{"id":1492,"date":"2023-12-27T22:28:28","date_gmt":"2023-12-27T19:28:28","guid":{"rendered":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/?p=1492"},"modified":"2023-12-27T22:28:28","modified_gmt":"2023-12-27T19:28:28","slug":"aus-rojava-an-alle-freiheitsliebenden-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/jineoloji.eu\/de\/2023\/12\/27\/aus-rojava-an-alle-freiheitsliebenden-menschen\/","title":{"rendered":"Aus Rojava an alle freiheitsliebenden Menschen"},"content":{"rendered":"<div class=\"page\" title=\"Page 1\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Aus Rojava an alle freiheitsliebenden Menschen der Welt,<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>heute ist der 25. Dezember. Und in diesem Moment, ho\u0308ren wir das Dro\u0308hnen der Kriegsflugzeuge u\u0308ber unseren Ko\u0308pfen.<\/p>\n<p>Bei dem heutigen Luftangriffes der tu\u0308rkischen Armee gegen die Druckerei Simav in Qamishlo wurden Berivan und fu\u0308nf weitere Mitarbeiter geto\u0308tet. Auch Ala El Sebawi verlor ihr Leben bei einem weiteren Angriffes der tu\u0308rkischen Luftwaffe auf eine Ba\u0308ckerei. Berivan und Ala sind zwei junge Frauen aus Rojava, die dafu\u0308r geka\u0308mpft haben, sich ein neues Leben aufzubauen. Vor der Revolution war es Frauen nicht erlaubt, ihr Leben selbst zu bestimmen. Bis jetzt wissen wir, dass auch die Arbeiter Riyad Hemo, Hise\u0302n Ehmed, Re\u0302nas Hise\u0302n, Ferhan Xelef und Ferhan Teme\u0302 ihr Leben verloren haben und weitere Menschen an verschiedenen Orten in Rojava verletzt wurden.<\/p>\n<p>Mit jedem Ort, der von der Tu\u0308rkei angegriffen wird, mit jedem Menschen, der sein Leben verliert, sollen auch die Erinnerungen ausgelo\u0308scht werden: Erinnerungen daran, wie eine Revolution gemacht und ein neues Leben aufbaut wird.<\/p>\n<p>Auch andere Orte wurden von der Tu\u0308rkei ins Visier genommen: Im Zentrum von Amude war es eine Olivenkooperative. Wir erinnern uns an eine Frau aus Afrin, die sagte: &#171;Wenn ich hier bei den Oliven bin, fu\u0308hle ich mich Afrin na\u0308her &#8211; und das macht mir Freude&#187;. Es ist wichtig zu wissen, dass der Olivenbaum fu\u0308r die Menschen in Afrin heilig ist und als Quelle des Lebens gilt. Heute werden ihre Olivenba\u0308ume von tu\u0308rkischen So\u0308ldnern abgeholzt und verbrannt. &#171;Jedes Mal, wenn sie einen Olivenbaum fa\u0308llen&#187;, sagen die Menschen aus Afrin, &#171;to\u0308ten sie einen von uns. Seit dem Tag, an dem Afrin besetzt wurde, sterben viele alte Menschen aus Afrin wa\u0308hrend der Zeit der Olivenernte. Wir wissen, dass das kein Zufall ist.&#187;<\/p>\n<p>Ein weiterer Ort, der durch die tu\u0308rkische Armee bombardiert wurde, ist das Veranstaltungszentrum Karama in Amude. Wir erinnern uns an die Zeit, als die Frauenorganisation Kongra-Star dort ihren Kongress abhielt, um die Errungenschaften der Frauenrevolution zu feiern. Hunderte von Frauen jeden Alters waren anwesend. Und fu\u0308r die Einwohner und Einwohnerinnen von Amude ist es ein bekannter Treffpunkt fu\u0308r o\u0308ffentliche Versammlungen.<\/p>\n<p>Neben vielen anderen Orten hat die Tu\u0308rkei auch das Dialysezentrum in Qamishlo ins Visier genommen. Dies konnte als erstes und einziges gemeinschaftliches Behandlungszentrum in diesem Bereich fu\u0308r kranke Menschen in der Region fu\u0308r kranke Menschen in der Region ero\u0308ffnet werden.<\/p>\n<p>Seitdem wir angefangen haben, diesen Aufruf zu verfassen, ha\u0308ufen sich die Nachrichten u\u0308ber neue Angriffe der tu\u0308rkischen Armee. Zu den Infrastrukturen, die derzeit in allen Regionen von Rojava bombardiert werden, geho\u0308ren Krankenha\u0308user, medizinische Einrichtungen, Lebensmittelkooperativen und -lager, Textilfabriken, O\u0308lrafferien, Tankstellen, landwirtschaftliche Genossenschaften, Bauunternehmen und Materiallager sowie Getreidemu\u0308hlen.<\/p>\n<p>Trotz aller Angriffe haben die Menschen in Rojava niemals aufgeho\u0308rt, sich nach den Grundsa\u0308tzen des demokratischen und o\u0308kologischen Paradigmas zu organisieren, das auf der Frauenbefreiung beruht. Sie haben ihr Leben aus den Tru\u0308mmern des Krieges immer wieder von Neuem aufgebaut.