sakine-u-roj.jpeg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 710px) 100vw, 710px\" \/><\/p>\n<p>Quelle: Tawar Magazine<br \/>\n[1] \u2013 S. Cans\u0131z, Mein ganzes Leben war ein Kampf I, S. 21.<br \/>\n[2] \u2013 <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=oLiq0p6T1x4\">Dokumentation &#171;Sara&#187;<\/a><br \/>\n[3] \u2013 A. \u00d6calan, Jenseits von Staat, Macht und Gewalt.<br \/>\n[4] Das Wort Apocu ist eine Abk\u00fcrzung f\u00fcr jene, die der Philosophie Abdullah \u00d6calans folgen, dem Anf\u00fchrer der ersten Gruppe der Kurdistan Revolution\u00e4re.<br \/>\n[5] Dalal Amed, \u201cWomen\u2019s History Lessons in the Kurdistan Freedom Movement\u201d.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Necibe Qeredaxi Von dem Augenblick an, in dem sich Menschen ihrer Existenz als Wille bewusst geworden sind, stellen sie sich grundlegende Fragen und suchen stets nach den befriedigendsten Antworten, die ihrem Leben sowohl pers\u00f6nlich als auch gesellschaftlich Sinn verleihen. Die Frage &#171;Wer bin ich?&#187; war die Frage, die die meisten Wahrheitssuchenden, Philosoph:innen, Prophet:innen, und Anf\u00fchrer:innen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":1711,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[47,42,4],"tags":[112,113,111,107,108,109,110],"class_list":["post-1650","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artikel","category-frauenbewegung-kurdistans","category-dirok","tag-bewegungsgeschichte","tag-frauenbewegung-kurdistans","tag-grundlagen-der-jineoloji","tag-sakine","tag-sakine-cansiz","tag-sara","tag-wegbereiterin"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1650","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1650"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1650\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1712,"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1650\/revisions\/1712"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1711"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1650"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1650"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1650"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}