<\/p>\n<p>In einer benachteiligten Region, die jahrzehntelang durch das Assad-Regime unterdru\u0308ckt wurde und nur u\u0308ber eine sehr begrenzte Infrastruktur verfu\u0308gte, wurden Fabriken, Werksta\u0308tten und Genossenschaften gebaut, um fu\u0308r die grundlegenden Lebensbedu\u0308rfnisse sicherstellen zu ko\u0308nnen. Es wurden Schulen und Akademien errichtet, damit alle Kinder und Menschen in ihrer Muttersprache lernen ko\u0308nnen. Druckereien wurden gebaut, um Analysen, Romane und Gedichte uneingeschra\u0308nkt verbreiten zu ko\u0308nnen. Krankenha\u0308user wurden gebaut, um Kranke zu behandeln. Es wurden Versammlungs- und Festpla\u0308tze fu\u0308r die Gemeinschaft errichtet. Um den Energiebedarf zu decken, wurden O\u0308lstationen betrieben. All dies sind Ergebnisse der unermu\u0308dlichen Anstrengungen von Menschen, die in Kommunen, Ra\u0308ten, Genossenschaften und Akademien organisiert sind, um die Hoffnung zu bewahren und ihren Willen zum Leben zu bekra\u0308ftigen. Dies sind die praktischen Ergebnisse der Hoffnung, dass wir ein freies Leben aufbauen ko\u0308nnen, jenseits von Staat, Kapitalismus und Patriarchat.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"page\" title=\"Page 2\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p>Die ju\u0308ngsten Errungenschaften der kurdischen Freiheitsbewegung sind eine Bedrohung fu\u0308r die Existenz des faschistischen tu\u0308rkischen Staates. Am 13. Dezember hatte die Demokratische Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien ihren neuen Gesellschaftsvertrag erkla\u0308rt. Am 19. Dezember hatten kurdische Parteien bei den Kommunalwahlen in Kirkuk und Schengal fu\u0308r die Repra\u0308sentation des Willens der kurdischen und ezidischen Bevo\u0308lkerung ein wichtiges Ergebnis erreicht. Au\u00dferdem fu\u0308hrte die Guerilla in den Bergen Su\u0308dkurdistans (Irak) erfolgreiche Aktionen gegen die Besatzungsangriffe der tu\u0308rkischen Armee durch.<\/p>\n<p>Um ihren Traum von einem neo-osmanischen Reich zu verwirklichen, verscha\u0308rft die tu\u0308rkische Armee deshalb &#8211; wieder einmal &#8211; ihre Angriffe auf Rojava. Es wird deutlich, dass diese Angriffe Teil einer systematischen Kriegsfu\u0308hrung sind, die darauf abzielt, das Leben der Menschen hier in Rojava zu zersto\u0308ren, und damit auch die Hoffnung, die sie verbreiten. Diese neue Angriffswelle zielt auf lebenswichtige Infrastrukturen ab. Zusammen mit dem jahrelangen Embargo bedrohen diese Angriffe das U\u0308berleben aller Menschen, da sie die Versorgung mit Wasser, Heizmitteln, Treibstoff und Strom lahmlegen. Diese Strategie ist Teil der langfristigen Besatzungspla\u0308ne von Erdogan &#8211; derselbe Erdogan, der die Angriffe auf die Infrastruktur, Schulen, Krankenha\u0308user und Kirchen in Gaza als Vo\u0308lkermord bezeichnet.<\/p>\n<p>Dies ist eine Tatsache: Die ganze Welt ist mit Angriffen von faschistischen, kapitalistischen, patriarchalen Staaten konfrontiert. Wir rufen zu einem gemeinsamen Kampf gegen die Kriegsmaschinerie auf, die durch Besatzung, Genozide und Feminizide versucht, Menschen und Land zu teilen und zu erobern. In ihrem Kampf beharrt die Bevo\u0308lkerung von Rojava \/ Nord- und Ostsyrien darauf, ein freies Leben aufzubauen &#8211; fu\u0308r das bereits so viele Menschen ihr Leben gegeben haben. In diesem Sinne rufen wir alle Menschen auf, gemeinsam den Widerstand gegen Faschismus, Besatzung und Patriarchat zu organisieren \u2013 und ein freies, wu\u0308rdevolles Leben aufzubauen!<\/p>\n<p>Andrea Wolf Institut der Jineoloji\u0302 Akademie<\/p>\n<p>Rojava \/ Region der Autonomen Selbstverwaltung in Nord-und Ostsyrien, 25.12.2023<\/p>\n<p>Kontakt: jineoloji-international (at)riseup.net<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus Rojava an alle freiheitsliebenden Menschen der Welt, heute ist der 25. Dezember. Und in diesem Moment, ho\u0308ren wir das Dro\u0308hnen der Kriegsflugzeuge u\u0308ber unseren Ko\u0308pfen. Bei dem heutigen Luftangriffes der tu\u0308rkischen Armee gegen die Druckerei Simav in Qamishlo wurden Berivan und fu\u0308nf weitere Mitarbeiter geto\u0308tet. 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